Stromtrasse

Kommune bringt Unzufriedenheit mit der Stromtrasse auf den Punkt

Kommune bringt Unzufriedenheit mit der Stromtrasse auf den Punkt

Kommune bringt Unzufriedenheit mit Stromtrasse auf den Punkt

Tondern/Tønder
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Die angestrebten Stromasten des Modells Thor. Foto: Kommune Tondern

In dem Schreiben an Energinet wird der Ärger nicht verhehlt. Elf Familien können ein Kaufangebot erwarten.

Der Vorschlag des staatlichen Netzbetreibers Energinet für die Trassenführung der Stromautobahn mit nur fünf Kilometern Erdkabel in der Kommune Tondern stimmt ganz und gar nicht mit den Erwartungen der Kommune überein. Sie ist der Auffassung, dass der Vorschlag in keinem Verhältnis zu der Besorgnis steht, die die Kommune im bisherigen Verlauf geäußert hat.

Sie bringt nun ihren Ärger darüber, dass nicht mehr unterirdisch verkabelt wird, schriftlich offenkundig zum Ausdruck. Der Technische Ausschuss hat das Schreiben an Energinet gebilligt. Danach werden sich erst der kommunale Finanzausschuss und dann der Kommunalrat mit dem Inhalt des Einspruchs befassen.

Hoffen auf ein offenes Ohr

„Wir hoffen, dass sie unserem Anliegen Gehör schenken werden. Das haben sie ja in der ersten Phase nicht getan“, sagt der Vorsitzende des Technischen Ausschusses, Bo Jessen (Venstre). Er blickt mit Spannung darauf, welche Lösung in Grenznähe gewählt wird, wo es noch offen ist, wo die deutsche und die dänische Trasse aufeinandertreffen.

Die 170 Kilometer lange 400-Kilovolt-Stromtrasse führt von der Grenze bei Tondern bis nach Holstebro. Mit einem Lösungsvorschlag mit knapp 35 Kilometern Freileitung und weniger als fünf Kilometern Erdkabel sei den früheren Bemerkungen der Kommune nicht entsprochen worden.

Vorschlag deckt sich nicht mit den Erwartungen

Der präsentierte Vorschlag zur unterirdischen Lösung decke sich bei Weitem nicht mit dem Ambitionsniveau, das sich die Kommune Tondern erhofft hatte. „Wir sind der Auffassung, dass hier nicht ganz die entsprechenden Rücksichten genommen werden, wie dies anderswo bei der Streckenführung der Fall ist“, heißt es in dem Schreiben.

Die begrenzte unterirdische Lösung bedeute für die Bürger, die Natur und die Entwicklungsmöglichkeiten von Tourismus und Wirtschaft eine Reihe von negativen Konsequenzen. Die Freileitung wirke sich auf alle Bürger entlang dieser Strecke negativ aus.

1.600 Häuser sind betroffen

Allein im Umfeld von zwei Kilometern zur Freileitung seien etwa 1.600 Familienwohnungen betroffen. „Da es sich in der Kommune Tondern um eine sehr offene Landschaft mit großen Marschflächen, mit Mooren, Heide und Landwirtschaftsflächen handelt, sind die vorgeschlagenen Masten des Modells Thor bei klarer Sicht in einer Entfernung von fünf bis sechs Kilometern sichtbar.“

Problematisches Modell für Entschädigung

Als problematisch stuft die Kommune das gewählte Schadenersatzmodell ein, das auf dem Marktwert fußt. Da die Immobilienpreise in Tondern deutlich unter dem Landesdurchschnitt liegen, würde dies sehr kleine Entschädigungen auslösen. Innerhalb der ersten 80 Meter zu beiden Seiten der Streckenführung würden elf Familien ein Kaufangebot erhalten, das allein dem Handelswert entsprechen würde.

Ab der 80 Meter und bis zu einem Abstand von 280 Metern sind etwa 32 Familien betroffen. Diese Entschädigung werde anfangs mit 50 Prozent des Handelswerts des Hauses berechnet und wird linear abgestuft, um bei 280 Metern bei null zu landen. Dabei bestehe die Gefahr, dass die Familien von einer Schuldenspirale erfasst werden würden. „Zugleich wirkt sich das Projekt auf viele Familien außerhalb der Zone für Entschädigung aus, die keine Kompensation erfahren, jedoch mit fallenden Immobilienpreisen leben müssen“, so der Wortlaut. Auch die Belastungen für die Naturwerte werden angeführt.

Bredeau-Tal und Jeisinger Höhenzug von der Freileitung ausgeklammert

Energinet sieht nur ein Erdkabel im Bredeau-Tal auf einer Strecke von 2,7 Kilometern östlich von Bredebro und in der Nähe des Jeisinger Höhenzugs vor. Dort soll das Kabel auf einer Strecke von 2,3 Kilometern östlich um Rohrkarr verlaufen. Etwa 100 der insgesamt 450 Masten werden in der Kommune Tondern platziert.

Dass direkt an der Grenze noch keine Striche gezogen worden sind, hängt damit zusammen, dass zwischen Energinet und dem deutschen Netzbetreiber Tennet noch nicht geklärt ist, wo genau die Verknüpfung der zwei Stromtrassen erfolgen soll. Energinet-Projektchef Christian Jensen hatte dem „Nordschleswiger“ bei der Veröffentlichung der Trassenführung Mitte September erläutert, dass es auf deutscher Seite noch zusätzlichen Klärungsbedarf gibt. Er erwartet eine Entscheidung vor Jahresende.

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