Haustiere

Zecken stechen auch im Winter – das müssen Tierhalter wissen

Zecken stechen auch im Winter – das müssen Tierhalter wissen

Zecken stechen auch im Winter – das müssen Tierhalter wissen

Carolin Hlawatsch/NOZ/shz.de
Osnabrück
Zuletzt aktualisiert um:
Hund
Damit’s nicht juckt und zwackt sollten Haustierbesitzer ihre tierischen Freunde auch in der kalten Jahreszeit nach dem Draußensein nach Zecken absuchen. Foto: Tadeusz Lakota/Unsplash

Der Klimawandel hat auch Nachteile für unsere Haustiere: mit milderen Wintern verändert sich die Aktivität von Zecken.

Dass Haustierbesitzer noch ungenügend über die ganzjährigen Gefahren von Parasiten aufgeklärt sind, zeigt eine Untersuchung des veterinärmedizinischen Forschungsunternehmens MSD Tiergesundheit aus Haar bei München. Nur der Hälfte der befragten Haustierbesitzer, Tierärzte und Tierarzthelfern sei laut Studienergebnis bewusst, dass die klimatischen Veränderungen auch direkten Einfluss auf die Gesundheit ihrer Haustiere haben. Nur 46 Prozent aller Befragten gaben an, ihre Haustiere tatsächlich ganzjährig vor Parasiten, insbesondere vor Zecken, zu schützen.

MSD Tiergesundheit plädiert deswegen für mehr Aufklärung und rief die internationale Initiative #protectyourfuturetoo ins Leben um das Bewusstsein für die Risiken, denen Haustiere durch die saisonalen Veränderungen ausgesetzt sind, zu schärfen.

Sind keine Entzündungen zu sehen, werden Zecken am besten mit einer Pinzette gerade aus der Haut gezogen und die Haut danach gereinigt und desinfiziert. Foto: MSD Tiergesundheit

Aktivitätsphasen der Zecken verschieben sich

Für Professor Ute Mackenstedt, Leiterin der Parasitologie an der Universität Hohenheim in Stuttgart, stehen die milden Winter in direktem Zusammenhang mit einer steigenden Gefahr für Haustiere: „Die Winteraktivität der Zecken wird schon seit fünf bis acht Jahren beobachtet.“

Hinzu komme, dass Zecken nicht nur in den Wintermonaten vermehrt aktiv sind. „Wir sehen auch, dass ihre Hauptaktivitätsphase nach vorne rutscht, sprich, sie werden früher und länger aktiv und wir verlieren die sogenannte Zweigipfligkeit, so wie sie früher existierte. Diese verwischt immer mehr, wodurch wir eine veränderte Zeckenaktivität über das gesamte Jahr hinweg haben“.

Im Winter sind mehr Flöhe im Fell

Das ganz Jahr über bei „Wind und Wetter“ mit ihren Hunden draußen ist Nathalie Wessels aus dem niedersächsischen Bad Laer. Oft streift die Jägerin mit ihren Border Terriern Ilvy und Pebbles durch tiefes Dickicht – zum Beispiel bei Drückjagden, bei denen Wildschweine von den Jagdhunden aufgespürt und aus ihrer Deckung „gedrückt“ werden.

So sind Nathalie Wessels Hunde gute Anzeiger für die Entwicklung der Parasitenpopulationen in unseren Gefilden. „Vor allem im Frühling sitzen nun viel mehr Zecken im Fell meiner Hunde, im Winter besteht in den letzten Jahren ein erhöhtes Flohproblem“, so Wessels Wahrnehmung. Als Veterinärmedizinisch-technische Assistentin müsse sie tierische Patienten im Winter tatsächlich zunehmend mit Floh- aber auch Zeckenpräparaten versorgen. „Wärmere Winter führen auch zu einer längeren Aktivitätszeit von Wildtieren wie zum Beispiel dem Igel. Schnüffelt der Hund am Wildtier, können schon mal Parasiten übertragen werden. Und weil wir heute viel näher mit unseren Haustieren zusammen leben, bemerken wir natürlich auch einen Floh viel eher“, sagt Wessels.

Katze
Wir leben eng mit unseren Haustieren zusammen. Deswegen sind Hygienemaßnahmen wie Bürsten und die Fellkontrolle wichtig – nicht nur für das Tier, sondern auch für die Menschen, die mit ihm zusammenleben. Foto: Velizar Ivanov/Unsplash

Prophylaxe ist abhängig vom Tier

Tierärztin Katharina Hagemeyer kann eine Zunahme des Zeckenproblems bei Haustieren im Winter bestätigen. Ob nun eher Hunde oder vielmehr Katzen betroffen seien, könne man pauschal nicht sagen. „Ein jagdlich geführter Hund, der auch im Winter vermehrt draußen ist, ist sicherlich eher betroffen als die Katze, die zwar eigentlich Freigänger ist, aber aufgrund des schlechten Wetters lieber vor dem Ofen liegt“, so Katharina Hagemeyer.

Ob man sein Haustier im Winter ebenso wie im Sommer vor Zecken schützen sollte, hänge so auch immer vom Einzelfall, von der Lebensart des Haustieres ab. Prophylaxe-Maßnahmen sollten deswegen am besten mit dem Tierarzt besprochen werden. „Meine eigenen Katzen sind bei den milden Temperaturen dauerhaft geschützt, da die Medikamente in der Regel auch gegen Flohbefall schützen“, sagt die Osnabrücker Tierärztin.

Auf die Frage hin, was denn der beste Zeckenschutz im Winter sei, antwortet sie: „Es gibt sehr gut wirksame Medikamente aber auch genauso viele die nicht beziehungsweise nicht mehr wirksam sind. Gerne berät Sie hierzu Ihr Tierarzt“.

Impfen gegen Zecken?

Immer wieder fragen Haustierhalter auch nach der Möglichkeit einer Impfung gegen Zecken. Dazu meint Nathalie Wessels: „Die Menschen machen sich zu Recht sorgen, da Zecken die Erreger für Infektionskrankheiten wie Borreliose, Anaplasmose und Babesiose übertragen können. Laut jetzigem Forschungsstand können wir aber nur gegen Borreliose impfen und nur gegen vier Stämme. Es gibt aber über 140 Stämme“.

Deswegen hält die Veterinärmedizinisch-technische Assistentin eine Impfung nicht für sinnvoll. Neben medizinischen Präparaten wie Tabletten, Zecken-Halsband oder Spot-On-Produkten sei das Absuchen des Haustierfells nach dem Freigang, sowie regelmäßiges Bürsten das Nonplusultra.

Wandernde Arten

Dem Klimawandel schreiben die Experten nicht nur eine Veränderung der Aktivitätszeiten von Parasiten zu, sondern auch eine Veränderung von deren Population. „Neue Zeckenarten werden nach Zentraleuropa einwandern und ihre Krankheitserreger mitbringen“, sieht Parasitologin Mackenstedt voraus. Einige Arten aus dem Flachland sind bereits in Berggegenden anzutreffen und ehemals nur in Deutschland heimische Zecken kommen inzwischen auch in Skandinavien vor.

Besteht eine Gefahr für den Menschen?

In den letzten Jahren seien es vor allem die Arten „Auwaldzecke“, und „Gemeiner Holzbock“, die nun auch im milden Winter, bei einer mehrtägigen Temperatur von über sieben Grad Celsius nach Wirten suchen. Dabei können sie übrigens nicht nur unsere Haustiere befallen, sondern auch den Menschen.

Der gemeine Holzbock könne FSME-Viren, den Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis, und Borrelia-Bakterien auch auf den Menschen übertragen. Auch die Auwaldzecke, die insbesondere Babesia-Arten übertragen, die eine der Malaria ähnliche Erkrankung im Hund hervorrufen können, wurde als Überträger von FSME-Viren auf den Menschen identifiziert. Einige andere, inzwischen in kalten Monaten vorkommenden Buntzeckenarten stechen den Menschen eher weniger, können aber auch bakterielle Krankheitserreger auf den Menschen übertragen.

Mehr lesen

Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Anstand mit Abstand“