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Hjulmand muss viele Bälle in der Luft halten

Hjulmand muss viele Bälle in der Luft halten

Hjulmand muss viele Bälle in der Luft halten

Ritzau/hdj
Kopenhagen/Apenrade
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Kasper Hjulmand hatte einen chaotischen Start als dänischer Nationaltrainer. Foto: Henning Bagger/Ritzau Scanpix

Kasper Hjulmand blickt auf seine erste Zeit als dänischer Fußball-Nationaltrainer zurück und zeigt sich mit der Entwicklung der Mannschaft unter schwierigen Bedingungen zufrieden.

Auch für die dänische Fußball-Nationalmannschaft verlief das Jahr 2020 alles andere als erwartet. Die Corona-Pandemie sorgte dafür, dass das große Fußballfest mit EM-Spielen in Kopenhagen abgesagt wurde. Das Turnier hätte auch der Schlusspunkt für den bisherigen Trainer Åge Hareide werden sollen – stattdessen wird das Turnier im Sommer 2021 nun eine Art Willkommensgeschenk für Kasper Hjulmand.

Seit Juni 2019 hat sich Kasper Hjulmand hinter den Kulissen auf seine neuen Aufgaben vorbereitet. Das Ziel war die Weltmeisterschaft im November und Dezember 2022.

„Ich habe acht Monate gebraucht, um ein Szenario vorzubereiten, in dem die Spieler die Europameisterschaft bestreiten und sich anschließend zweieinhalb Jahre auf die WM vorbereiten. Die Perspektive hat sich im Frühjahr geändert“, sagt Kasper Hjulmand.

Viele Hindernisse auf dem Weg

Das war nicht der einzige Stock, der dem neuen Nationaltrainer von der Pandemie zwischen die Beine geworfen worden ist. Im August hatte Hjulmand seinen ersten Kader benannt, von dem einige Spieler noch in den Sommerferien waren und andere ein halbes Jahr lang kaum gespielt hatten.

Es musste also höchste Rücksicht auf die körperliche Verfassung der Spieler genommen werden, als sie am 31. August zum Lehrgang in Helsingør erschienen.

Enge Kooperationen

„Wir haben unsere Zusammenarbeit mit den Vereinen intensiviert, weil wir nichts falsch machen wollten, wenn die Spieler in so unterschiedlichen Verfassungen zu uns kommen“, so Hjulmand. „Wir wollten weder zu viel noch zu wenig trainieren – um sie fit zu bekommen, aber nicht zu überlasten.“

Während das erste Treffen der Nationalmannschaft deutlich von Fitness geprägt war, konnte beim zweiten Mal aus anderen Gründen nicht viel trainiert werden: Es standen drei Spiele in anderthalb Wochen an. Entsprechend weniger Zeit gab es für Übungen.

Die Reisebeschränkungen für Spieler, die in Großbritannien ihr Geld verdienen, sowie ein positiver Test im Mannschaftslager machten die Sache nicht weniger kompliziert: Neun Spieler und Hjulmand selbst mussten vier Tage lang in Quarantäne.

Keine Zeit für große Änderungen

Im Hinblick auf die Europameisterschaft im kommenden Jahr wird es keine großen spielerischen Veränderungen geben. Das Fundament seines Vorgängers sei stabil.

„Wir haben uns sehr darauf konzentriert, was in der Vergangenheit funktioniert hat und wohin wir uns entwickeln möchten. Ich habe versucht, einen Mittelweg zu finden, der die Spieler nicht mit zu vielen neuen Dingen verwirrt, aber auch keinen Stillstand bedeutet“, sagt Kasper Hjulmand. „Die Spieler haben die Ideen gut angenommen, und sie glauben an das Konzept, auf das wir hinarbeiten. Es war eine harmonische, ehrgeizige und professionelle Gruppe, die ich übernommen habe, und die Zusammenarbeit ist ein Vergnügen.“

Die nächste Stufe zünden

In den kommenden Monaten werden Hjulmand und sein Team die Ausbeute von 2020 analysieren und die nächste Entwicklungsphase planen. In drei Bereichen habe es durch neue Ideen und Trainingsfleiß bereits Verbesserungen gegeben, meint der Nationaltrainer.

„Wir haben uns darauf konzentriert, die letzten 20 Meter des Feldes zu verteidigen, denn gegen die besten Mannschaften der Welt ist es dringend notwendig, dies zu beherrschen. Bis auf ein paar Situationen gegen Belgien haben wir das sehr gut gemacht. Zudem haben wir uns darin verbessert, unser Pressing zu variieren, sodass wir ändern können, wie hoch und aggressiv wir das spielen. Schließlich haben wir in fast all unseren Spielen zwischen zwei Systemen gewechselt. Wir fühlen uns jetzt wohler dabei, während der Partie umzustellen“, sagt Hjulmand, der jedoch nicht verschweigt, wo es noch anzusetzen gilt.

„Unsere offensiven Rotationen müssen besser werden, damit wir das Beste aus Spielern wie Yussuf Poulsen und Martin Braithwaite herausholen können und uns mehr Chancen herausarbeiten“, so der Nationaltrainer.

Konzentration und Ganzheitlichkeit

Die Unterschiede zur Arbeit als Vereinstrainer werden für Hjulmand immer deutlicher. In Lyngby, beim FC Nordsjælland und in Mainz standen ihm die Spieler täglich zur Verfügung; mit dem Nationalteam sind es zehntägige Lehrgänge, die fünfmal im Jahr stattfinden. Eine gründliche Vorbereitung ist essenziell.

„Man muss viel deutlicher sein, denn man darf keine Zeit verlieren. Wir arbeiten nicht in getrennten Blöcken zu Fitness, Technik und Taktik. Jede Minute enthält diese Aspekte, damit wir uns immer an der Ganzheitlichkeit orientieren“, so Hjulmand.

Seine bisherigen Ergebnisse zählen fünf Siege, ein Unentschieden sowie zwei Niederlagen gegen die Weltranglistenersten aus Belgien.

„Diese Spiele gegen die besten Teams der Welt zeigen uns, welches Niveau wir in 2021 erreichen müssen“, sagt der Nationaltrainer.

Das Wichtigste an den Erfolgen sei, dass Dänemark in der WM-Qualifikation gesetzt ist. „Nur 13 europäische Mannschaften werden an der WM teilnehmen, und mit unseren Ergebnissen in diesem Jahr haben wir uns den Weg etwas einfacher gemacht.“

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