Finanzen

Wegen Niedrigzinsen: Kundenansturm auf die Banken

Wegen Niedrigzinsen: Kundenansturm auf die Banken

Wegen Niedrigzinsen: Kundenansturm auf die Banken

Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Kreditbanken
Kreditbanken in Apenrade (Archivbild) Foto: Paul Sehstedt

Bei einigen Hypotheken sind die Zinsen derzeit sogar negativ, das heißt, dass Kunden im Prinzip Geld dafür bekommt, Geld zu leihen. Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Tom Lauritzen, Marketing- und Produktchef der Apenrader Kreditbank, erklärt, worauf es ankommt.

In den dänischen Banken laufen in diesen Wochen die Telefondrähte und die Mailboxen heiß. Aufgrund der Zinslage können viele Haus- und Wohnungseigentümer ihre Darlehens-Konditionen ändern – zu niedrigen oder gar keinen Zinsen.

„Es ist die größte Welle von Hypotheken-Änderungen, die wir jemals gehabt haben, und das will was heißen, denn wir haben über die Jahre immer wieder die Möglichkeit gehabt, zu verbesserten Hypotheken zu wechseln“, sagt Tom Lauritzen, Marketing- und Produktchef der Apenrader Kreditbank.

Der Grund für den großen Ansturm? Bei einigen Hypotheken ist der Zinssatz inzwischen bei null bei 15-jähriger Laufzeit oder 0,5 Prozent bei 30-jähriger Laufzeit. Bei den sogenannten Flex-Produkten, die nach einem bestimmten Zeitraum refinanziert werden müssen – und deren Zinsen daher flexibel sind – sind die Zinsen derzeit negativ. Das heißt, dass der Kunde im Prinzip Geld dafür bekommt, Geld zu leihen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Die Hypotheken-Anbieter erheben nämlich auch einen prozentualen Beitrag, und daher kostet das Darlehen am Ende doch etwas.

Viele Fragen nach

Allerdings gab es in den vergangenen Wochen auch Medienberichte über Kunden, die erstmals von den Hypotheken-Anbietern Geld ausgezahlt bekamen, statt selbst Zinsen bezahlen zu müssen, und solche Geschichten haben natürlich dazu geführt, dass Kunden verstärkt nachfragen, ob ein Hypotheken-Wechsel auch für sie infrage kommt.

Viele Bankkunden fragen von sich aus, und darüber hinaus hat sich die Kreditbank auch direkt an Kunden gewendet, für die ein Wechsel zu einer neuen Hypothek Sinn ergibt. Früher gab es stets die „goldene Regel“, nach der sich Hauseigentümer richten konnten: Um die Hypothek zu wechseln, mussten mindestens zwei Prozentpunkte Unterschied zwischen der neuen und der alten Hypothek sein.

Abschied von der „goldenen Regel“

Aber danach sollte man sich laut Lauritzen heute nicht mehr richten. „Bei der jetzigen Zinslage sollte sich jeder Hauseigentümer dafür interessieren, ob er die richtige Hypothek hat“, sagt er. Dies sei aber oft eine individuelle Frage, die durch Pauschal-Regeln nicht zu beantworten sei. „Die Höhe der Darlehen ist unterschiedlich, die finanzielle Situation der Eigentümer ist nicht die gleiche, und darüber hinaus gibt es unterschiedliche Wünsche, wie man seine Schulden abtragen möchte“, erklärt der Kreditbanken-Mitarbeiter. Und man müsse die Kosten bei der Umschuldung bedenken, denn Gebühren der Banken und Abgaben an den Staat belaufen sich auf mehrere zehntausend Kronen.

„Das einzig Richtige ist, den Dialog mit dem persönlichen Bankberater aufzunehmen und die eigene Situation zu klären. Wir machen typisch finanzielle Berechnungen als Ausgangspunkt für eine weitere Diskussion“, sagte Tom Lauritzen.

Lauritzen meint, dass für viele Hauseigentümer nun die Zeit gekommen ist, von Flex-Produkten zu Fest-Zins-Produkten zu wechseln, zumal die festen Zinsen historisch niedrig sind. „Man kann sich heute ein niedriges Darlehen für 20 oder 30 Jahre sichern. Das gibt einem eine finanzielle Sicherheit für viele, viele Jahre“, sagt er.

Außerdem sollten Kunden auch eine weitere Alternative überdenken: Statt die Ersparnis bei einer neuen Hypothek einzustreichen, sollte man sich überlegen, ob man die Laufzeit verkürzt. „Das heißt, dass man immer noch den gleichen Betrag auf sein Darlehen abzahlt wie bisher, stattdessen aber zwei bis drei Jahre schneller seine Schulden getilgt hat“, erklärt der Kreditbanken-Experte, der auch in den kommenden Wochen damit rechnet, dass die Mitarbeiter mehr als genug zu tun haben werden.

Mehr lesen

Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Schon gewonnen“