Gesundheitswesen

Sprunghafter Anstieg der Telemedizinanwendung

Sprunghafter Anstieg der Telemedizinanwendung

Sprunghafter Anstieg der Telemedizinanwendung

Paul Sehstedt
Vejle
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: dpa

Mit dem Ausbau der Telemedizin will die Region Süddänemark ihren Bürgern eine zeitgemäße und innovative Gesundheitsplattform anbieten. Bis zu 30 Prozent aller Patientengespräche sollen in Zukunft virtuell durchgeführt werden.

Die Covid-19-bedingten Einschränkungen für die persönlichen Patientengespräche in den Krankenhäusern führten dazu, dass die Anwendung der Telemedizin im ersten Halbjahr 2020 sprunghaft angestiegen ist. Dieser Trend beflügelt die Region Süddänemark nun dazu, diesen Dienst auszubauen, sodass die digitalen Konsultationen einen Anteil von 30 Prozent ausmachen. Während im ersten Halbjahr 2019 rund 341.000 Telemedizingespräche geführt wurden, schnellte die Zahl in der diesjährigen Vergleichsperiode auf rund 467.000 Registrierungen.

Mette Bossen Linnet (Venstre), Vorsitzende des Digitalisierungszuschusses in der Region Süddänemark, sieht große Vorteile sowohl für die Patienten als auch deren Angehörige und die fachlichen Betreuer.

„Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Telemedizin vielen Patienten lange Anfahrten erspart und dass unsere Ärzte sich schneller auf die nächste Konsultation umstellen können“, erklärt Mette Bossen Linnet gegenüber dem „Nordschleswiger“.

Kein Anstieg der Fehldiagnosen erkennbar

Steigt das Risiko einer Fehldiagnose, weil der persönliche Kontakt zwischen dem Arzt und dem Patienten verschwindet?

„Unsere Zahlen bestätigen dieses Problem nicht“, erläutert die Vorsitzende. „Im Gegenteil belegen unsere Statistiken, dass die Diagnostizierungen sicherer geworden sind. Selbstverständlich werden wir nicht alle Gespräche und Behandlungen digital abwickeln können, aber unser Ziel von 30 Prozent schätzen wir als realistisch ein.“

Bedeutet die Anwendung von Telemedizin eine wesentliche Einsparung bei den Gesundheitsausgaben?

„Nein, sie gibt keine Einsparungen, aber wir schauen weniger auf die Kosten“, sagt Linnet. „Wir stellen den Patienten ins Zentrum, um ihm eine Qualitätsverbesserung liefern zu können. Das ist wichtiger.“

Positive Resonanz

Die Ärzte an den Krankenhäusern in Nordschleswig führen bereits seit einigen Monaten die Visite (Stuegang) teilweise virtuell durch, damit die Verwandten von zu Hause mitverfolgen können, wie der Gesundheitszustand ihres Familienmitgliedes ist. Die Resonanz ist von allen Beteiligten positiv, und künftig sollen sämtliche Regionskrankenhäuser die digitale Visite, wo anwendbar, einbeziehen.

„Mit der Telemedizin können wir Patienten anleiten, wie sie ihre Rehabilitierungsübungen durchführen müssen, und über die Videoschaltungen können sich die Patienten mit dem Gesundheitspersonal zum Beispiel über das Schmerzniveau austauschen“, erzählt Mette Bossen Linnet ferner.

Für den Erhalt der pathologischen Diagnostik an den Regionskrankenhäusern ist die Telemedizin ein wichtiger Baustein.

„Pathologen sind Mangelware“, beklagt die Vorsitzende, „und daher nutzen wir die Telemedizin, um Gewebeproben von einem Krankenhaus zu einem anderen zu schicken. So können wir digital Analysen austauschen.“ Für die praktizierenden Ärzte hat die Region am Krankenhaus Lillebælt eine telemedizinische Hotline eingerichtet, über die die Privatmediziner Rat erhalten können.

„Die Telemedizin ist Teil eines modernen Gesundheits- und Behandlungssystems“, meint Mette Bossen Linnet und schließt: „Die Region Süddänemark muss ihren Bürgern eine zeitgemäße und innovative Dienstleistung anbieten können. Das haben wir Politiker beschlossen.“

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