Deutsche Minderheit

„Präsenz des ,Nordschleswigers‘ war noch nie so groß“

„Präsenz des ,Nordschleswigers‘ war noch nie so groß“

„Präsenz des ,Nordschleswigers‘ war noch nie so groß“

Apenrade/Aabenraa
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Chefredakteur Gwyn Nissen mit einem Probedruck des „Nordschleswigers", so wie die Zeitung nach der Digitalisierung ab Februar 2021 14-täglich erscheinen wird. Foto: Cornelius von Tiedemann

Bei der Generalversammlung des deutschen Pressevereins sprach „Nordschleswiger“-Chefredakteur Gwyn Nissen über geänderte Arbeitsabläufe und wie das Coronavirus den Alltag in der Redaktion verändert hat.

„Nordschleswiger“-Chefredakteur Gwyn Nissen betonte zu Beginn seines Berichts, dass die Digitalisierung nicht nur eine technische Umstellung sei, sondern dass es sich dabei vor allem um die Leser und die Mitarbeiter drehe. Er sprach von alten Gewohnheiten, die abgelegt werden müssen und dass dies nicht immer einfach sei.

Neue Gewohnheiten

„Aber wir sind jetzt alle mit dem neuen System, dem neuen Arbeiten und den neuen Gewohnheiten vertraut, und ich finde, dass das, was wir jeden Tag gemeinsam zustande bringen, sich durchaus sehen lassen kann“, so Gwyn Nissen.

In diesem Zusammenhang erklärte er, „Der Nordschleswiger“ versuche jeden Tag, noch besser zu werden als am Tag zuvor. Auch wenn es die Papierzeitung nicht mehr gibt, kämpft „Der Nordschleswiger“ mit seinem Angebot um die Zeit der Leser.

Wir alle mussten Arbeitsgänge und -verläufe anpassen, aber ansonsten waren wir miteinander verbunden, obwohl die meisten von uns im Homeoffice waren.

Gwyn Nissen

Während der Corona-Krise war die Redaktion organisatorisch gut vorbereitet, da bereits seit einigen Jahren ein Kommunikations-Werkzeug genutzt wird. „Wir alle mussten Arbeitsgänge und -verläufe anpassen, aber ansonsten waren wir miteinander verbunden, obwohl die meisten von uns im Homeoffice waren“, berichtete der Chefredakteur.

Große Präsenz

Die Präsenz des „Nordschleswigers“ war noch nie so groß wie in diesen Zeiten. „Anfang 2019 hatte die Webseite nordschleswiger.dk um die 2.500 Nutzer täglich. Als Dänemark die Grenzen schloss, hatten wir an dem Tag 44.000 Leser auf unserer Webseite. Mehrere Male waren es im Frühjahr über 20.000 Nutzer, oft weit über 10.000 – und heute noch liegen wir bei 7.000 bis 9.000 Besuchern täglich“, führte Nissen aus.

Anfang 2019 hatte die Webseite nordschleswiger.dk um die 2.500 Nutzer täglich. Als Dänemark die Grenzen schloss, hatten wir an dem Tag 44.000 Leser auf unserer Webseite.

Gwyn Nissen

„Wir waren noch nie so präsent. Auch nicht in der Mehrheitsbevölkerung. Das sehen wir an den Likes, Kommentaren und Statistiken“, fügte er hinzu und wies darauf hin, dass „Der Nordschleswiger“ in vielen dänischen und internationalen Medien zitiert worden sei. Auch die Präsenz des neuen Mitarbeiters in Kopenhagen, Walter Turnowsky, steigere die Außenwirkung des „Nordschleswigers“.

„Kitt der Minderheit“

Der Chefredakteur kam in seinem Bericht auch auf den viel besprochenen „Kitt“ zu sprechen und sagte: „Wir wissen, was wir wollen. Wir wollen wieder der Kitt der Minderheit sein. Wir wollen mit deutsch-dänischen Themen die Tagesordnung setzen in Nordschleswig und in der Minderheit. Wir übernehmen für den Landesteil und für die Minderheit Verantwortung, indem wir auf Missstände aufmerksam machen. Wir schaffen für die Leser neben Nachrichten auch Perspektiven. Wir trauen uns, unsere Meinung zu sagen. Und wir wollen ein ständiger guter Begleiter im Alltag der hier lebenden Leute sein. Vor allem in der Minderheit.“

Auch er werde die Tageszeitung vermissen, glaube aber fest daran, dass eine gelungene digitale Lösung auch eine Chance für die Minderheit sei, sowohl innerhalb der Volksgruppe als auch in der dänischen Mehrheit wieder eine bedeutendere Rolle zu spielen.

„Aus meiner Sicht sind die Inhalte am wichtigsten – nicht unbedingt, ob sie auf Papier oder im Netz erscheinen. Das sind eher Gewohnheiten, die man ändern kann“, resümierte Gwyn Nissen.

Positive Rückmeldungen

Nach den Berichten von Elin Marquardsen und Gwyn Nissen kam aus dem Plenum positive Rückmeldung zur Arbeit des „Nordschleswigers“. Andrea Kunsemüller hob beispielsweise die persönliche Ansprache des Newsletters hervor. Außerdem nannte sie den Korrespondenten in Kopenhagen, Walter Turnwosky, einen „Glücksgriff“. Kunsemüller schlug vor, auch einen Korrespondenten für Kiel oder Berlin einzustellen, um die Brückenfunktion der Minderheit weiter auszubauen.

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