Bluttransfusion

Nordschleswigsche Haustiere werden Blutspender

Nordschleswigsche Haustiere werden Blutspender

Nordschleswigsche Haustiere werden Blutspender

Laure Saint-Alme
Nordschleswig/Berlin
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Berlin: Husky Sirius bekommt in der Klinik und Polyklinik für kleine Haustiere in Berlin Blut abgenommen. Haustiere sind heute oft Familienmitglieder. Bei gesundheitlichen Problemen erwarten Halter Hilfe wie in der Humanmedizin. Blutspenden gehört auch dazu. Foto: Stephanie Pilick/dpa

Nicht nur Menschen, sondern auch Hunde und Katzen können durch Blutspenden Leben retten. Das haben die Nordschleswiger besser als ihre deutschen Nachbarn verstanden.

Blutspenden und Bluttransfusionen für Tiere wurden im Amerika der 1980er Jahre entwickelt. Doch, so berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa), in Europa ist diese Möglichkeit noch immer kaum bekannt. In Berlin und in Nordschleswig aber folgen zwei Tierkliniken dem amerikanischen Vorbild.

Berlin: Einen Schritt voraus

„Vielen Hunde- und Katzenbesitzern ist nicht bekannt, dass ihre Vierbeiner Blut spenden können“, sagt Professorin Kohn, Leiterin der Kleintierklinik der Freien Universität Berlin (FU) zum „Nordschleswiger“.

„Meistens wird es den Besitzern erst bewusst, wenn sie einen Hund oder eine Katze haben, der/die eine Bluttransfusion benötigt“, so Kohn weiter.

In wenigen Minuten können 450 ml Blut von einem Hund abgenommen werden, berichtet die Zeitung „Søndagsavisen“. Das ist die gleiche Blutmenge wie die, die ein Mensch spenden kann.

„Wir transfundieren etwa 300 Hunde“, sagt Professorin Kohn dem „Nordschleswiger“. „Manche Hunde benötigen mehrere Transfusionen.“ Infolge von Verletzungen, Operationen oder Gerinnungsstörungen brauchen manche Hunde eine Bluttransfusion, heißt es auf der Webseite der Klinik.

„Bei Katzen lagern wir sehr wenig Blut, da die Abnahme viel aufwändiger und belastender ist als für einen Hund. Wir transfundieren etwa 50 Katzen pro Jahr mit einer oder mehrerer Vollblutkonserven“, berichtet Kohn.

Nur über einjährige geimpfte und entwurmte Hunde, die mindestens 20 Kilo schwer sind und keine Medikamente erhalten, dürfen laut Professorin Kohn Blutspender werden. „Katzen sollten ein Gewicht von mindestens 4 Kilogramm haben“, fügt sie hinzu.

Nicht nur eine Frage von Blutgruppen

„Beim Hund sind über zwölf verschiedene Blutgruppen bekannt, es wird aber nur die Blutgruppe Dog Erythrocyte Antigen 1.1 bestimmt. Hierbei handelt es sich um die Blutgruppe mit der höchsten Immunogenität. Der Hund ist entweder positiv oder negativ für diese Blutgruppe“, erklärt die Professorin.

„Hunde, die DEA 1.1 negativ sind, dürfen nur mit DEA 1.1 negativem Blut transfundiert werden. Hunde, die DEA 1.1 positiv sind, werden in der Regel mit DEA 1.1 positivem Blut transfundiert, weil die Blutgruppe häufiger vorkommt, können allerdings auch DEA 1.1 negatives Blut erhalten.“

Bei den Katzen gibt es nur drei verschiedenen Blutgruppen, bestätigt Professorin Kohn: „Katzen haben am häufigsten die Blutgruppe A. Die Blutgruppe B ist deutlich seltener. Während die Blutgruppe AB sehr selten ist.“

„Katzen mit der Blutgruppe A dürfen nur A-Blut erhalten“, präzisiert sie. „Katzen mit der Blutgruppe B dürfen nur B-Blut erhalten. Katzen mit der Blutgruppe AB können mit AB-Blut oder mit A-Blut behandelt werden.“

Kein Blutmangel in Nordschleswig

Unter alle diesen Haustieren verdanken manche der FU-Kleintierklinik ihr Leben, wie Kohn dem „Nordschleswiger“ erzählt: „Ein Hund mit einem Autounfall entwickelte eine hochgradige Blutarmut infolge innerer Blutungen. Der verursachende Autofahrer brachte seinen Hund zur Blutspende in die Klinik und rettete das Leben des Hundes. Seitdem kommt der Hund regelmäßig zu uns zur Spende.“

Trotzdem reicht die zugängliche Blutmenge nicht immer: „Gelegentlich kommt es vor, dass unsere Blutkonserven knapp sind. Wünschenswert wäre eine Verbreitung der Tatsache, dass Hunde und Katzen regelmäßig (zum Beispiel zweimal pro Jahr bei der Katze, Hunde öfter) Blut spenden können.“ In Zukunft könnten es Blutersatzprodukte ermöglichen, im Notfall Katzen zu heilen.

Helfen die dänischen Haustiere ihren deutschen Artgenossen? Der „Nordschleswiger“ hat Marie Nordby von der Sydvest-Tierklinik in Hadersleben (Haderslev) gefragt.

„Blutspende und Bluttransfusion sind üblich bei uns. Sie sind den Tierbesitzern bekannt“, sagt sie. „Wir haben angemeldete Hunde zur Verfügung. Wenn einer von unseren Patienten Blut braucht, rufen wir den Besitzer an, und sie bringen ihre Hunde.“

„Ich habe nicht von der Kleintierklinik der FU gehört, aber unsere Blutbank deckt unsere Bedürfnisse.“

Berlins Blutbank arbeitet auch allein, wie Professorin Kohn sagt: „Wir sind keine Blutbank, die Konserven austauscht oder verschickt. Wir können unsere Kapazitäten nicht übersteigen.“

Im Bereich der Blutspende für Tiere tanzen die beiden Kliniken in Dänemark und Deutschland zurzeit also noch aus der Reihe.

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