Kontaktausschuss

Jürgensen: „Es bleibt die Grenze in den Köpfen“

Jürgensen: „Es bleibt die Grenze in den Köpfen“

Jürgensen: „Es bleibt die Grenze in den Köpfen“

Kiel/Nordschleswig
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Der Kontaktausschuss der deutschen Minderheit tagte am Freitag im Landtag in Kiel. Foto: Gwyn Nissen

Vertreter der deutschen Minderheit informierten Abgeordnete des schleswig-holsteinischen Landtags über die aktuelle Lage in der Minderheit.

Das Timing hätte nicht besser sein können: Am Tag nach den Lockerungen der dänischen Grenzkontrollen am Donnerstagabend tagte der Kontaktausschuss der deutschen Minderheit im schleswig-holsteinischen Landtag, wo die Grenzkontrollen immer noch Thema waren.

„Die Schließung der Grenze war ein großer Schock für uns“, blickte der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, im Plenarsaal des Landtags ein halbes Jahr zurück, als die dänische Regierung Mitte März die Grenzen geschlossen hatte.

„Plötzlich waren wir wirklich Randgebiet. Das war ein unangenehmes Erlebnis. Wir haben als Minderheit und besonders auch die Minderheitenparteien und die Jungen Spitzen immer wieder protestiert, aber auch konkrete und konstruktive Vorschläge gemacht, wie die Grenze schrittweise geöffnet werden könnte“, erklärte Jürgensen.

Er wies auf die ernste Lage der Grenzpendler hin und freute sich über die Öffnung sämtlicher Grenzübergänge und Lockerungen bei der Kontrolle.

Die Grenze in den Köpfen

„Schlimm ist aber auch, dass sich die Grenze wieder in den Köpfen verfestigt. Wir nutzen nun nicht mehr automatisch die kulturellen und kulinarischen Möglichkeiten jenseits der Grenze. Viele meinen, dass sich das alles wieder normalisiert – ich habe meine Zweifel“, sagte der BDN-Hauptvorsitzende, der nicht ganz zufrieden ist, bevor Dänemark zu den alten Schengen-Regeln und somit offenen Grenzen zurückkehrt.

Landtagspräsident Klaus Schlie schlug in die gleiche Kerbe. Man dürfe sich in einer Region, die das Schengen-Abkommen mit freiem Warenverkehr und sozialem Miteinander gelebt hat, nicht an den jetzigen Zustand gewöhnen, meinte Schlie.

„Wir sind zwar nicht für die Außenpolitik zuständig, aber als Bundesland mit einer Landesgrenze werden wir darauf aufmerksam machen, dass die Grenzkontrollen beendet werden müssen“, sagte Schlie.

Gelungene Kommunikation

Darüber hinaus informierten Hinrich Jürgensen, BDN-Generalsekretär Uwe Jessen, Kommunikationschef und Sekretariatsleiter Harro Hallmann und die DSSV-Konsulentin, Käthe Nissen, die schleswig-holsteinischen Abgeordneten über die aktuelle Lage in der Minderheit.

Im Fokus war unter anderem die Eröffnung des neuen Deutschen Museums in Sonderburg, an dem sich das Land Schleswig-Holstein finanziell beteiligt hat. Das Museum sei unter anderem ein kommunikatives Highlight, sagte Uwe Jessen mit Hinblick auf die Besucherzahlen. Im letzten offenen Jahr habe das Museum 1.600 Besucher gehabt. Jetzt sind es seit der Eröffnung vor vier Wochen bereits 800.

Großen Erfolg hat die Minderheit derzeit auch mit Führungen auf dem Knivsberg in dänischer Sprache. An diesen hätten bereits mehrere Hundert Gäste teilgenommen.

„Wir wollen mit den Führungen unterstreichen, dass der Knivsberg für alle ein offenes Gelände ist. Wir erzählen über die Geschichte der deutschen Minderheit und gleichzeitig von der Bedeutung des Ortes für die deutsche Minderheit“, erklärte Jürgensen.

Die Führungen sollen auch 2021 angeboten werden.

Kompetenznetzwerk nimmt Arbeit auf

Der Minderheitenbeauftragte für das Land Schleswig-Holstein, Johannes Callsen (CDU), griff die Bildung des Minderheiten-Kompetenznetzwerkes auf. Das Netzwerk, das Uwe Jessen vom BDN als Vorsitzenden hat, nimmt nun seine Arbeit auf.

„Wir denken über konkrete Projekte nach, die auch vom Land finanziell gefördert werden können“, erklärte Callsen, der auch Gespräche mit der Region Süddänemark und dem Minderheitenbeauftragten der Bundesregierung, Bernd Fabritius, über eine Beteiligung an den Kosten führt.

„Das wäre ein gutes grenzüberschreitendes Zeichen“, so Callsen.

Das Kompetenznetzwerk ist auf den Ruinen des Hauses der Minderheiten entstanden. Dort war ein Kompetenzzentrum in einer Immobilie in Flensburg geplant, doch die dänische Minderheit zog sich aus dem Projekt zurück.

Callsen: „Gedanken am Leben halten“

„Meine Anregung war, dass wir zumindest den Gedanken am Leben behalten“, erklärte Callsen. Die Erfahrungen aus dem deutsch-dänischen Grenzland – mit den Friesen, den Sinti und Roma sowie der dänischen und der deutschen Minderheit – sollen als Inspiration dienen für andere Grenzregionen in Europa.

Neben den Minderheiten und Volksgruppen nehmen auch die Akademie Sankelmark, das European Center for Minority Issues (ECMI) sowie die Föderation europäischer Minderheiten (FUEN) an der Netzwerkarbeit teil.

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