Soziales

Lærkely als Quelle für Inspiration

Monika Thomsen
Monika Thomsen Journalistin
Seth/Sæd
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Bewohner Gerhard Petersen gab allen Gästen die Hand. Foto: Elise Rahbek

Fachleute aus dem schwedischen Falköping kehrten nach 30 Jahren wieder nach Seth in die Behinderten-Einrichtung zurück.

Besucher aus Schweden schauten kürzlich hinter die Kulissen der Einrichtung Lærkely in Seth. Lærkely ist ein kombiniertes kommunales Wohn- und Beschäftigungsangebot für Menschen mit anhaltenden physischen oder psychischen Behinderungen unter den Fittichen von „Handicap Tønder“. Auf dem Gehöft wurden die Fachleute nicht nur von Leiterin Liss Oksen und Gebietsleiterin Theresé Andersen begrüßt, sondern bald gesellte sich Bewohner Gerhard Petersen dazu. Er ließ es sich nicht nehmen, mit seinem Rollator die Runde zu machen und alle mit einem Händedruck zu begrüßen. Indessen kam ein Nutzer des Beschäftigungsangebots auf dem Fahrrad angebraust, um pünktlich zum Dienstanfang da zu sein.

Die Gäste aus Falköping, 150 Kilometer nordöstlich von Göteborg, waren auf der Suche nach Inspiration bei der Behinderten-Einrichtung vorstellig geworden. Es war nicht ihr erster Besuch am Ubjergvej. „Sie waren das erste Mal 1989 vor Ort und haben anschließend mit ihrer Stätte Fridhem in Schweden ein vergleichbares Angebot eingerichtet“, erläutert Theresé Andersen, die für die kommunale Abteilung „Handicap Tønder“ zuständig ist.

Lærkely an sich hat sechs Bewohner. Ein weiterer Bürger wohnt im Nahbereich und zwei in unmittelbarer Nachbarschaft. Das Ressort für Beschäftigung zählt 17 Nutzer und bietet auch externen Bürgern eine Arbeit. Dort sind sechs Mitarbeiter angestellt. Der Mitarbeiterstab der Wohnstätte zählt um die 20 Kollegen, wie Liss Oksen erläutert.
Während der Trecker im Hintergrund brummte, erfuhren die Gäste, dass Lærkely wie eine alte, traditionelle Landwirtschaft betrieben wird. „Das Fundament bildet der Grundgedanke ,aus dem Erdboden auf den Tisch‘. Wir folgen diesem Prozess, der intellektuell verstanden werden kann und auch die umliegende Gesellschaft miteinbezieht“, so Liss Oksen.

Die Leiterin Liss Oksen (vorne) zeigt auf die zugehörigen Ländereien. Links Gebietsleiterin Theresé Andersen Foto: Elise Rahbek

Wandel der Zeit

Sie veranschaulichte auch den Wandel der Zeit am Beispiel der Feldfrüchte. „Früher bauten wir Porree, Mohrrüben, Kartoffeln und Erdbeeren an. Mittlerweile sind nur noch die Kartoffeln übrig, da unsere jetzigen Nutzer keine Lust haben, mit der Hacke zu arbeiten. Sie wollen viel lieber Trecker fahren oder sich mit der Mechanik befassen. Das ist ein spannender Prozess“, so die Leiterin. Die Gokart-Bahn wurde abgeschafft, da keiner mehr Interesse daran hatte. „Für uns gilt es, etwas zu finden, wozu sie Lust haben und das Lebensqualität bringt.“

Zu einer Erfolgsgeschichte hat sich das kleine Sägewerk entwickelt, das mittlerweile die vierte Saison läuft. Hatte die Stätte erwartet, dass nur einzelne Nutzer dort aktiv sein könnten, verstehen sich inzwischen sechs bis sieben Personen mit Unterstützung auf die Bedienung. Es werden auf Bestellung u. a. Tische und Bänke und auch Shelter gebaut. Die Gäste erfuhren auch, dass Lærkely wie jeder andere Arbeitsplatz mit den Nutzern Mitarbeitergespräche führt. „Wir versuchen, ihnen einen kleinen Schubs zu geben und sie an neue Aufgaben heranzuführen. Vielleicht, dass einer das Treckerfahren erlernt“, nennt die Chefin ein Beispiel. Die Nutzer der Beschäftigung haben selbst Einfluss auf die Wahl ihrer Tätigkeit. Eine tägliche Herausforderung sei es, sie bezüglich der Verantwortung für ihre Aufgaben, z. B. das Füttern der Tiere, bei der Stange zu halten. „Die Motivation ist auch sehr vom Wetter abhängig. Und wenn es regnet, wird der Dienst draußen nicht als besonders attraktiv aufgefasst“, fügt Theresé Andersen mit einem wissenden Lächeln hinzu.

Hoher Motivationsfaktor

Für die Beschäftigung sind Pädagogen, jedoch auch ein Landwirt, ein Maurer und ein weiterer Handwerker angestellt. „Die Zusammenarbeit mit Fachleuten ist für die Nutzer ein hoher Motivationsfaktor,“ so die Erfahrung der Leiterin. Morgens gibt es ein Treffen mit den Nutzern, wo das Tagesprogramm mit ihnen abgestimmt wird. Damit würden sie auch das Gefühl gewinnen, zum Gelingen beizutragen.

Auf dem Hof finden sich Rinder, Schafe, Kaninchen, Hühner und Schweine. „Wir verkaufen auch Fleisch. Ab Juni haben wir wieder Enten, Gänse und Puten, die dann zu Weihnachten bestellt werden“, berichtet Liss Oksen. Zurzeit sind Säulen aus Weiden eine Aufgabe, mit der das Tønder Festival die Stätte beauftragt hat. Während die externen „Arbeiter“ am Wochenende frei haben, werden die Tiere von den Bewohnern mitsamt Personal versorgt.

„Im Bereich der Beschäftigung läuft unsere Aufgabe übergeordnet darauf hinaus, die Bürger dahingehend zu rüsten, dass sie eine richtige Arbeit bekommen können. Im Wohnbereich geht es darum, dass sie so selbstständig wie möglich werden“, sagt Liss Oksen, während der Besuch bei einigen Anwesenden Aufmerksamkeit weckt und kommentiert wird.

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