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Ehrung für Bürgermeister mit Beigeschmack

Ehrung für Bürgermeister mit Beigeschmack

Ehrung für Bürgermeister mit Beigeschmack

Tondern/Tønder
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Eine anheimelnde Abendstimmung machte sich während des besagten Tagespunkts nicht breit. Foto: Monika Thomsen

Es traf nicht den Geschmack von Venstre, dass die Schleswigsche Partei im Rahmen des Vorschlagrechts die Idee mit einem Andenken für Rudebeck vorbrachte. Der Vorwurf des Populismus wurde erhoben.

Dem Vorschlag der Schleswigschen Partei, eine Straße, einen Platz oder einen Pfad in Tondern nach dem 2016 verstorbenen Bürgermeister Laurids Rudebeck (Venstre) zu benennen, um ihm ein würdiges Andenken zu setzen, wurde auf der Stadtratssitzung aus dem Venstre-Lager ein etwas anderer Empfang bereite, als vom „Absender“ erwartet.

Die SP hatte sich die Zustimmung der Familie eingeholt, bevor sie mit dem Vorschlagsrecht den Punkt auf die Tagesordnung setzten.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Der Fraktionssprecher Preben Linnet bezeichnete den Vorschlag zwar als „sympathisch“, hielt ihn aber nicht für notwendig. „Das ist wie alten Wein in neue Schläuche zu füllen. Wir haben bereits 2016 darüber gesprochen und Handschlag darauf gegeben. Wir sind viele, die ihn nicht vergessen haben und die ihn lieber heute als morgen ehren würden. Ich finde, es ist eine merkwürdige Art, es vorzuschlagen, und ich halte den Vorschlag für überflüssig“, sagte Linnet.

„Ich halte die Zeit für reif. Die Art, diese emotionale Sache vorzubringen, ist jedoch nicht besonders schön. Es ist wohl keiner der Auffassung, dass sich die Sache als Politikum eignet“, sagte seine Parteikollegin Irene Holk Lund unter anderem und verwies darauf, dass sie 2016 und 2019 schriftlichen Kontakt zur Familie gehabt hatte.

„Unangemessener Populismus"

„Die Schleswigsche Partei will Laurids Rudebeck ehren. Das wollen wir alle. Die Idee gibt es bereits. Wir gucken nach einer richtigen Lösung, die sich bei bevorstehenden großen Projekten in Tondern ergeben wird, da es etwas Besonderes sein soll“, nannte Bo Jessen (Venstre) unter anderem die Erneuerung der Innenstadt als Möglichkeit.

„Da die Idee bereits vorhanden ist, appelliere ich, dass du mit dem jetzt vorhandenen Wissen den Vorschlag fallen lässt. Ich halte es für unangemessenen Populismus, wenn eine Partei in dieser Sache von dem Vorschlagsrecht Gebrauch macht, um die Ehre dafür einzustreichen, dass wir einen Platz nach Laurids Rudebeck benennen können. Diese Ehre steht nur einem zu, und das ist Laurids Rudebeck.“, sagte Bo Jessen.

Claus Hansen (Liberale Allianz), der Popps Vorschlag unterstützte, mahnte zur Besonnenheit.

Das war absolut nicht, um billige Punkte zu machen. Ich habe nicht früher an einer Diskussion teilgenommen.

Jørgen Popp Petersen, Schleswigsche Partei

„Das war absolut nicht, um billige Punkte zu machen. Ich habe nicht früher an einer Diskussion teilgenommen“, so Popp. Er schlug vor, den Punkt an den Ökonomieausschuss zu leiten, damit dieser ein Prozedere erarbeiten kann. „Da wir uns einig sind, dass wir das wollen, werde ich keinen Rückzieher machen“, so Popp Petersen. Er hatte einleitend Rudebecks aktives und positives Wirken erwähnt, das leider von zu kurzer Dauer gewesen sei.

Laurids Rudebeck während des Anbauprojekts am Rathaus Foto: Elise Rahbek

„Ich halte es für einen guten Vorschlag. Ich bin überaus überrascht von der Art, wie Venstre reagiert“, sagte Anette Abildgaard Larsen (Kons.). Das müsse für Popp ein heftiges Erlebnis sein.

Ihr hättet eurer Wissen früher mit uns teilen können. Dann hätte man einen Kommentar rumschicken können. Dieses hier finde ich wirklich unangenehm, und ich habe ein ganz merkwürdiges Gefühl.

Anette Abildgaard Larsen, Konservative Volkspartei

„Ihr hättet eurer Wissen früher mit uns teilen können. Dann hätte man einen Kommentar rumschicken können. Dieses hier finde ich wirklich unangenehm, und ich habe ein ganz merkwürdiges Gefühl“, wunderte sich wohl nicht nur die konservative Politikerin über die gewählte Praxis der Venstre-Fraktion.

Emotionsgeladen

Rückendeckung für die SP gab es auch von der Sozialistischen Volkspartei und der Dänischen Volkspartei. „Wir halten die Idee für richtig gut. Es kommen jetzt aber sehr viele Emotionen in die Sache. Daher ist es gut, wenn der Ökonomieausschuss mit der Zeit das Richtige finden kann“, meinte der Sozialdemokrat Peter Christensen.

„Das ist eine schöne Initiative. Und mich stört es nicht, dass der Vorschlag von Popp kommt“, sagte Jens Møller (parteilos).

„Wir wollen dies hier. Wir wissen bloß noch nicht, wann und wo“, lautete das Fazit von Bürgermeister Henrik Frandsen (Venstre).

Ein „peinlicher Auftritt"

„Ich hatte nicht erwartet, dass die Sache diese Wendung nehmen würde. Ich habe nicht zu einem früheren Zeitpunkt von einem solchen Vorschlag gehört“, sagt Jørgen Popp Petersen auf die Anfrage des „Nordschleswigers“ am Tag nach der Stadtratssitzung. „Das war ein peinliches Auftreten“, meint er mit Blick auf das Agieren der drei Venstre-Politiker.

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