Ringreiterkorps Seth/Uberg

75 Jahre zu Pferd und mit Lanze

75 Jahre zu Pferd und mit Lanze

75 Jahre zu Pferd und mit Lanze

Brigitta Lassen
Brigitta Lassen Lokalredakteurin - Tondern
Seth/Uberg
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Connie Boyschau ist heute Vorsitzende des Korpses. Foto: Archiv

Das Ringreiterkorps Seth/Uberg feiert am 15. Juni sein Jubiläum. Sogar der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel war entzückt.

In der Gastwirtschaft von Hans Feddersen in Seth trafen sich am 10. Juli 1944 trotz der Kriegswirren 19 Männer aus dem Grenzort und dem Nachbarort Uberg. Sie wollten einen Ringreiterverein gründen. Schon am 23. Juli des Jahres wurde zum ersten und einzigen Mal in Uberg auf einem Feld von Friedrich Schau angetreten. 24 Reiter – nur männlichen Geschlechts – schwangen sich in die Sattel.

Jacob Lorenzen gewann das Königsstechen im Gründungsjahr. Kronprinz wurde Fritz Tygsen, Uberg, Prinz Alfred Lorenzen, Seth-Brücke.

Ernst Fries blättert in den alten Protokollen. Foto: Volker Heesch

Damit jährt sich die Gründung des Traditionsvereins zum 75. Mal. Das Jubiläum soll beim Ringreiterturnier am Sonnabend, 15. Juni, bei der ehemaligen deutschen Schule in Seth mit Kaffee und Kuchen für alle Gäste gefeiert werden. Am Vortag wird ein Ringreiten ohne Pferd für Kinder und Erwachsene durchgeführt.

Verein ruht bis nach dem Krieg

Nach dem ersten Turnier – abends durfte aufgrund des Kriegs nicht getanzt werden – ruhten die Vereinsaktivitäten zunächst, zumal Vereinsmitglieder in Fårhus inhaftiert wurden. 1947 hätte das erste Ringreiterfest nach der Wiederaufnahme der Aktivitäten am 15. Juni stattfinden sollen, was von dänischer Seite verboten wurde, da der 15. Juni der Valdemarsdag war.

Gründungsmitglied Hans Bruhn

Hans Bruhn, Seth-Feld, zählt zu den Gründungsmitgliedern des Ringreiterkorpses Seth/Uberg. Er saß von 1952 bis 1978 im Vorstand, schafft es aber nur 1948, die Königswürde zu erstechen. Er ist heute Ehrenmitglied des Ringreiterkorpses und schaut sich heute das Treiben unter dem Galgen vom Stuhl aus und nicht im Sattel an. Er ist wie Nis Bahnsen Ehrenmitglied.

Als Gegengewicht wurde 1948 von dänischer Seite ein Ringreiterverein gegründet. Dessen Turnier sollte sogar am selben Tag wie das der „Deutschen“ stattfinden. Das Ringreiterkorps hatte den längeren Atem und besteht noch heute.

Bis ca. 1980 wurde südlich der Gastwirtschaft in Seth geritten. Seitdem ist der Sportplatz hinter der ehemaligen Schule in Seth der Austragungsort des sportlichen und geselligen Treibens.
Die Familiennamen Tygsen, Lorenzen, Bruhn, Bahnsen usw. tauchen immer wieder in den Vorständen des Ringreiterkorpses auf. Gleiches gilt für den Namen Fries. Über viele Jahre war Egidius Fries Protokollführer des Vereins. Sein Sohn Ernst übernahm den Posten vor 37 Jahren. Er ist auch früher aktiver Ringreiter gewesen. Auch bei einem der Highlights des Korpses. Die Reiter hatten am 16. Juni 1979 Aufstellung beim Grenzübergang bei Seth genommen, um Bundespräsident Walter Scheel und den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg vor ihrem Staatsbesuch in Dänemark willkommen zu heißen. Scheel war von der Stimmung bei den Reitern sehr angetan.

Walter Scheel und Gerhard Stoltenberg bei den Ringreitern Foto: Nordschleswiger-Archiv

Er meinte beim Abschied, dass er gern beim abendlichen Ringreiterball dabei gewesen wäre. Aber sein volles Programm erlaube es nicht. Die abendlichen Festabende mit Tanzvergnügen sind Geschichte.

Heute gehen auch Frauen und Kinder an den Start. Früher durfte nur teilnehmen, wer in Seth und Umgebung wohnte oder eine Verbindung zu den Orten hatte. Diese Klausel gibt es auch nicht mehr. 2018 gingen 46 Teilnehmer (inkl. Kinder) an den Start. Nicht vergleichbar mit dem großen Ringreiten in Sonderburg oder Apenrade. Doch in Seth gibt es ein gemütliches Turnier, bei dem jeder jeden kennt.
Halt klein, aber fein.


41 Jahre Rittmeister: Jacob Lorenzen

Auf eine beachtliche Leistung im Vorstand des Ringreiterkorpses konnte der Sether Jacob Lorenzen 1985 zurückblicken. Er zog sich nach 41 Jahren aus dem Vorstand zurück. Er war ein Mitglied der ersten Stunde. Zunächst war er ab 1944 Adjutant, später übernahm er den Posten als Reitmeister und bekleidete dieses Amt bis zu seinem Rücktritt. Sein Sohn Gert übernahm die Nachfolge als Rittmeister.

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