Leitartikel

„Lose steht fest“

Lose steht fest

Lose steht fest

Nordschleswig/Apenrade
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Stephanie Lose soll in der Partei Venstre für Ruhe und Zusammenhalt sorgen. Dafür bringt die Politikerin aus Lügumkloster die Voraussetzungen mit, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Als Stephanie Lose 2015 den Posten als Regionsvorsitzende in Süddänemark von Carl Holst übernahm, gab es Skeptiker, die der jungen Venstre-Frau die Aufgabe nicht zutrauten. Doch Stefanie Lose, die als 14-Jährige in Lügumkloster Venstre-Mitglied wurde, hat es in sich, und sie hat inzwischen ganz Dänemark gezeigt, dass sie eine Politikerin der Zukunft ist.

Davon hat Lose bereits ihre Partei Venstre überzeugen können. Es wäre ziemlich überraschend, sollte die 38-Jährige in zwei Wochen nicht zur zweiten Vorsitzenden ihrer Partei gewählt werden. Damit wird sie gegebenenfalls Nachfolgerin von politischen Schwergewichtlern und Ex-Ministern wie Kristian Jensen und Inger Støjberg.

Letztere wurde vergangene Woche vom Vorsitzenden Jacob Ellemann-Jensen zum Rücktritt gezwungen, und damit verschlimmerte sich die Krise von Venstre. Stephanie Lose soll jetzt für Ruhe sorgen – und dafür bringt sie die richtigen Voraussetzungen mit.

Zum einen wird die Rollenverteilung an der Spitze der Partei deutlicher. Ellemann und Støjberg haben sich als markante Folketingspolitiker auch politisch bekriegt, und Ellemann sah sich in seiner Position bedroht. Diesmal wird es keinen Machtkampf an der Spitze geben.

Mit Lose kommt eine inzwischen erfahrene Politikerin, die (noch) nicht von Christiansborg aus operiert, aber dennoch trotz ihres jungen Alters viel politische Erfahrung mitnimmt. Als Regionsvorsitzende in Süddänemark und Vorsitzende der dänischen Regionen ist sie es gewohnt, in der Spitzenpolitik mitzumischen – vor allem, wenn es um die Gesundheitspolitik des Landes geht.

Der Posten als zweite Vorsitzende sei allerdings kein politischer Posten, meint Stephanie Lose, und damit ist eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Vorsitzenden gewährt.

Stephanie Lose ist tüchtig, sie ist engagiert, sie ist fleißig und sie arbeitet sich gründlich in die Materie ein. Dies gibt ihr die Durchschlagskraft, die ihr auch gleich in der Region Süddänemark Respekt verschaffte: Sie übernahm das Ruder in der Krise um den Rettungsdienst Bios und die Nachwehen der Holst-Ära. Sie lotste die Region durch die Krise und bewies dabei im Sturm ihre politische Seetauglichkeit. Die sympathische Politikerin Lose steht fest, wenn es nötig ist.

Noch können sich weitere Kandidaten zwar für die Wahl zum zweiten Vorsitzenden am 24. Januar melden, doch als Stephanie Lose ihre Kandidatur veröffentlichte, machte Viborgs Bürgermeister, der frühere Handball-Nationaltrainer Ulrik Wilbek, gleich einen Rückzieher: Zu offensichtlich ist Loses Kandidatur als die beste Lösung für die krisengebeutelte Partei Venstre.

Denn nicht nur hat sie den Respekt von Parteifreunden und Gegnern, sie sorgt bei Venstre auch für eine gewisse Balance zwischen Stadt und Land sowie zwischen dem kommunalen/regionalen Venstre auf der einen und der Landes- und Folketings-Partei Venstre, die sich in einem Überlebenskampf befindet, auf der anderen Seite.

Lose soll die Partei wieder zusammenbringen und unmittelbar keine Frontfigur sein. Doch wer weiß, wie sich die Lage bei Venstre weiterentwickelt. Lose könnte sich auch plötzlich in einer ganz anderen Rolle befinden – auf dem Weg nach Christiansborg. Mit ihrer Kandidatur will sie nicht nur ihre Partei zusammenhalten – sie zeigt auch, dass sie auf längere Sicht Ambitionen hat.

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