Freizeitpädagogik

SFO-Kids häkelten, was das Zeug hielt

SFO-Kids häkelten, was das Zeug hielt

SFO-Kids häkelten, was das Zeug hielt

Tingleff/Tinglev
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Eine ganz schön lange Häkelschnur kam in der Tingleffer SFO zusammen. Foto: Karin Riggelsen

Fast zweimal um den Sportplatz: Die Schulfreizeit-Kinder der Deutschen Schule Tingleff entdeckten das Fingerhäkeln für sich und brachten es auf eine beachtliche Produktionsmenge. Die Corona-Krise hat für mehr Kreativität und eine ganz andere Unternehmungslust gesorgt, was die Schulfreizeitordnung (SFO) für das Betreuungskonzept vorgemerkt hat.

Das steckte an und immer mehr Kinder griffen zu der Wolle: In der Schulfreizeitordnung der Deutschen Schule Tingleff war Fingerhäkeln der große Renner.

Aus der Not, dass in der Corona-Krise kaum noch Spielzeug bereitsteht, man viel draußen ist und sich anderweitig Beschäftigungen suchen muss, ist in der SFO eine Tugend geworden.

„Es ist bemerkenswert, wie die Kinder auf die Umstände reagieren. Sie bewegen sich viel mehr und finden immer etwas, womit sie sich beschäftigen können. Das schult die Motorik und die Kreativität“, sagt SFO-Mitarbeiterin Susanne Weyhe.

Eine Öse nach der anderen

Der Hit war in jüngster Zeit das Fingerhäkeln. Immer mehr Kinder setzten sich draußen hin, um mit den Fingern Bandreihen mit Ösen zu kreieren.

„Auch Jungs machten sich daran. An die 20 Kinder häkelten, einige mehr, andere weniger. Wir überlegten, was man damit machen könnte und kamen auf die Idee, den Sportplatz vor der Schule damit einzuzäunen“, berichtet Susanne Weyhe. Der Einfall gefiel, und es wurde noch einmal so richtig drauflos gehäkelt.

Es ist bemerkenswert, wie die Kinder auf die Umstände reagieren. Sie bewegen sich viel mehr und finden immer etwas, womit sie sich beschäftigen können. Das schult die Motorik und die Kreativität.

Susanne Weyhe

Im Stile des Künstlers Christo, der ganze Gebäude verpackte, kam für die SFO-Kids dann der Tag des Einrahmens.

Susanne Weyhe hatte Elektrozaun-Pfeiler besorgt, die um die Laufbahn in den Rasen gesteckt wurden. Daran sollten die aneinander geknoteten Häkelwerke der Kinder befestigt werden.

„Dort, wo nur Tartanbahn war, sprangen die Kinder als Pfähle ein."

Mathe, ohne es zu merken

„Die Pfähle habe ich mit den Vorschulkindern aufgestellt. Sie zählten dabei, mit wie vielen Schlägen die Pfeiler eingerammt waren und schätzten die Abstände mit ab. So war dann auch Mathe mit im Spiel“, so die SFO-Mitarbeiterin mit einem Schmunzeln.

Da kam Freude auf. Die Häkelschnur reichte fast zweimal um den Sportplatz. Foto: Karin Riggelsen
Rune (l.) und Lasse beim Schnurverlegen Foto: Karin Riggelsen

Wie lang würde der „Draht“ wohl sein?

Diese Frage griff man vor dem Aufhängen in der SFO-Tippzentrale auf.

„Die Kinder schätzten zwischen 100 und 700 Meter. Ich tippte auf 1.400 Meter, eine Kollegin sogar auf 2.000 Meter. Die Kinder haben es viel besser getroffen“, so Weyhe lachend.

Es waren am Ende 700 Meter, wie sich beim gemeinsamen Abwickeln der Knäule und Dranhängen der Häkelfäden ergab.

Das erstaunte auch SFO-Leiter Dieter Søndergaard (l.). Die Häkelfäden der Kinder waren mehrere 100 Meter lang. Foto: Karin Riggelsen
Solche Ösenreihen häkelten die Tingleffer SFO-Kinder in großen Mengen. Foto: Karin Riggelsen

Das Material ist mittlerweile wieder in der SFO verstaut. Dort wird es aufbewahrt, „denn es wird bald weitergehäkelt. Die Kinder wollen jetzt erst einmal stricken, mit richtigen Stricknadeln“, freut sich Susanne Weyhe über den handwerklichen Eifer der Kinder, zumal es eine hervorragende Schulung der Feinmotorik ist.

Andere Impulse in der Corona-Krise

Bei aller Brisanz, die die Corona-Pandemie und die einhergehenden Verhaltensregeln mit sich bringen, gibt es positive Aspekte im Handeln der Kinder, findet Weyhe.

Die SFO-Kinder können sich konzentriert mit einer Sache befassen, wie etwa Häkeln, und verspüren danach den Drang, sich zu bewegen. Das sei eine gute Mischung.

So sieht es auch Dieter Søndergaard, Leiter der SFO in Tingleff.

„Die Kinder sind zum einen viel mehr draußen und unternehmen etwas zusammen. Es gibt dadurch eine ganz andere Qualität bei den sozialen Kontakten“, so Søndergaard.

„Zum anderen“, ergänzt der SFO-Leiter, „stehen coronabedingt weniger Spielzeug und Geräte zur Verfügung. Die Kinder merken auf einmal, dass sie sie gar nicht brauchen. Sie beweisen Einfallsreichtum und wissen sich auf ganz andere Weise zu beschäftigen – und das Ganze draußen.“

Lehren daraus ziehen

Die coronabedingte Änderung des Freizeitverhaltens sehe man als förderlich für die Entwicklung der Kinder an und werde es vormerken.

„Wir haben bei Mitarbeitersitzungen darüber gesprochen und uns vorgenommen, an Abläufen festzuhalten, die in der Corona-Krise positiv aufgefallen sind“, so Søndergaard.

Beim Aufhängen der Häkelarbeiten blieb auch Zeit, Laub hochzuwerfen und sich daran zu erfreuen, wie es bei Rune und Lasse offensichtlich der Fall war. Foto: Karin Riggelsen
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