Corona-Krise

Nerzzüchter aus Kitschelund geht ungewisser Zukunft entgegen

Nerzzüchter geht ungewisser Zukunft entgegen

Nerzzüchter geht ungewisser Zukunft entgegen

Kitschelund/Kiskelund
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Nerzzüchter Jens Wistoft und Kollegen müssen um das Fortbestehen ihrer Betriebe fürchten. Foto: Paul Sehstedt (Archiv)

Mit der Anordnung der Regierung, dass alle Nerzbestände in Dänemark aus Angst vor einer Mutation des Corona-Virus getötet werden müssen, wird es laut Züchter Jens Wistoft Jahre dauern, ehe die Branche einigermaßen zur Normalität zurückfinden kann – wenn überhaupt!

Niedergeschlagenheit auf ganzer Linie auf der Nerzfarm von Jens Wistoft in Kitschelund. Er muss, wie sämtliche Betriebe in Dänemark, alle seine Nerze töten lassen – auch die Zuchttiere.

„Das ist eine drastische und dramatische Vorgabe“, so Wistoft, seines Zeichens Vorsitzender des regionalen Pelzzüchtervereins „Grænseegnens Pelsdyravlerforening“ mit rund 25 Mitgliedern.

Aus Angst vor dem Mutieren des Corona-Virus in Nerzfarmen hat die Regierung am Mittwoch angeordnet, dass alle Nerzbestände im Land gekeult werden müssen.

Für ihn und Kollegen im südlichen Landesteil sei es besonders bitter, weil das Virus hier noch nicht festgestellt wurde, so Wistoft, der seinen Zuchtbetrieb über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren aufgebaut hat.

Neustart unklar

Es ist noch völlig offen, wann Betriebe wegen der Corona-Krise überhaupt einen Neuanfang machen können.

„Es würde dann auch bis zu fünf Jahre dauern, ehe ein Betrieb wieder einigermaßen aufgebaut ist“, so Wistoft.

Die Möglichkeit, wieder eine Zucht aufzubauen, wolle er für sich nicht ausschließen. Es dränge sich aber schon der Gedanke auf, sich für eine andere Form der Landwirtschaft zu entscheiden. „Ich habe da aber noch keinen Plan“, sagt der 60-Jährige.

Er habe eine Frist bis zum 15. November. Dann müssen alle seine Nerze getötet sein – 24.000 an der Zahl. Er darf auch Pelze behalten und in den Handel bringen. Wie viele Pelze er „ernten" kann, ist allerdings eine Frage der Zeit, denn die Tötung muss laut Anordnung am 15. November erfolgt sein.

„Dann werden Gebäude und Gehege gereinigt und können dastehen“, sagt der Kitschelunder mit Betonung auf „dastehen“, weil es nicht abzusehen ist, ob und wann sich dort wieder Nerze befinden.

Seinen vier Mitarbeitern hat Jens Wistoft noch nicht gekündigt. Bis in den Februar hinein könne er sie im Kielwasser der Keulung noch beschäftigen, dann müsse er sehen, wie es weitergeht, so Wistoft mit Bedauern.

Hoffen auf Entschädigung

Der Kitschelunder setzt auf eine angemessene Entschädigung des Staates. Der hatte ein Kompensationsmodell für die Tötung von Nerzen auf Betrieben mit Corona-Infektion und Farmen im Umkreis von 7,8 Kilometer erstellt.

Das Modell sieht bzw. sah eine Entschädigung für den Betriebsausfall vor mit bis zu 248 Kronen Erstattung für ein Zuchttier. „Das war ganz okay. Nun haben sich die Voraussetzungen aber völlig geändert“, sagt Wistoft, der die Anordnung der Regierung mit einer Enteignung gleichsetzt.

„Ich habe großes Vertrauen in unsere Hauptorganisation und bin zuversichtlich, dass sie angemessene Vereinbarungen mit der Regierung treffen wird“, so Jens Wistoft.

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