Atomkraft

Kein Kraftwerksschutt in Harrislee: Aufatmen in der Kommune Apenrade

Kein Kraftwerksschutt in Harrislee: Aufatmen in Apenrade

Kein Kraftwerksschutt in Harrislee: Aufatmen in Apenrade

Pattburg/Padborg
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Gegen die im Raum stehende Lagerung von Kraftwerksschutt in Harrislee wurde im vergangenen Jahr unter anderem bei einer Kundgebung in Pattburg demonstriert. Foto: kjt (Archiv)

Die Absicht des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums, Schutt aus dem Rückbau des Atomkraftwerks Brunsbüttel nicht auf der Deponie Balzersen nahe der Grenze zu lagern, sorgt vor allem auch auf dänischer Seite für Erleichterung. Apenrades Bürgermeister hat bei aller Freude allerdings noch ein weiteres Problem vor Augen.

Die Deponie „Balzersen“ aus Harrislee ist erst einmal raus.

Das schleswig-holsteinische Umweltministerium will Schutt aus dem Rückbau des Atomkraftwerks Brunsbüttel in Deponien in Lübeck-Niemark und Johannistal in Gremersdorf (Kreis Ostholstein) lagern. Das hat die Landesregierung am Mittwoch bekannt gegeben.

Im Raum standen fünf Deponien, die als Lagerstätte für den Bauschutt verpflichtet werden könnten, darunter auch die Harrisleer Deponie in unmittelbarer Nähe zur dänischen Grenze.

Proteste auf beiden Seiten

Sowohl auf deutscher als auch auf dänischer Seite sorgte die Möglichkeit, dass der AKW-Schutt in Harrislee landet, für Proteste.

Dass es sich angeblich um nicht radioktives und damit nicht schädliches Material handelt, änderte daran nichts.

Erfreut über die Meldung aus dem schleswig-holsteinischen Umweltministerium zeigte sich am Mittwoch Apenrades Bürgermeister Thomas Andresen (V).

„Ich bin froh, dass die gute Zusammenarbeit über die Grenze hinweg zum Ausdruck kommt, indem in dieser Sache Rücksicht genommen wird.“

Der Dialog und der Meinungsaustausch mit der deutschen Seite hatten offensichtlich Früchte getragen, so die Einschätzung des Bürgermeisters.

Nur ein Teilerfolg

Bei aller Begeisterung sieht er die Abwahl der Harrisleer Deponie allerdings nur als Teilerfolg.

„Denn mit den Plänen der Bundesregierung für die Endlagerung von Atommüll könnte es eine weitere große Herausforderung geben. Auf der Suche nach unteridischen Lagerstätten sind unter anderem Gebiete nicht weit von Nordschleswig als mögliche Standorte im Spiel“, so Apenrades Bürgermeister.

Verstrahlter Atommüll sei noch einmal eine ganz andere Kategorie, und von einer Lagerung nahe an Dänemark müsste Deutschland absehen, „zumal Dänemark sich gegen Atomkraft ausgesprochen hat“, ergänzt Andresen.

Zu den Gegnern der Schuttlagerung auf der Harrisleer Deponie gehört unter anderem auch Jan Riber Jakobsen.

Er ist Pattburger und Apenrader Stadtratspolitiker der Konservativen. Seine Partei initiierte im Oktober vergangenen Jahres eine Protestkundgebung in Pattburg, an der auch Gegner der Deponiepläne aus Deutschland teilnahmen.

Jakobsen ist von der Absicht des Umweltministeriums in Schleswig-Holstein ebenfalls sehr angetan.

„Wir bekommen die Arme gar nicht mehr herunter. Ich bin so froh im Namen des gesamten Gebietes auf beiden Seiten der Grenze.“

Bessere Abstimmung

Es sei ein Zeichen der guten grenzüberschreitenden Nachbarschaft, dass die Meinungen und Bedenken auch von dänischer Seite offensichtlich Gehör gefunden haben, so der Pattburger.

Er habe das Gefühl, dass sich beide Seiten bei grenzüberschreitenden Angelegenheiten viel besser abstimmen.

„Man denke da nur an die Windkraftproblematik in Bölau nahe der Grenze. Es hat sich zum Glück viel getan“, so Jakobsen in Anspielung an deutsche Windkraftprojekte direkt an der Grenze zum Ort Bölau (Bølå), die Anwohner auf dänischer Seite in Bedrängnis brachten.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Anstand mit Abstand“