Verkehrssicherheit

Im Dorf wohnen wie an der Autobahn

Im Dorf wohnen wie an der Autobahn

Im Dorf wohnen wie an der Autobahn

Terkelsbüll/Terkelsbøl
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Lone und Ragner Häbel mit den Unterschriften. Durch Terkelsbüll wird ihrer Ansicht nach viel zu schnell gefahren. Dagegen wollen sie etwas unternehmen. Foto: Karin Riggelsen

Das Ehepaar Lone und Ragner Häbel setzt sich als Zuzügler für die Verkehrssicherheit in Terkelsbüll ein. Hier wird zu viel gerast, so die Meinung der beiden, die eine Unterschriftensammlung in die Wege leiteten. Sie haben auch in einer anderen Sache für mehr Sicherheit im Ort gesorgt.

„Ich hatte ja nicht gedacht, dass ich an eine Autobahn ziehe.“

So drastisch formuliert Lone Häbel das Wohnen an der Terkelsbøl Bygade in Terkelsbüll.

Als sie und ihr Mann Ragner im vergangenen Jahr das Haus in der Bygade 7 kauften und von Tingleff dorthin zogen, gingen beide eigentlich von einem ruhigen Dasein in einem ländlichen Dorf aus.

Dass auf der Verbindungsstraße in Richtung Westen und zur Touristeninsel Röm (Rømø) mitunter so viel los ist und dabei sehr schnell gefahren wird, darauf waren sie nicht vorbereitet.

„Uns war nicht klar, dass hier so viel Verkehr durchkommt, vor allem auch so viele Lastwagen. Was uns aber erschreckt, ist die hohe Geschwindigkeit, mit der hier durchgerast wird“, so Ragner Häbel, der als Hörakustiker in Tingleff (Tinglev) die Firma „Din mobile Hørelse“ betrieb und den mobilen Service mit nach Terkelsbüll umziehen ließ.

Ländliches Wohnen bevorzugt

Warum der Umzug?

„Das liegt an meiner Leidenschaft für Pferde. Das Haus in Terkelsbüll mit den dazugehörigen Koppeln ist für die Pferdehaltung ideal“, erzählt Lone Häbel.

Ich hatte ja nicht gedacht, dass ich an eine Autobahn ziehe.

Lone Häbel

Für die beiden Zuzügler ist es selbstverständlich, sich für den Ort einzusetzen und ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis aufzubauen.

„Bevor wir nach Nordschleswig zogen, haben wir in Nordjütland schon ländlich gewohnt und uns um den Ort bemüht. Wir kennen es“, so Ehemann Ragner.

Er und Lone haben eine Unterschriftensammlung initiiert mit der Hoffnung, dass Maßnahmen für angemessene Geschwindigkeiten ergriffen werden.

32 Haushalte haben die Häbels bereits „abgeklappert“. Zirka zehn fehlen noch, dann soll die Sammlung an die Kommune übergeben werden.

Ragner Häbel ist dabei in einer Doppelrolle unterwegs. Er ist nicht nur Neubürger von Terkelsbüll, er ist auch Kandidat der Konservativen für die nächste Kommunalwahl mit dem ländlichen Raum als Steckenpferd.

Übergabe an den Bürgermeister

Ende Januar möchte er Apenrades Bürgermeister Thomas Andresen die Unterschriften persönlich überreichen und dabei auf die Problematik mit der Raserei aufmerksam machen.

„Es muss etwas passieren, und wir erwarten, dass die Kommune in der Sache etwas unternimmt“, so Häbel.

Es könne so nicht weitergehen, ergänzt Lone Häbel mit besorgter Miene.

„Als kürzlich wieder eine Tempomessung durchgeführt wurde, waren viele Fahrzeuge zu schnell. Die höchste Geschwindigkeit lag bei 110 km/h. Das ist Wahnsinn“, so die neue Bürgerin Terkelsbülls.

Maximal 60 km/h darf die Geschwindigkeit durch Terkelsbüll betragen.

„Alle lassen ihre Kinder hier auf dem Bürgersteig fahren, weil es so gefährlich ist. Nach Tingleff radeln, kommt für die meisten gar nicht erst infrage“ ergänzt sie.

„Und Kinder gibt es hier im Ort verhältnismäßig viele. Wir dachten, dass wir in ein buchstäblich altes Dorf ziehen. Es sind aber viele junge Familien mit Kindern hierhergezogen, und das ist ja positiv“, wirft Ragner Häbel ein.

Damit das so bleibt, müsse für die angemessene Verkehrssicherheit gesorgt werden, so seine Ansicht.

Mit einfachen Maßnahmen viel erreichen

Sie sind davon überzeugt, dass die Geschwindigkeit mit relativ einfachen Maßnahmen wie Fahrbahnverengungen und Verkehrsinseln gesenkt werden kann. Das müssten Fachleute analysieren.

Wir dachten, dass wir in ein buchstäblich altes Dorf ziehen. Es sind aber viele junge Familien mit Kindern hierhergezogen, und das ist ja positiv.

Ragner Häbel

Kleine Fahrbahnerhöhungen sollten es nicht unbedingt sein. „Denn das könnte nervige Geräusche machen“, bemerkt Lone Häbel.

Sie und ihr Ehemann Ragner haben sich auch in einer anderen Sache um Sicherheit bemüht.

Das Paar hat einen Defibrillator besorgt, der an der Wand ihres neuen Zuhauses in Terkelsbüll hängt und im Notfall rund um die Uhr allen zur Verfügung steht.

„In Tingleff hängen gleich mehrere solcher Geräte. Es hat uns beschäftigt, dass es in Terkelsbüll und in der näheren Umgebung keinen Defibrillator gibt. Auch das wollten wir ändern“, erwähnt Ragner Häbel, der sich Ende Januar nun zum Bürgermeister aufmachen wird, um die Unterschriftensammlung zu überreichen und ihn über das zu schnelle Fahren durch Terkelsbüll in Kenntnis zu setzen.

Am liebsten würden die Häbels auch gleich einen sicheren Radweg nach Tingleff bauen lassen. „Aber eins nach dem anderen“, so die Neu-Terkelsbüller unisono.

Lone und Ragner Häbel vor dem Defibrillator an ihrer Hauswand in Terkelsbüll. Das Gerät steht im Notfall allen zur Verfügung. Foto: Karin Riggelsen
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