Infocenter in Pattburg

Grenzpendler-Beratung ein Kompetenz-Zentrum in Europa

Grenzpendler-Beratung ein Kompetenz-Zentrum in Europa

Grenzpendler-Beratung ein Kompetenz-Zentrum in Europa

Dirk Thöming
Pattburg/Padborg
Zuletzt aktualisiert um:
Peter Hansen, Leiter des Infocenters und des Regionskontors. Foto: Dirk Thöming

Das Infocenter im Regionskontor in Pattburg/Padborg hat sich in 15 Jahren zum wichtigsten Wissenszentrum Europas zu deutsch-dänischen Pendlerfragen entwickelt.

Das Infocenter in Pattburg, Teil des Regionskontors an der Adresse Lyren 1, hat in den 15 Jahren seines Bestehens nicht nur Tausende von Grenzpendlern beraten.

Auch für Anfragen von Arbeitgebern und Behörden in Deutschland und Dänemark ist das Infocenter in diesem Zeitraum nach eigenen Angaben zur ersten Anlaufstelle geworden.

„Wir beraten auch die EU-Kommission in diesen Fragen. Wir sind mittlerweile das führende Kompetenz-Center für deutsch-dänische Fragen in diesem Bereich“, sagt Peter Hansen, Infocenter-Leiter der ersten Stunde.

Im Jahr 2008, auf dem Höhepunkt und dann folgendem Einbruch des Baubooms in Dänemark, gab es rund 5000 Beratungen von Grenzpendlern. Die Zahl der Beratungen fiel danach – parallel zum Rückgang des Grenzpendelns von Deutschland nach Dänemark - bis 2013 stetig bis zu 2.250 ab. Seitdem gibt es wieder steigende Beratungszahlen: 2018 wurden gut 3000 Pendler beraten, im ersten Halbjahr 2019 bereits über 2.300, sodass es wiederum eine steigende Zahl gibt.

„Die Beratungszahlen allein sagen aber recht wenig über unseren Arbeitsaufwand im Infocenter aus“, sagt Peter Hansen, denn immer kompliziertere Fälle und individuellere Fälle erforderten im Durchschnitt immer aufwändige Beratungen.

Die Finanzmittel seien über die vier nordschleswigschen dänischen Kommunen, die das Infocenter tragen, sowie die drei Partner auf deutscher Seite (Flensburg, Schleswig-Flensburg und Nordfriesland) und die Region Süddänemark gesichert. „Wir können hier nur leisten, was finanzierbar ist. Weitere Mittel wären sehr sinnvoll“, sagt Peter Hansen. Es mehrten sich auch Stimmen der jetzigen Träger, dass die dänische Regierung und das Land Schleswig-Holstein sich an der Finanzierung beteiligen sollten.

Das Infocenter berät ganz überwiegend Grenzpendler aus der Region.

„Oder meist Menschen, die in unsere Region über die Grenze pendeln“, sagt Peter Hansen. „Grenzpendler ist auch, wer in Bayern lebt und wöchentlich nach Kopenhagen zur Arbeit fliegt“.

Beratung für Neue ein "Muss"

Hansen nennt eine Beratung für neue Grenzpendler ein „Muss“.

„Wer neu in Dänemark arbeitet, und vielleicht noch Schwierigkeiten mit der Sprache hat, muss sich bei uns informieren, sonst kann es schmerzhafte Folgen haben“, sagt er. Beispiel: Wer krank wird und in Deutschland lebt, muss wissen, dass man online (per Nem-ID) nach sieben Tagen eine Meldung des dänischen Arbeitgebers bestätigen muss; sonst gibt es keine Lohnfortzahlung. Die dänische, persönliche Online-Verwaltung per Nem-ID sei für neue Grenzpendler überhaupt ein Thema. „Nem-ID entspricht einer Digitalen Unterschrift. Viele Handwerker sind sich der Tragweite gar nicht bewusst, wenn sie beispielsweise die Frau vom Chef bitten, für sie Eintragungen vorzunehmen“.

Besonders junge Leute fordert Hansen dazu auf, am Anfang der Arbeitsaufnahme die Beratungsmöglichkeiten im Infocenter in Anspruch zu nehmen.

„Die jüngere Generation hat oft eine Tendenz, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen. Wenn es ein Problem gibt, wird einmal bei Google nachgesehen. Dann ist das Kind aber eventuell schon in den Brunnen gefallen“, sagt er.

Eine interne Nutzer-Umfrage der Beratungstätigkeit hat Hansen zufolge übrigens ein durchweg gutes Ergebnis hervorgebracht.

„Es ist eine Erfolgsgeschichte. Das Infocenter funktioniert. Es gibt kaum noch Verbesserungsvorschläge“, sagt er.

Regionskontor

Mitarbeiter insgesamt: 14-15

Davon Anzahl der Vollzeit-Äquivalente:

Infocenter 3

Sekretariat des Regionskontors 4

Deutsch-dänische Kulturvereinbarung 2

Interreg-Projekt „Kurskultur“ 4

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