60. Geburtstag

Über London, Kiel und Düsseldorf zurück nach Sonderburg

Über London, Kiel und Düsseldorf zurück nach Sonderburg

Über London, Kiel und Düsseldorf zurück nach Sonderburg

Sonderburg/Sønderborg
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Apothekerin Gisela Weber Mezghani sieht einem runden Geburtstag entgegen. Foto: Karin Riggelsen

Geboren am Sonderburger Kongevej, zog es Gisela Weber Mezghani nach dem Abitur ins Ausland. In der kommenden Woche wird die bekannte Apothekerin 60 Jahre alt. Im Geburtstagsinterview verrät sie, wie in London die Entscheidung fiel, Pharmazie zu studieren.

Ob ihr kleines „Apotheken-Imperium“ in Zukunft noch weiter wächst? Mit einem Lachen beantwortet Gisela Weber Mezghani diese Frage. „Man kann Apotheken ja nicht einfach so kaufen. Und ich denke, ich habe schon genug zu tun. Und jetzt, wo bald das zweite Enkelkind kommt, verändern sich auch die Prioritäten.“

Gisela Weber Mezghani ist am 12. Januar 1961 am Sonderburger Kongevej geboren und blickt anlässlich ihres 60. Geburtstages im Telefoninterview auf ihren bisherigen Lebensweg zurück. Die 59-Jährige betreibt seit 2013 die Sonderburger Löwen Apotheke, Sønderborg Løve Apotek, mit mehreren Filialen in der Stadt Sonderburg und in Norburg, wo sie 2003 „Nordborg Apotek" übernahm.

Vom Gardasee nach London

Doch wie ist sie auf die Idee gekommen, Pharmazie zu studieren? Nach dem Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig in Apenrade (Aabenraa) geht Gisela Weber Mezghani zunächst für einige Monate als Kindermädchen an den Gardasee nach Italien. Daraufhin zieht die Studentin nach London. Zunächst als Au-pair und schließlich als Angestellte in der Apothekenkette „Boots the Chemist“.

„Dort habe ich in den Mittagspausen gerne und viel mit einer Pharmazeutin geredet, die dort ihr Praktikum machte. Eigentlich wollte ich Chemie studieren, aber so bekam ich Lust auf ein Pharmazie-Studium“, erinnert sich Gisela Weber Mezghani.

Gisela Weber als etwa 15-jährige Schülerin der Deutschen Schule Sonderburg Foto: Privat

Während ihrer Zeit in London lernt Gisela Weber Mezghani ihren zukünftigen Mann kennen, der aus Marokko kommt und vor Ort ein Studium zum Autoingenieur absolvierte. Gisela Weber Mezghani zieht anschließend nach Kiel, wo sie an der Christian-Albrechts-Universität Pharmazie studiert. Ihr Mann folgt ihr nach Kiel. Zusammen lebt das Paar in Eckernförde und anschließend viele Jahre in Düsseldorf.

Die beiden Kinder Ferres und Ines kommen 1989 und 1991 zur Welt. Ferres lebt in Herning und Ines in Tingleff, das zweite Enkelkind ist unterwegs.

1998 Neuanfang in Sonderburg

1998 kehrt Gisela Weber Mezghani nach der Trennung von ihrem Mann nach Sonderburg zurück, wo ihre Eltern Hildegard und Paul „Willi“ Wilhelm Weber leben. Sie arbeitet in der „Jernbane Apoteket", bis sie 2003 in Norburg ihre erste eigene Apotheke übernimmt.

„Meine Eltern sind immer selbstständig gewesen, und wenn man als Pharmazeutin in der Kommune Sonderburg weiterkommen wollte, war eine eigene Apotheke der einzige Weg. Die Arzneimittelfirmen sitzen ja eher auf Fünen und vor allem auf Seeland“, erzählt Gisela Weber Mezghani. „Und ich wollte gerne hierbleiben.“

Ich reagiere genauso wie meine Mutter damals, als ihre Enkel zur Welt kamen. Ich beginne mit Stricken und Häkeln, ohne dass ich etwas dagegen tun kann.

Gisela Weber Mezghani

Zusammen mit ihrem Partner Claus, den sie 2000 kennenlernt und 2008 heiratet, zieht sie 2012 nach Norburg (Nordborg), wo sie auf einer alten Landstelle bei Mjels Mark neu bauen.

„Eigentlich sind wir nach Norburg gezogen, damit ich nicht so viel fahren muss. Aber 2013 habe ich dann auch die Løve Apotek in Sonderburg genommen, und dann musste ich doch wieder viel fahren. Aber so war es eben“, erinnert sich Gisela Weber Mezghani. Seit 2014 liegt die „Sønderborg Løve Apotek" am Center Øst, zudem gibt es Filialen in der Stadt, unter anderem im Matas an der Perlegade.

Veränderte Prioritäten und viele Motoren

Doch nun, wo Enkel Nummer zwei in Sicht ist, verändern sich die Prioritäten, bemerkt Gisela Weber Mezghani. „Ich reagiere genauso wie meine Mutter damals, als ihre Enkel zur Welt kamen. Ich beginne mit Stricken und Häkeln, ohne dass ich etwas dagegen tun kann“, lacht sie. Mit ihrem Mann Claus teilt sie die Freude an „allem, was brummt und fährt“, also an Motorrädern und guten Autos.

Außerdem ist Gisela Weber Mezghani in der Schleswigschen Partei in Sonderburg aktiv, ist Mitglied im Frauenbund, im Kirchenvorstand der Marienkirche, und sie ist Vorstandsmitglied im Presseverein des „Nordschleswigers“.

Gisela Weber Mezghani wird am 12. Januar 60 Jahre alt. Foto: RN

Generell ist ihr die deutsche Minderheit sehr wichtig. „Ich gehöre zur Minderheit, und mir war es nie peinlich, Deutsch zu reden, wenn ich alte Bekannte aus der Schulzeit treffe. Ich stehe zu meiner Identität und meinen deutschen Wurzeln, und es ist mir unverständlich, warum andere das nicht tun. Ich habe nie damit hinterm Berg gehalten, dass ich Teil der deutschen Minderheit bin“, so Gisela Weber Mezghani.

Als sie die Apotheke in Norburg übernahm, gab es einige Kunden, die wegen ihrer deutschen Wurzeln nicht mehr bei ihr einkaufen wollten. „Aber das hat sich mit der Zeit gegeben, sie haben gemerkt, dass ich zuverlässig bin und es keinen Unterschied macht. Aber das hat gezeigt, wie fremd es doch für viele noch ist, dass es Mitbürger gibt, die einen deutschen Hintergrund haben.“

„Nur Vorteile, mit zwei Sprachen aufzuwachsen“

Für sie und ihre Eltern war es „selbstverständlich“, dass sie die deutschen Institutionen besucht und dass zu Hause Deutsch gesprochen wird. „Und das habe ich versucht, auch meinen Kindern mitzugeben. Für mich hatte und hat es immer nur Vorteile, mit zwei Sprachen aufzuwachsen.“

Ihren runden Geburtstag wird sie in diesen Shutdown-Zeiten sehr ruhig feiern. „Ich weiß noch nicht genau, was ich mache. Ich habe mir die ganze Woche freigenommen, und ich denke, ich werde zu Hause sein und jede Menge stricken und häkeln“, lacht Gisela Weber Mezghani.

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