Kriminalität

Sechs Jahre Haft für Mordversuch

Ilse Marie Jacobsen
Ilse Marie Jacobsen Journalistin
Sonderburg/Sønderborg
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Gericht Sonderburg
Im Sonderburger Gericht ist am Donnerstag der Schuldspruch gegen einen 64-Jährigen gefallen Foto: Ute Levisen

Er soll versucht haben, seinen Freund zu töten, am Donnerstag musste sich ein 64-Jähriger vor Gericht dafür verantworten – und erhielt sein Urteil.

Als am Donnerstag der Angeklagte wegen Mordversuchs an seinem Freund zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wurde, war es nicht der Angeklagte, der verzweifelt weinte. Es war das damalige Opfer. Kim Lasse Marchwitz blieb ganz ruhig. Er legte nach Urteilsverkündung aber Berufung beim Landesgericht ein.
Sein Freund hatte ihm verziehen – die beiden haben sich während der U-Haft im Gefängnis verlobt. Bei der Verhandlung legte Marchwitz ein volles Geständnis ab.

Spielsucht, Arbeitslosigkeit und daraus entstehende finanzielle Probleme hatten am 24. Oktober 2018 dazu geführt, dass er morgens mit einem Nudelholz seinen noch schlafenden Freund mehrfach auf die Schläfe geschlagen hatte. „Ich wollte ihn erst bewusstlos, dann totschlagen“, so Marchwitz, der eigentlich anschließend Selbstmord begehen wollte. Aber es kam ganz anders.

Sein verletzter Freund wehrte sich, flüchtete in die Küche, wurde dort an den Hals gegriffen und konnte dann fortlaufen – blutüberströmt in Unterhosen hinaus auf die Straße in Auenbüll. Der 64-Jährige schluckte 30 bis 40 Herztabletten, stieg in sein Auto, fuhr nach Ulderup und wollte von da aus die Polizei benachrichtigen. Als er aber eine Angestellte bei der Polizei am Telefon hatte, versagte seine Stimme – er legte auf. Er fuhr zurück nach Auenbüll. Dort stellte er sich der dort eingetroffenen Polizei.

„Hätte sagen sollen, dass ich ihn mit dem Geld betrogen habe"

Er musste bei seiner Aussage vor Gericht immer wieder eine Pause einlegen. „Aber ich hätte ihm einfach sagen sollen, dass ich ihn mit all dem Geld betrogen habe. Ich kann heute dafür keine Entschuldigung finden“, so der Angeklagte mit zitternder Stimme.

Laut Anklageschrift hat Marchwitz sich im Namen seines Freundes Darlehen für 110.000 Kronen bei neun verschiedenen Banken für sein krankhaftes Lotto-Spiel beschafft. Laut Anwalt des Opfers ist das aber nicht genug. Bislang ist die Summe der Darlehen auf 295.000 Kronen angestiegen.

Die beiden Männer sind seit fast 14 Jahren befreundet und wohnen seit sechs bis acht Jahren zusammen. „Und wir hatten eigentlich nie Diskrepanzen“, erklärte Marchwitz. Ob sein Freund nach dem Überfall mit dem Nudelholz blutete, wusste der Angeklagte nicht. An so manches konnte er sich nicht erinnern. Er hat nicht mit Wucht auf seinen Freund eingeschlagen, wie ein Arzt feststellte. Der 34-Jährige war zwar übel zugerichtet, aber nicht lebensgefährlich verletzt worden.

Wie Rechtsanwalt Jan Hansen feststellte, hatte der bis gestern nicht vorbestrafter Marchwitz einen Blackout. Laut persönlichem Gutachten befand der Angeklagte sich am 24. Oktober in „einer gewaltigen gefühlsmäßigen Situation“.

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