Meeresboden

Leichentuch Kleiner Belt: Kommunen schlagen erneut Alarm

Leichentuch Kleiner Belt: Kommunen schlagen erneut Alarm

Leichentuch Kleiner Belt: Kommunen schlagen erneut Alarm

Sonderburg/Sønderborg
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Die Tiervielfalt auf dem Meeresboden des Kleinen Belts ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Rund um diese Seespinne ist es einsam geworden. Foto: Morten Rasmussen/Biofoto/Ritzau Scanpix

Zehn Kommunen rund um den Kleinen Belt bitten Umweltministerin Lea Wermelin um Hilfe. Nicht nur der Öresund brauche staatliche Unterstützung, auch das Gewässer zwischen Sonderburg und Bøjden sei mittlerweile so gut wie tot.

Zehn Kommunen rund um den Kleinen Belt bitten Umweltministerin Lea Wermelin (Soz.) um Hilfe. Nicht nur der Öresund brauche staatliche Unterstützung, auch das Gewässer zwischen Sonderburg und Bøjden sei mittlerweile so gut wie tot.

Hilfe, unser Meer stirbt: Mit diesem Appell haben sich die Bürgermeister von zehn Kommunen an Umweltministerin Lea Wermelin (Soz.) gewandt. Es geht um das Leben in der Meeresenge und Ostseezugang Kleiner Belt (Lillebælt). Beziehungsweise das, was davon überhaupt noch übrig ist.

„Es muss mehr passieren“

Biologen sprechen mit Blick auf den Kleinen Belt mittlerweile offen von Zuständen, die an ein „Leichentuch“ erinnern. Keine neue Erkenntnis. Seit Jahren versuchen die Kommunen in Zusammenarbeit mit Vereinen und Privatleuten, Steinriffe und Unterwasserwiesen anzulegen, um die Biodiversität wieder anzukurbeln.

Doch nun bitten die Kommunen in einem Hilferuf um Unterstützung von staatlicher Seite. Warum, das führt Sonderburgs Bürgermeister Erik Lauritzen (Soz.) aus. „Es muss mehr passieren. Fischer und Biologen sprechen von einem Meer ohne Leben, und das müssen wir ändern. Je früher, desto besser“, so der Bürgermeister. „Das erfordert einen Einsatz, den Kommunen und Privatpersonen alleine nicht leisten können. Wir müssen den Staat min ins Boot holen.“

Ein Schnorchler im Kattegat. Der Meeresboden ist an dieser Stelle recht gut erhalten, im Gegensatz zum Meeresboden im Kleinen Belt. Foto: Lars Laursen/Biofoto/Ritzau Scanpix

Bereits im Frühjahr 2020 hatten sich die Kommunen ans Umweltministerium gewandt, um auf den Ernst der Lage aufmerksam zu machen. Im März 2020 beantwortete die Umweltministerin das Anschreiben mit den Worten, dass „man vor keiner leichten Aufgabe stehe, die notwendigen Verbesserungen für Umwelt und Natur vorzunehmen, und dass man alle Kräfte brauche, um ans Ziel zu kommen“.

Im Haushalt für 2021 sind 888 Millionen Kronen abgesetzt, um die Biodiversität in Dänemark zu verbessern, 10 Millionen Kronen fließen beispielsweise in ein Steinriff im Öresund. Für den Kleinen Belt jedoch ist keine Krone abgesetzt. Daher haben sich die Bürgermeister nun erneut an die Umweltministerin gewandt, nachdem sie kurz vor Weihnachten bei einem Treffen erneut eine Lagebesprechung abgehalten hatten.

Wir hätten gerne gesehen, dass der Staat sich dafür entscheidet, die kommunalen und privaten Initiativen zu unterstützen, die aktuell im Kleinen Belt vorgenommen werden. Vor allem, weil es Aufgabe des Staates ist, Verantwortung für unsere Küstengewässer zu übernehmen.

Erik Lauritzen, Bürgermeister

„Wir sind ärgerlich und stellen fest, dass keine Mittel für den schwer angeschlagenen Kleinen Belt abgesetzt worden sind. Wir haben den Eindruck, dass unsere Bitte um Hilfe und Zusammenarbeit nicht gehört worden ist“, schreiben die Kommunen.

„Wir hätten gerne gesehen, dass der Staat sich dafür entscheidet, die kommunalen und privaten Initiativen zu unterstützen, die aktuell im Kleinen Belt vorgenommen werden. Vor allem, weil es Aufgabe des Staates ist, Verantwortung für unsere Küstengewässer zu übernehmen“, sagt Bürgermeister Erik Lauritzen.

Durch extremen Sauerstoffmangel sei sowohl der Fischbestand auf ein Minimum geschrumpft, was Fischern und Tourismus gleichermaßen zusetze.

Über den Brief an die Umweltministerin hinaus haben die Kommunen beschlossen, dass ein Einsatzplan erarbeitet wird, dass die zukünftige Arbeit für einen lebendigeren Kleinen Belt skizziert. Außerdem soll die Zusammenarbeit mit dem Land Schleswig-Holstein und dem Umweltministerium verstärkt gesucht werden.

Über Bürgermeister Lauritzen hinaus haben folgende Bürgermeister den Brief an die Umweltministerin unterschrieben: Thomas Andresen, Apenrade (Aabenraa), Søren Steen Andersen, Assens, Hans Stavnsager, Faaborg-Midtfyn, Jacob Bjerregaard, Fredericia, Hans Peter Geil, Hadersleben (Haderslev), Jørn Pedersen, Kolding, Johannes Lundsfryd Jensen, Middelfart, Jens Ejner Christensen, Vejle, und Ole Wej Petersen, Ærø.

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