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Einsam? Dieser Verein hilft weiter

Einsam? Dieser Verein hilft weiter

Einsam? Dieser Verein hilft weiter

Sonderburg/Sønderborg
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Lea Falkenberg Andersen und Rasmus Bjerringgaard Jepsen beim Online-Interview Foto: Sara Wasmund/ Screenshot

Der Sonderburger Verein „Ventilen“ hilft jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren dabei, Anschluss zu finden. Wie das funktioniert, verraten zwei Ehrenamtler im Interview.

Alleine und einsam dabei – nicht nur seit der Corona-Krise gibt es Menschen, denen es an Gemeinschaft und Austausch fehlt. Der Verein „Ventilen“ ist eine Anlaufstelle für Jugendliche und junge Erwachsene, die Anschluss suchen. Auch in Sonderburg gibt es seit vielen Jahren eine lokale Abteilung. Die Kommune Sonderburg hat die Arbeit kürzlich mit 20.000 Kronen mit sogenannten §-18-Mitteln bezuschusst.

Lea Falkenberg Andersen und Rasmus Bjerringgaard Jepsen arbeiten als Ehrenamtliche am Alsensund (Alssund). Im Interview verraten sie, was ihre Aufgabe ist, und wie man kontaktscheue Menschen miteinander ins Gespräch bringt.

Ihr seid in Sonderburg sowas wie der Club der Einsamen. Was ist eure Aufgabe?

Rasmus Bjerringgaard Jepsen: „Wir wollen für junge Menschen eine Anlaufstelle sein, die einsam sind. Beispielsweise, weil sie soziale Herausforderungen haben. Denen es vielleicht wegen Mobbing-Erfahrungen schwerfällt, Kontakt zu anderen aufzunehmen und Freundschaften aufzubauen. Oder die in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen sind und nicht sonderlich ausgeprägte soziale Kompetenzen haben.

Alles in allem sind wir hauptsächlich für Menschen da, die sich einsam fühlen. Und das kann viele Gründe haben, und es muss nicht immer einen besonderen Grund haben.

Rasmus Bjerringgaard Jepsen, Ehrenamtlicher bei Ventilen

Auch Verhaltensstörungen können es erschweren, Kontakte zu anderen aufzubauen. Aber alles in allem sind wir hauptsächlich für Menschen da, die sich einsam fühlen. Und das kann viele Gründe haben, und es muss nicht immer einen besonderen Grund haben.“

Lea Falkenberg Andersen: „Wir sind ja kein Verein, der schwere Diagnosen behandelt. Wir wollen eine Plattform sein, über die Kontakte entstehen.“

Ein Spieleabend ist eine typische Aktion des Vereins Ventilen. Foto: Ventilen Sønderborg

Wie genau sieht eure Arbeit aus? Was bietet ihr an?

Rasmus Bjerringgaard Jepsen: „Bislang fand jeden zweiten Dienstag ein Treffen statt. In den vergangenen Wochen konnten diese nicht physisch stattfinden, sondern wir haben uns online getroffen. Da war die Teilnahme aber sehr gering. Beim letzten Treffen gab es über uns Mitarbeiter hinaus nur eine Person, die sich eingewählt hat. Normalerweise treffen wir uns im Sonderburger Jugendhaus Mejeriet, wo wir einen Raum nutzen. Wegen der Corona-Restriktionen haben wir uns zuletzt aber im Haus der Freiwilligen an der Perlegade getroffen, da war mehr Platz.“

Lea Falkenberg Andersen: „Sich online zu treffen, ist für manchen eine Herausforderung. Man ist immer sichtbar und man muss aktiv kommunizieren. Wenn man sich als Gruppe trifft, kann man einfach mal am Rande sein und nicht weiter auffallen. Das ist bei einem Online-Meeting schwer. Und nicht jeder hat vielleicht ein Zuhause, das er gerne vorzeigt oder in dem er die Ruhe hat, einem Online-Treffen beizuwohnen.“

Rasmus Bjerringgaard Jepsen: „Im Grunde ist es paradox: Es ist durch die digitalen Möglichkeiten nie leichter gewesen, sich online zu treffen. Und doch ist es für viele eine Barriere. Das kann nämlich sehr intensiv sein, sich auf dem Bildschirm zu sehen, sich nicht der Aufmerksamkeit entziehen zu können und quasi andere ins eigene Zuhause einzuladen, etwas von sich preiszugeben.“

Typisch Ventilen: Eis essen in Gemeinschaft Foto: Ventilen Sønderborg

Wie bringt man eine Gruppe eher kontaktscheuer Menschen dazu, sich einer Gruppe anzuschließen und miteinander ins Gespräch zu kommen? Ist das nicht an sich schon schwer?

Rasmus Bjerringgaard Jepsen: „Ja, das ist ein Code, den wir immer wieder versuchen zu knacken. Aber wir können motivieren und einladen. Wir bieten eine gute Zeit zusammen an. Zusammen Essen machen, spazieren gehen oder Spieleabende, das funktioniert immer gut. Jeder kann Mensch-ärgere-dich-nicht spielen. Das ist ein tolles Erlebnis, plötzlich mit anderen zusammen zu sein und Spaß zu haben.“

Lea Falkenberg Andersen: „Manche sind bei einem Treffen wirklich sehr still, aber es gibt auch Teilnehmer, die reden und reden und reden. Normalerweise entwickelt sich aber ein richtig guter Schnack, wenn die erste Beklommenheit weg ist.“

Warum engagiert ihr euch in eurer Freizeit für das Projekt Ventilen?

Lea Falkenberg Andersen: „Ich bin selbst relativ neu in der Stadt. Ich bin im Sommer 2020 wegen der Arbeit von Kopenhagen nach Sonderburg gezogen. Auch für mich war alles neu, und ich konnte das Gefühl, einsam zu sein und erst mal keinen Anschluss zu haben, gut nachvollziehen. Ein Freund von mir aus Kopenhagen hat mir gesagt, dass Ventilen auch eine Abteilung in Sonderburg hat. Und so habe ich mich als Mitarbeiterin gemeldet.“

Rasmus Bjerringgaard Jepsen: „Ich habe ebenfalls einen Freund, der mir von der Arbeit erzählt hat, und ich fand das Angebot richtig gut.“

Lea Falkenberg Andersen: „Ich würde sagen, als Freiwilliger hat man sicher auch eine Art sozialen Überschuss. Wir sind keine Pädagogen, aber wir sind da, als Freunde. Wir wollen als Rollenmodelle zeigen, dass es im Grunde einfach sein kann, zusammen zu sein.“

Ein Stück Kuchen, um erste Kontakte zu knüpfen Foto: Ventilen Sønderborg

Wenn die Corona-Restriktionen gelockert oder aufgehoben werden – was habt ihr geplant?

Rasmus Bjerringgaard Jepsen: „Im Sommer planen wir eine gemeinsame Sommertour, vom 22. bis zum 25. Juli. Das werden Ferientage in einem Pfadfinder-Haus auf Fünen. Jeder ist willkommen, sich einzuklinken. Ansonsten planen wir verschiedene Aktivitäten, und eventuell wird es auch jede Woche eine Veranstaltung, ein Treffen, geben.“

Wie spontan kann man sein, um an einem Treffen teilzunehmen?

Rasmus Bjerringgaard Jepsen: „Meistens beginnen unsere Treffen um 17 Uhr. Bislang in den geraden Wochen. Da kann man sich kurz vorher an uns wenden und dann einfach teilnehmen. Am besten kommt man mit uns über unseren Facebook-Auftritt oder über unsere Internetseite in Kontakt.“

ventilen.dk/soenderborg

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