Bente Sloth Møller

Künstlerin, Weltbürgerin und Wanderin zwischen den Welten

Künstlerin, Weltbürgerin und Wanderin zwischen den Welten

Künstlerin, Weltbürgerin und Wanderin zwischen den Welten

Augustenburg/Augustenborg
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Bente Sloth Møller
Bente Sloth Møller vor ihrer Installation „Brudeskoven“, die derzeit im Weißen Palais zu sehen ist. Foto: Lars Tholander

In der Frühjahrsausstellung in Augustiana zieht besonders eine Installation von Bente Sloth Møller die Blicke auf sich.

Unter den 52 Künstlern der Kunstkolonie Augustenburg, deren Werke derzeit in der Frühjahrsausstellung „Imagine Augustiana“ zu sehen sind, sticht eine Künstlerin besonders durch eine im besten Sinne des Wortes „schräge“ Installation hervor.

Bente Sloth Møller liebt Farben und bringt diese nicht nur mit dem Pinsel auf die Leinwand, sondern „malt“ z. B. auch mit Textilien, Garnen und Ästen, und experimentiert mit künstlerischen Ausdrucksformen, die für den Betrachter zunächst eine Herausforderung sein können – bis der Knoten platzt und sich der Blick in eine wundersame Welt eröffnet.

Den Pinsel nahm die gebürtige, 1950 geborene Sonderburgerin erst so richtig in die Hand, als sie 2014 ihr eigenes kleines Atelier im Kunstværket im früheren Rathaus bezog, wo mittlerweile eine ganze Künstlerkolonie mit insgesamt 61 Künstlern entstanden ist.

Bente Sloth Møller
Bente Sloth Møllers Bilder sind wahre Farbexplosionen – von Mexiko inspiriert. Foto: Bettina Oesten

In der Welt zu Hause

Davor lagen Jahrzehnte, in denen sie zunächst Literatur studierte, an verschiedenen Schulen unterrichtete, die Welt bereiste, in Mexiko die Liebe ihres Lebens fand, mit ihm drei Kinder bekam und in einer einsamen Bergwerksstadt, Real de Catorce, die früher wegen ihres Silberreichtums große Bedeutung hatte, sieben Jahre lang ihrem Pioniergeist nachging und die spirituelle und kunsthandwerkliche Tradition der Huichol-Indianer mit allen Sinnen in sich aufsog.

Sie ist in der Welt zu Hause, sagt sie. Am wohlsten fühlt sie sich, wenn sie unterwegs ist, Altvertrautes wiedersieht und Neues entdecken kann. Mit den Jahren ist bei ihr aber auch das Bedürfnis gewachsen, sesshafter zu werden und eine feste Basis zu haben. Die hat sie gefunden – in Sonderburg, wo sie eine Wohnung hat, und in Augustenburg, wo sie mit vielen Künstlern unter einem Dach arbeitet.

Imagine Augustiana

Die Ausstellung „Imagine Augustiana“ im Weißen Palais wurde nach einer rekordverdächtigen Besucherzahl über Ostern jetzt verlängert und läuft noch bis zum 10. Juni.
Ab 11. Mai bis 23. Juni sind einige Bildwerke der Künstlerin in der Roten Scheune in Gravenstein („KiG“) im Rahmen einer Ausstellung des Flensborg Fjords Kunst & Kulturforening zu sehen.

Mexikanischer Einfluss

Unverkennbar ist der Einfluss, den die Zeit in dem entlegenen mexikanischen Bergdorf, in dem ihre älteste Tochter heute ein Hotel betreibt, auf sie und ihre Kunst gehabt hat: Sie trägt ausschließlich den wegen seiner Perlenstickerei berühmten Huichol-Schmuck, in ihrem Atelier-Regal stehen Fotobände über Mexiko, und ihre Bilder enthalten die gesamte farbliche und figürliche Strahlkraft des mittelamerikanischen Landes, möchte man meinen. Aber nein, ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Natürlich haben die Jahre in Mexiko sie nachhaltig geprägt, so die Künstlerin, die, wenn die Zeit es erlaubt, alle ein bis zwei Jahre über den Atlantik fliegt, um ihre Tochter und alte Weggefährten zu besuchen und für kurze Zeit wieder in ihre zweite Heimat einzutauchen.

Bentes Werkstatt im „Kunstværket“ Foto: Bettina Oesten

Hommage an die weibliche Kreativität

Die Inspiration zu ihren Werken holt sie aber auch in der nordischen und ethnischen Kunst. Und so vereinen sich – leuchtend und farbenfroh bis knallig bunt – in ihren Bildern häufig Formen und Farben zu Fantasiegebilden aus völlig entgegengesetzten Welten.

Ihre Installation „Brudeskoven“, die derzeit in Augustiana viele wohl zunächst erstaunte Blicke auf sich ziehen dürfte, ist eine Hommage an die weibliche Kreativität. An dicken Ästen befestigte Fetzen eines Brautkleides, Gürtel, Knöpfe, Federn, Tücher, Tüll und Garne in vielen Farben und Texturen, fordern den Besucher dazu auf, sich ganz der Fantasie hinzugeben, und so bleibt es jedem selbst überlassen, was er oder sie in dem „Brautwald“ zu erkennen meint. Nur so viel sei verraten: Unter den Waldbewohnern befinden sich mit Sicherheit ein Massai, ein Inder und ein Chinese.

Wer sie erkennt, darf sich rühmen, einen besonders scharfen Blick zu haben. Na dann, auf nach Augustenburg und Augustiana.

Bente Sloth Møller
Bente Sloth Møller Foto: Lars Tholander
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