Geschichte

Wissenschaftlicher Austausch über Minderheitenforschung

Wissenschaftlicher Austausch über Minderheitenforschung

Wissenschaftlicher Austausch über Minderheitenforschung

Sonderburg/Sønderborg
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Das Deutsche Museum Sonderburg gibt Einblick in die Geschichte der deutschen Minderheit in Dänemark. Im Museum ist auch das Archiv der deutschen Nordschleswiger untergebracht. Foto: Volker Heesch

Das Institut für Grenzregionsforschung „CBRS“ der Süddänischen Universität (SDU) in Sonderburg veranstaltete ein digitales Netzwerktreffen. Forschende stellten aktuelle Projekte vor: Minderheiten werden nicht mehr als homogene Gesellschaften aufgefasst.

Am Freitag haben sich Forschende und Beschäftigte aus Archiven, Museen und Forschungseinrichtungen auf Einladung des Instituts für Grenzregionsforschung der Süddänischen Universität in Sonderburg, „Center for Border Region Studies“ (CBRS) im Rahmen eines digitalen Netzwerktreffens unter anderem über den aktuellen Stand der Minderheitenforschung in der deutsch-dänischen Grenzregion ausgetauscht. Die digitale Veranstaltung fand in einer Zeit statt, in der viele im Rahmen der Jubiläen der Volksabstimmungen und Grenzziehung geplante Konferenzen angesichts der Corona-Pandemie abgesagt worden sind.

Wissenschaft trotzt Pandemie

Die seit Herbst 2020 am Institut für Grenzregionsforschung als Wissenschaftlerin tätige Caroline Weber berichtete nach der Digitalveranstaltung über einen lebhaften Austausch unter Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Treffens. Die Mitarbeiter des CBRS in Sonderburg, Prof. Steen Bo Frandsen und Prof. Martin Klatt berichteten über neue Trends in der Minderheitenforschung. So wiesen sie darauf hin, dass Minderheiten inzwischen nicht mehr als „homogene Gesellschaften mit isolierter Geschichte“ aufgefasst werden, so Caroline Weber.

Erinnerungsorte

Vorgestellt wurden die aktuellen Projekte zur deutschen Minderheit: Jon Thulstrups Dissertation am Historischen Seminar der SDU in Odense über die Bedeutung des Nationalsozialismus für vier Generationen innerhalb der Minderheit und Dr. Caroline Webers Projekt zur Region Sønderjylland/Nordschleswig als Erinnerungsraum. Sie konzentriert sich dabei auf Erinnerungsorte der deutschen Minderheit auch in Wechselwirkung zur Mehrheitsbevölkerung. Vorgestellt wurden auch Dissertationen zu den Minderheiten in der Grenzregion am „European Center for Minority Issues“ (ECMI) und in der Dänischen Zentralbibliothek in Flensburg, an denen Sonja Wolf und Klaus Tolstrup Petersen arbeiten. Vom ECMI nahmen auch Sergiusz Bober und der Direktor der international ausgerichteten Einrichtung, Vello Pettai, an der Online-Veranstaltung teil, ebenso Thomas Wegener Friis von der SDU Odense.

Diese Personen waren beim Netzwerktreffen dabei: (v. links) Thomas Wegener Friis (SDU Odense), die Organisatoren Caroline E. Weber, Martin Klatt und Steen Bo Frandsen (CBRS), Hans Schultz Hansen (Rigsarkivet), Jon Thulstrup und Ryan Gesme (SDU Odense), Mogens Rostgaard Nissen (DCBIB), Hauke Grella (Deutsches Museum Nordschleswig), Christoph Schmidt (Nordfriisk Instituut), Helen Christiansen (Minderheiten-Kompetenz-Netzwerk), Sergiusz Bober (ECMI), Klaus Tolstrup Petersen (DCBIB), Sonja Wolf und Vello Pettai (ECMI). Foto: SDU Sonderburg

Wichtige Funktion der Archive

Der Direktor des Nordfriisk Instituuts in Bredstedt, Christoph Schmid, ging darauf ein, dass die friesische Minderheit oft gegenüber dem deutsch-dänischen Narrativ übersehen werde. Der Leiter des Staatsarchivs in Apenrade (Aabenraa), Hans Schultz Hansen, unterstrich die Bedeutung offener Archive sowohl für Grundlagenforschung, wie sie nach wie vor in seinem Haus geleistet wird, als auch für neue Projekte für Qualifikationsschriften. Derzeit verbringen der Gastdoktorand der University of Tennessee, Ryan Gesme, und Jon Thulstrup ihr Forschungssemester in Apenrade. Hauke Grella von Deutschen Museum Nordschleswig in Sonderburg wies wie Mogens Rostgaard Nissen von der Dänischen Zentralbibliothek in Flensburg auf die Notwendigkeit hin, digitale Zugriffsmöglichkeiten auf die Archivalien zu schaffen, was aber auch mit Herausforderungen verbunden sei.

Neues Kompetenz-Netzwerk

Thema war ebenfalls der Umzug des Archivs der deutschen Minderheit von Apenrade ins Deutsche Museum Nordschleswig in Sonderburg. Ab 1. April wird dort als Nachfolgerin von Frank Lubowitz, der in den Ruhestand gegangen ist, Nina Jebsen als Nachfolgerin die Archivarbeit leiten. Während des Netzwerktreffens wurde über den Ausbau der Online-Kommunikation unter den Wissenschaftlern angesichts der fortbestehenden Corona-Einschränkungen diskutiert. Im Sommer 2021 sind weitere Tagungen und Sommeruniversitäten zu Minderheitenfragen in Planung. Besonders freute es die Organisatoren des Treffens, dass Helen Christiansen vom neuen Minderheiten-Kompetenz-Netzwerk Schleswig-Holstein/Süddänemark eingangs die neue, vom Land Schleswig-Holstein geförderte Institution vorstellte. Sie lud zudem ein Vorstandsmitglied des Landesverbandes der Deutschen Sinti und Roma, Rolf Schlotter ein, der sich am Ende der Veranstaltung als Gast dazuschaltete.

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