Nordschleswig

Debatte um zweisprachige Ortsschilder erneut entfacht

Debatte um zweisprachige Ortsschilder erneut entfacht

Debatte um zweisprachige Ortsschilder erneut entfacht

Kerrin Jens und Dominik Dose
Nordschleswig
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Laut einer Umfrage von Danmarks Radio stimmen 43,55 Prozent der befragten Stadtratspolitiker in Nordschleswig für zweisprachige Ortsschilder. Foto: Ute Levisen

Dass Venstre die langjährige Diskussion um zweisprachige Ortsschilder in Hadersleben auf die politische Tagesordnung setzt, könnte ein Anlass sein, dies auch in den anderen Kommunen zu tun.

Der Fraktionschef von Venstre im Haderslebener Stadtrat, Allan Emiliussen, betonte am Dienstag, die Zeit für eine erneute Diskussion über zweisprachige Ortsschilder sei zum 100. Jahrestag der Volksabstimmung (dän. genforeningen) gekommen. Womöglich bereits auf dessen Aprilsitzung werden die Politiker die Chance haben, Farbe zu bekennen.

Vor fünf Jahren war eine entsprechende Abstimmung im Rat, es auf einen Versuch mit zweisprachigen Ortsschildern in Hadersleben ankommen zu lassen, knapp gescheitert. Auch heute, eine halbe Dekade später, ist der Ausgang einer Abstimmung ungewiss – obgleich sich in der Zwischenzeit einiges getan hat.

Umfrage von DR: Keine klare Position

Danmarks Radio hat bereits jetzt 124 Stadtratsmitglieder in den Kommunen Apenrade, Hadersleben, Tondern und Sonderburg gefragt, ob sie für oder gegen deutschsprachige Ortsschilder sind. In der Umfrage stehen 43,55 Prozent der Politiker den zweisprachigen Ortsschildern positiv gegenüber, 41,94 Prozent negativ und 14,52 Prozent gaben weder dafür noch dagegen an.

Hadersleben könnte Vorbild sein

Auch Sonderburgs Vizebürgermeister und Vertreter der Schleswigschen Partei (SP) im Sonderburger Stadtrat, Stephan Kleinschmidt, hat an der DR-Umfrage teilgenommen und dafür gestimmt. Der Politiker denkt allerdings, dass es in Sonderburg im Stadtrat nicht in unmittelbarer Zeit zu einer Abstimmung über die zweisprachigen Ortsschilder wie in Hadersleben kommen wird.

Die Städte werden nicht deutscher oder weniger dänisch, wenn auf dem Ortsschild unter Sønderborg Sonderburg steht.

Stephan Kleinschmidt, Stadtratsmitglied

„Es braucht einen Anlass, damit das Thema überhaupt im Stadtrat wieder aufgenommen wird“, so das Stadtratsmitglied. „Ein solcher Anlass könnte eine positive Abstimmung in Hadersleben sein“, ergänzt er.

Seiner Meinung nach ist die Zeit reif für zweisprachige Ortsschilder. „Die Städte werden nicht deutscher oder weniger dänisch, wenn auf dem Ortsschild unter Sønderborg Sonderburg steht“, findet Kleinschmidt. Er ist der Meinung, dass zu dem Thema noch mehr Aufklärungsarbeit betrieben werden muss.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Dass die Debatte um die Ortsschilder generell wieder Fahrt aufgenommen hat, freut den Hauptvorsitzenden des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen: „Es ist schön, dass durch den Bericht des Europarates wieder Schwung in die Sache gekommen ist. Ich glaube auch, dass der Zeitpunkt gut ist. Wir haben ein deutsch-dänisches Freundschaftsjahr, feiern gemeinsam den 100. Grenzlandgeburstag und wollen gemeinsam Unesco-Kulturerbe werden. Wenn nichts jetzt, wann dann?“, so Jürgensen.

Es geht nicht um ein Für und ein Gegen, sondern darum, sichtbar zu machen, dass wir hier etwas ganz Besonderes sind – und dies auch nach außen hin zu vermarkten.

Hinrich Jürgensen, BDN-Hauptvorsitzender

Der BDN-Hauptvorsitzende kritisiert vor allem den Blickwinkel, mit dem die Debatte von manchen betrachtet wird. „Manche gucken immer nur auf das Negative. Sie meinen, 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sei viel zu früh für deutsche Ortsnamen in Nordschleswig. Ich habe größten Respekt vor den Gefühlen der Leute, aber ich denke, wir sollten endlich das Positive hervorheben. Hier im Grenzland hat es schon immer zwei Kulturen gegeben. Es geht nicht um ein Für und ein Gegen, sondern darum, sichtbar zu machen, dass wir hier etwas ganz Besonderes sind – und dies auch nach außen hin zu vermarkten.“

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Mutiges Museum“