Leitartikel

„Mit Vernunft feiern“

Mit Vernunft feiern

Mit Vernunft feiern

Nordschleswig/Sønderjylland
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Es werden bereits Großveranstaltungen, die erst 2021 stattfinden, wegen der Corona-Gefahr abgesagt. Auch die deutsche Minderheit bereitet sich auf coronagerechte Traditionsveranstaltungen vor. Das ist vernünftig, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Wer hätte das gedacht? Die Corona-Pandemie sollte eigentlich nur schnell überstanden werden, und dann wollten wir alle wieder zu einem normalen Alltag zurück. Doch nach einem verkorksten 2020 wirft das Coronavirus jetzt schon seinen Schatten auf das kommende Jahr.

Großveranstaltungen wie das Pfadfinderlager mit 11.000 Kindern und Jugendlichen ist auf 2022 verlegt worden, und das Gleiche gilt für das große Volkssportfest des Breitensportverbandes DGI. Am „Landsstævne“ nehmen bis zu 40.000 Sportler teil.

Auch die deutsche Minderheit ist betroffen und trifft ihre Vorkehrungen. So hat der Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger diese Woche beschlossen, die traditionellen Großveranstaltungen der Minderheit begrenzt und coronagerecht durchzuführen.

Die Entscheidungen sind gewiss nicht leicht, denn viele Veranstaltungen in der Minderheit sind mit Traditionen und somit mit Gefühlen verbunden – zum Beispiel die Absage des Knivsbergfestes und die Feier zum 100-jährigen Bestehen der deutschen Minderheit.

Darüber hinaus mussten auch der Kongress der europäischen Minderheiten-Jugend (JEV) und nun das Treffen der parteiübergreifenden Zusammenarbeit in Europa, EFA, abgesagt werden, während der Eurovision Song Contest der Minderheiten (LIET) zunächst auf 2021 verschoben worden ist.

Im Jubiläumsjahr – der Bund Deutscher Nordschleswiger wird auch 75 Jahre– auch noch den Deutschen Tag absagen zu müssen, das wäre dann doch zu schmerzhaft gewesen. Daher hat sich der Hauptvorstand für eine begrenzte Feier im „kleinen“ Kreis entschlossen. 300 sollen in die Sporthalle gelassen werden – erlaubt sind derzeit 500 Gäste im Sitzen.

Dabei waren gerade in diesem Jahr noch mehr Gäste erwartet worden, zumal neben dem Jubiläum auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther die Festrede halten wird. Die Vernunft hat gesiegt: Der BDN will weder experimentieren, noch an die Grenzen des Zugelassenen gehen – und das ist vernünftig so.

Auch die traditionelle Neujahrstagung in Sankelmark ist auf einen Tag reduziert worden und findet nun auf dem Knivsberg statt. Doch wie geht es nächstes Jahr weiter, fragt man sich schon?

Wer mit großem Vorlauf und riesigen Budgets arbeitet, muss zum Teil schon jetzt absagen oder einen Plan B in der Tasche haben. Normalerweise wird aus den meisten unserer Befürchtungen nichts, und wir machen uns unnötig Sorgen. Das ist dem Coronavirus allerdings egal: Der Einfluss auf Alltag und Festtage ist immens.

Wenn wir 2021 überhaupt zu etwas Normalität zurückkehren wollen, geht das nur durch einen gemeinsamen Einsatz. Das heißt, Maßnahmen und Anweisungen (wieder) einhalten. Ansonsten drohen weitere Maßnahmen, die uns alle um Monate zurückwerfen. Und ganz ehrlich: Einen neuen Shutdown wünscht sich wirklich niemand.

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