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Grenzöffnung: Segelbranche fühlt sich vergessen

Grenzöffnung: Segelbranche fühlt sich vergessen

Grenzöffnung: Segelbranche fühlt sich vergessen

Apenrade/Aabenraa
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Noch ist nicht klar, ob dänische Häfen bald wieder voll mit deutschen Seglern sein werden. Foto: Annegret Hilse/Reuters/Ritzau Scanpix

Noch ist unklar, ob die am Freitag angekündigte Grenzöffnung auch für ausländische Segler gilt. Ein Yachthafen-Betreiber aus Nordschleswig hat zumindest die Hoffnung - und auch jüngste Aussagen der dänischen Polizei geben Grund zu Optimismus.

Ausländische Touristen, die mindestens sechs Übernachtungen in einem Sommerhaus, auf einem Campingplatz oder in einem Hotel buchen, dürfen ab dem 15. Juni wieder nach Dänemark einreisen.

Das hat die dänische Regierung am Freitag auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben.

Keine explizite Erwähnung fand hingegen abermals die Segelbranche.

Hafenbetreiber ist zuversichtlich

Hans Lindum Møller, Inhaber des Yachthafens Marina Minde in Egernsund, hat dennoch Hoffnung, dass auch er ab dem 15. Juni wieder deutsche Segler an seinen Stegen sehen wird.

„Wir wurden wieder einmal vergessen. Ich glaube, uns fehlt einfach die Lobby, wir werden nicht als wichtig genug empfunden. Trotzdem glaube ich, dass wir, auch wenn wir nicht direkt erwähnt wurden, ab Mitte Juni wieder deutsche Segler empfangen können“, sagt der Hafenbetreiber.

Er geht zumindest davon aus, dass dann die deutschen Bootsbesitzer, die einen dauerhaften Liegeplatz in seinem Hafen haben, wieder ohne Probleme einreisen können.

„Wir werden nach Pfingsten direkt nachfragen, was nun für uns genau gilt.“

Bei den Ferienseglern rechnet er damit, dass für sie das Gleiche gilt, wie bei den Sommerhäusern und Campingplätzen. „Vermutlich wird nur derjenige kommen dürfen, der mindestens für sechs Tage einen Liegeplatz in unserem Hafen bucht und dann einen Buchungsnachweis von uns bekommt“, so der Hafenbetreiber.

Deutscher Segler ist enttäuscht

Einer derjenigen, der mit seiner Familie die Ferien auf dem Segelboot in Dänemark verbringen möchte, ist der Glücksburger Lars Vonderbank. Darüber, dass er für sechs Tage einen Liegeplatz in einem einzigen Hafen buchen soll, kann er nur den Kopf schütteln. „Warum sollten wir sechs Tage in einem Hafen bleiben wollen, das ergibt ja gar keinen Sinn, das macht doch niemand“, so Vonderbank.

Von der dänischen Regierung ist er enttäuscht: „Da wurde sich einfach keine richtige Lösung überlegt. Auf mich macht es den Eindruck, dass man nur schnell die Sommerhausbesitzer und Hotelbetreiber zufriedenstellen wollte, sich aber nicht wirklich Gedanken gemacht hat.“

Die Hoffnung, dass die Regierung zeitnah beim Thema Segler nochmal nachjustiert, ist bei dem Glücksburger nur sehr gering. „Es ist sehr schade, aber wir werden uns jetzt wohl einen Plan B überlegen.“

Hans Lindum Møller hat trotz aller Widrigkeiten auch Verständnis für die Behörden. „Sie sind sehr vorsichtig – und das kann ich auch verstehen. Es geht um die Gesundheit und die Sicherheit von uns allen.

Dennoch hätte er sich gewünscht, dass die Behörden bei den Yachthäfen schon früher einmal genauer hingeschaut hätten. „Wir haben viel Platz im Hafen, wir haben viel Platz auf dem Wasser und wir haben viel Platz auf den Stegen. Es ist gar kein Problem, sich hier aus dem Weg zu gehen“, so Lindum Møller.

Dazu, ob die Grenzöffnung ab dem 15. Juni tatsächlich auch für deutsche Segler gilt, gibt es vonseiten der dänischen Behörden derzeit noch keine Stellungnahme.

Positive Auskunft von der Polizei

Segler Holger Paasch aus Buxtehude hat dagegen eine positive Rückmeldung bekommen, als er am Sonnabend bei der Corona Hotline der dänischen Polizei anrief. Auf die Frage, ob er sein Segelboot, das in Marina Minde in Egernsund liegt, ab dem 15. Juni nutzen dürfe, wurde ihm gesagt, dass dies der Fall sei, sofern er ein entsprechendes Dokument vorweisen könne.

„Ich habe einen Vertrag von April bis Oktober“, so Holger Paasch gegenüber der Polizei, die daraufhin nach mehreren internen Nachfragen mit "Kein Problem, dann kannst du kommen" überraschend deutlich antwortete.

Artikel am 1.6.2020 um 13.50 Uhr durch Hinzufügen der letzten beiden Textabschnitte aktualisiert.

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