Musik

Herausragendes Violinspiel in Apenrade

Herausragendes Violinspiel in Apenrade

Herausragendes Violinspiel in Apenrade

Jens Uwe Jessen
Apenrade/Aabenraa
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Jorma Panula und Cosima Soulez Larivière
Cosima Soulez Larivière und Jorma Panula Foto: Sønderjyllands Symfoniorkester

Der Finne Jorma Panula hat mit dem Sønderjyllands Symfoniorkester die junge Cosima Soulez Larivière als Solistin in Beethovens Violinkonzert in Szene gesetzt. Für uns war Jens Uwe Jessen da – und zeigt sich beeindruckt vom Abend in der Sønderjyllandshalle.

Herausragendes Violinspiel und in vielen Nuancen schillernden Orchesterklang konnte man am Donnerstagabend im Apenrader Musik- og Teaterhuset in hohem Maße genießen. In diesem Jahr hatte das Sønderjyllands Symfoniorkester, Partner des Joseph Joachim Violinwettbewerbs Hannover, die vorjährige Preisträgerin Cosima Soulez Larivière als Solistin in Beethovens Violinkonzert eingeladen.

Unter der Leitung des finnischen Dirigenten Jorma Panula fand das Konzert ausschließlich in Apenrade statt. Schon die einleitende Ouvertüre zu Glucks Oper „Iphigenie in Aulis“ war ein ganz besonderer Genuss. Bereits bei ihrer Erstaufführung verlangte das Publikum, gefangen von ihrer überwältigenden Dramatik, eine Wiederholung. Die Hauptakteure und Geschehnisse der antiken Tragödie finden in Glucks Musik greifbaren Ausdruck.

So konnte man sich beim in aller Strenge gespielten Unisono die Forderung des Heeres, Iphigenie der Göttin zu opfern, lebhaft vorstellen. Die Oboen erweckten mit ihren sforzatobetonten Halbtonschritten die Vorstellung der qualvollen väterlichen Empfindungen Agamemnons. Aber auch das anmutige Bild Iphigenies brachten Streicher und Flöte in seiner ganzen Schönheit zum Ausdruck.

Die Darbietung von Beethovens Violinkonzert mit der jungen Geigerin Cosima Soulez Larivière war eindeutig Höhepunkt des Abends. Andachtsvolle Stille, als sie nach dem ausgedehnten Orchestervorspiel mit Oktavsprüngen zur Wiedergabe des Hauptthemas in hoher Lage ansetzte.

Mit zartesten Tönen in den Höhen und sattem Spiel auf der G-Saite entzückte sie die Hörer während der unterschiedlichen Passagen des Kopfsatzes. Betörend dann die Solokadenz, bei der sie mit Doppelgriffen die zwei Themen des Satzes kombinierte und eine unglaublich leichte Geläufigkeit darbot. Große Ruhe strahlte das darauf folgende Larghetto aus, bei dem die Solovioline ungemein wohlklingend mit den Hörnern oder den Pizzicati des Orchesters Zwiesprache hielt.

Mit Bravour meisterten Orchester und Solistin das sich ohne Zäsur anschließende lebhafte Rondo-Finale. Noch einmal bestach die Solistin durch Eleganz und Einfühlsamkeit ihres Spiels und eine weitere virtuos beherrschte Kadenz mit höchst geläufigem Rankenwerk und abenteuerlichen Doppelgriffen. Der Beifall war überwältigend, besonders nachdem die Violinistin sich mit einer Zugabe verabschiedete.

Der zweite Konzertteil war Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ vorbehalten. Ursprünglich vom Komponisten als Klavierzyklus geschaffen, erklang das Werk in der meisterhaften Orchestrierung Maurice Ravels.

Mit einem einleitenden Trompetensolo als Auslöser konnte der Hörer seine Promenade durch die Bilderwelt Victor Hartmanns antreten. Zuerst begegnete man dem ungestümen Zwerg Gnomus, dessen schleichendes Wesen und wilde Sprünge unter Einbezug von Tuba und Celesta vorbildlich zutage traten.

Wunderbar wehmütig ließ der Saxofonist des Orchesters über dem Orgelpunkt von Streichern und Fagotten den Gesang eines Troubadours vor dem alten Schloss erklingen. Anschließend war zu hören, wie sich die spielenden Kinder im Pariser Tuilerie-Garten austobten. Herrlich dann das Tubasolo, mit dem das Näherkommen, Vorbeifahren und Wiederverschwinden des polnischen Ochsenwagens Bydlo beinahe sichtbar wurde.

Großes Entzücken rief der hinreißend gespielte muntere Tanz der Küchlein in ihren Eierschalen hervor. Die Erscheinung des kläglich bettelnden Juden Schmuyle im Dialog mit dem reichen und selbstgefälligen Samuel Goldenberg wurde vom Solotrompeter durch Einsatz des Blechdämpfers ausgeprägt klar umrissen. Eindrucksvoll war auch die Musik zum vorletzten Bild.

In turbulentem Orchestertutti wurde der Ritt der Hütte auf Hühnerkrallen, Domizil der polnischen Hexe Baba Yaga, verlebendigt. Zum Abschluss zelebrierten die Sinfoniker dann in voller Besetzung mit Glocken, Tamtam und Becken majestätisch eine Hymne auf das Große Tor von Kiew. Wunderschön geblasen der choralartige Holzbläsersatz im Mittelteil und überraschend der Einbezug des Promenadenthemas in die feierlichen Blechbläserklänge zum Lobe der russischen Nation.

Ohne große Armbewegungen inspirierte der durch sein Wirken weithin bewährte Dirigent Jorma Panula das Orchester zu feinfühligem Ausmalen der weitgefächerten musikalischen Details.

Ein anhaltender Applaus honorierte seine ausgereifte Interpretation der vorgetragenen Werke. Ein Abend wie dieser machte dem Sønderjyllands Symfoniorkester alle Ehre.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Die spinnen die Politiker“