Sønderjyllands Simfoniorkester

Beim Neujahrskonzert war nicht alles wie immer

Beim Neujahrskonzert war nicht alles wie immer

Beim Neujahrskonzert war nicht alles wie immer

Jens Uwe Jessen
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Sønderjyllands Symfoniorkester
Das Sønderjyllands Symfoniorkester in Aktion (Archivbild) Foto: Sønderjyllands Symfoniorkester

Von wegen „Business as usual“: Dirigent Ari Rasilainen hat das erste Konzert des Jahres der nordschleswigschen Symphoniker ordentlich umgekrämpelt. Ein gelungener Abend – dem jedoch ein wenig das Amüsement früherer Jahre fehlte, berichtet Jens Uwe Jessen.

Mit Silvesterhüten scherzhaft bekleidet, hatten die Musikerinnen und Musiker des Sønderjyllands Symfoniorkesters am Freitagabend auf dem Podium des mit viel Flitter ausgeschmückten Apenrader Musik- og Teaterhuset zur dritten Aufführung ihres jährlichen Neujahrkonzerts ihre Plätze eingenommen. Wie in den vergangenen Jahren war der Saal beinahe bis auf den letzten Platz von einem erwartungsvollen Publikum gefüllt.

Die musikalische Leitung hatte in diesem Jahr der finnische Dirigent Ari Rasilainen, und wie gewohnt waren auch zwei Gesangssolisten engagiert: die schwedische Sopranistin Gitta-Maria Sjöberg und der dänische Tenor Niels Jørgen Riis.

Italienische Arien

Anders als in den Vorjahren beinhaltete das Programm einige inhaltsschwere Arien der großen italienischen Oper. Hingegen startete die Programmfolge urwienerisch mit der Ouvertüre zur Operette Wiener Blut, gefolgt von dem klangvollen Duett des 2. Akts „Das Eine kann ich nicht verzeihen“ mit dem Refrain „Wiener Blut! Wiener Blut! Eigner Saft, voller Kraft, voller Glut!“

Mit ihrem ersten Opernbeitrag ließ sich Gitta-Maria Sjöberg mit Amalias Szene und Arie „Ecco l´orrido campo/ Ma dall´ arrido stelo“ auf der nächtlichen Suche nach einem Kraut gegen ihre Liebe zu Ricardo aus Verdis „Ein Maskenball“ hören. Blankes Entsetzen beim Auftauchen eines Gespenstes sprach aus ihrer souveränen sängerischen Gestaltung.

Niels Jørgen Riis hatte seinen ersten großen Auftritt mit der Arie des Nemorino „Una furtiva lagrima“ aus Donizettis Oper Der Liebestrank. Strahlende Tenorhöhen waren Ausdruck seiner Freude über die Wirkung eines Liebestranks, der seine ihn vorher verschmähende Adina zu Zuneigung und Tränen rührt.

Große Stimme und wohlgewählte Gesten

Ein zweiter hochdramatischer Beitrag Niels Jørgen Riis´ war die Arie „E lucevan le stelle“ des Mario Cavadossi aus Puccinis Tosca vor dessen Hinrichtung. Mit großer Stimme und wohlgewählten Gesten gab Riis dessen Abschiedsgefühlen Ausdruck. Innere Ruhe prägte Gitta-Maria Sjöbergs zweiten Opernbeitrag, das „Lied an den Mond“ aus Dvóřáks Rusalka, eine inständige Bitte an das nächtliche Gestirn, die Gedanken ihres geliebten Prinzen auf sich zu lenken.

Inbegriff eines Neujahrskonzerts sind natürlich Kompositionen der Strauss-Dynastie. So waren Stücke von Johann Strauss Sohn denn auch reichlich vertreten: Vergnügen bereiteten sein „Ägyptischer Marsch“ mit orientalischen Anklängen und pseudo-arabisch gefärbten Gesangseinlagen der Orchestermusiker und sein kunstvoll instrumentierter von Stimmungsschwankungen geprägter und leise verhallender „Russischer Marsch“.

Mit vollendeter Leichtigkeit präsentierte das Orchester im weiteren Verlauf Strauss´ „Tritsch-Tratsch-Polka“ – ein überaus gelungener Höhepunkt! Selbstverständlich durften auch Stücke von H.C. Lumbye nicht fehlen. Bei seinem „Kanon Galop“ hatte die Große Trommel ihre Sternstunde. Sein Glanzstück, den „Champagne Galop“ hatte man mit zugehörigen Scherzen freilich für den Schluss des Konzerts aufgespart.

Mit einem Glas Champagner in der Hand

Gegen Ende des zweiten Konzertteils ließen sich auch die Gesangssolisten noch einmal hören. Niels Jørgen Riis brillierte stimmlich und schauspielerisch mit Lehars „Dein ist mein ganzes Herz“ aus der Operette Das Land des Lächelns. Perfekt sein kraftvolles, in strahlender Höhe gesungenes „dein“! Gut „angesäuselt“, mit einem Glas Champagner in der Hand, torkelte Gitta-Maria Sjöberg in den Saal, um weinselig Johann Strauss´ Schwipslied aus der Operette „Eine Nacht in Venedig“ in Szene zu setzen, bevor sie und Niels Jørgen Riis im Duett Verdis Brindisi – Trinklied – aus der Oper La Traviata darboten.

Trotz vielseitigen faszinierenden Orchesterspiels und Gesang bot das diesjährige Neujahrskonzert nicht ganz das Amüsement früherer Konzerte. Manchem fehlte der traditionelle, dem Publikum zugedachte „Prost Neujahr“- Zuruf, und mit Sicherheit hatten viele als Zugabe den Radetzky-Marsch erwartet.

An seiner Stelle erklang als Abschluss, ausgelassen gespielt, Lumbyes Champagne-Galop mit seiner charmant ausgeführten Glockenspiel-Passage, nach liebgewonnener Gewohnheit begleitet von fliegenden Sektkorken und herabrieselndem Flitter zur festlichen Begrüßung des neuen Jahres.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Die spinnen die Politiker“