Ehrenamt

Jazzklub: Hurra, wir leben noch!

Jazzklub: Hurra, wir leben noch!

Jazzklub: Hurra, wir leben noch!

Hadersleben/Haderslev
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„Wir sind Optimisten“, sagen Carl Johan Gravesen und Kate Blond vom Haderslev Jazzklub. Mit der Festwoche von Trekanten sind auch ihre Veranstaltungen ins Wasser gefallen. Dennoch machen sie unverzagt weiter. Foto: Ute Levisen

Die Ehrenamtlichen vom Haderslebener Jazzklub ziehen alle Register, um ihrem Verein ein Überleben zu sichern. In Corona-Zeiten wie diesen ist das keine einfache Sache. „Doch wir sind Optimisten“, sagt der Vorsitzende Carl Johan Gravesen.

Die Jazzfreunde in Hadersleben haben es schwer. Der Haderslebener Jazzklub hatte seine Veranstaltungen für das Sommerhalbjahr von langer Hand geplant. Dann kam das Coronavirus. Seither ist nichts mehr wie es einmal war.

„Unser letztes Jazzkonzert hatten wir am 7. März“, sagt die stellvertretende Vereinsvorsitzende, Kate Blond.

Dabei hatten die Jazzfreunde noch Glück: „Vier Tage später war die Grenze dicht“, ergänzt Vereinschef Carl Johan Gravesen. Seither hatte es sich ausgespielt im Haderslebener Jazzklub, in dem auch immer wieder Jazzbands aus Deutschland auftreten.

Altersdurchschnitt: 70+

Dennoch machen die Ehrenamtlichen, inzwischen mit einem Altersdurchschnitt von 70+ reich – nicht nur an Jahren, sondern auch an Erfahrung – unverzagt weiter:
„Wir wollen nicht jammern, sondern ein Lebenszeichen von uns geben“, so Gravesen. Den Klub zu Grabe zu tragen, dazu fühlten sie sich nicht berufen.

Etwa 170 Mitglieder zählt der Haderslebener Jazzklub, der gegenwärtig an einem Krisenmanagement arbeitet. Das Programm für das Winterhalbjahr steht. Die erste Veranstaltung seit dem Frühjahr im September im Saal des Kulturhauses Månen mussten die Organisatoren absagen – die darauffolgenden ebenso.

Der Jazzklub hat während der Corona-Pandemie weitere Herausforderungen bekommen. Dennoch geben die Ehrenamtlichen nicht auf. Foto: Ute Levisen

Verwirrende Vorschriften

Denn die Situation bleibt schwierig. Die Ehrenamtlichen wünschen sich einheitliche Corona-Regeln. Bislang werden die Corona-Auflagen, je nachdem, wen man gerade fragt, unterschiedlich interpretiert.

„Das erschwert uns die Planung, beispielsweise bei der Essensbestellung“, seufzt Carl Johan Gravesen.

Da die Jazzkonzerte in dem in kommunaler Regie betriebenen Kulturhaus Bispen stattfinden, sind die Ehrenamtlichen die Verantwortung für die Getränke los – und damit auch so manchen Sponsor.

Denn die Getränke müssen vor Ort gekauft werden – so sind die Regeln. Früher haben die Ehrenamtler dafür selbst Sorge getragen. Heute entfällt somit ein wesentlicher Teil des Erlöses, den die Jazzfreunde früher durch den Ausschank eingenommen hatten. Dies wiederum schmälert den Überschuss für die Vereinsarbeit.

Workshop geplant

„Die Regelung gilt für alle Räumlichkeiten der Kommune Hadersleben“, erläutert Kate Blond. Der Vorstand betont zugleich, dass der Jazzklub nichtsdestotrotz gut mit der kommunalen Kulturverwaltung zusammenarbeitet, die die Arbeit des Klubs unterstützt.

Dennoch fällt es den Ehrenamtlichen schwer, die Musik am Laufen zu halten. Der Nachwuchs macht sich rar. Die Last ruht – im wahrsten Sinne des Wortes – auf den Schultern altgedienter Jazzfreunde, die nicht mehr die Jüngsten sind.

Dies sei auch der Grund dafür, dass der Klub vor drei Jahren das Jazzfestival am Graben ja – zu Grabe hatte tragen müssen: „Das Jazz-Zelt haben vornehmlich Leute aufgebaut, die schon damals über 70 waren“, sagt Gravesen.

Inspiration für die Zukunft

Er macht keinen Hehl daraus, dass der Vorstand alle Register zieht, um die Jazzkonzerte des Klubs und damit den Verein am Leben zu erhalten. Gegenwärtig plant der Vorstand einen Workshop mit verschiedenen Akteuren aus der Kommune und der Kulturszene der Domstadt.

„Wir erhoffen uns davon Inspiration für unsere weitere Arbeit.“

Vor allem aber hoffen die Jazz-Freunde darauf, mehr Anhänger gewinnen zu können – und damit die Weichen des Jazzklubs in dessen 65. Jubiläumsjahr neu stellen zu können.

Jazz im Månen

Folgende Veranstaltungen sind bis zum Jahresende im Månen des Kulturhauses Bispen jeweils in der Zeit von 13 bis 15.30 Uhr geplant:

  • 14. November, Red Hot 4+2
  • 28. November, Neanders
  • 5. Dezember, River Jazz & Blues Band
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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Die Suche nach der Balance“