Verkehrsplanung

„ÆldreSagen“ an Politiker: Denkt fortschrittlich!

„ÆldreSagen“ an Politiker: Denkt fortschrittlich!

„ÆldreSagen“ an Politiker: Denkt fortschrittlich!

Hadersleben/Haderslev
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Künftig müssen die Passagiere am ZOB aussteigen, um in die Altstadt zu kommen. Foto: Ute Levisen

Auf einer außerordentlichen Sitzung am Dienstag wird der Technische Ausschuss eine Änderung des Verkehrsflusses für den öffentlichen Personennahverkehr entlang der Norderstraße beschließen. Dieser soll künftig nur noch in einer Richtung fließen. Das hat für den Busverkehr und somit für viele ältere Menschen gravierende Folgen.

Am Dienstag treffen sich die Mitglieder des kommunalen Ausschusses für Planung und Umwelt zu einer außerordentlichen Sitzung, um das umzusetzen, was eine Mehrheit im Haderslebener Kommunalparlament im Dezember bereits beschlossen hat: Die Stadtbusse sollen ab Sommer 2021 die Nordstraße nur noch in einer Richtung befahren.

Folgen nicht untersucht

Auf der Sitzung entscheiden die Politiker über zwei Modelle. Der kollektive Busverkehr wird entweder in nördlicher oder in südlicher Richtung zur Einbahnstraße. Stadtbusse müssen dann einen Umweg über die Allegade und Sejstensgyde machen. Vier der sechs Busrouten sind von dieser Änderung betroffen, deren Konsequenzen für den übrigen Verkehr noch nicht untersucht worden sind.

Bushaltestellen entfallen

Die Änderungen sollen bereits mit dem Sommerfahrplan 2021 in Kraft treten. Svend Brandt von der Einheitsliste appelliert an seine Politikerkollegen, die geplanten Änderungen um ein Jahr zu verschieben: zum einen, weil die Konsequenzen zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar sind, zum anderen, weil die Änderung für ältere Menschen, vor allem für jene mit Gehbehinderungen, enorme Auswirkungen haben wird, da die Bushaltestellen am Torvet, am Graben und am Herzog-Hans-Platz im Zuge der geplanten Änderungen in einer Richtung entfallen – abhängig davon, für welche Lösung sich die Politiker entscheiden. Passagiere müssten am Busbahnhof aussteigen und den Rest der Strecke zu Fuß zurücklegen.

Komplexe Änderungen

In der Südstadt werden zwei Haltestellen am Skovvænget entfallen. Passagiere müssten die Haltestelle am Kløvermarken nutzen – und hätten damit einen um ca. 410 Meter längeren Fußweg. Dies sind nur einige der Änderungen, die der künftige Fahrplan mit sich bringt.

Dies wiederum sei für die meisten Bürger kein Problem, betont Svend Brandt, wohl aber für Bürger mit Gehbehinderungen. Auch ältere Mitbürger im Allgemeinen seien betroffen. Er plädiert dafür, die Änderung des Busverkehrs zu überdenken und eine Shuttle-Lösung mit elektrisch betriebenen Bussen für die Innenstadt anzustreben. Die Umsetzung dieses Lösungsansatzes ist jedoch frühestens in einem Jahr möglich.

ÆldreSagen appelliert an Politiker

Die Seniorenorganisation „ÆldreSagen“ in Hadersleben befürwortet eine solche Lösung. Dessen Vorsitzender, Erik Johan Hansen, fordert die Politiker auf, fortschrittlich zu denken. Er räumt ein, dass die bevorstehende Entscheidung über den künftigen Verlauf des öffentlichen Personennahverkehrs in der Altstadt ihrer Aufmerksamkeit entgangen ist: „Das haben wir gar nicht mitbekommen.“ Auch Hansen sieht mit einer Änderung einige Probleme auf seine Mitglieder zukommen.

Fußgängerzone verliert täglich Kunden

Laut Svend Brandt wäre die geplante Maßnahme zum jetzigen Zeitpunkt nicht nur schlechtes Timing und eine Katastrophe für ältere Mitmenschen: „Außerdem würde die Fußgängerzone mehr als 100 Kunden täglich verlieren.“

Per Houmann, Inhaber von „Vin & Vin“, ist frischgebackener Vorsitzender des Haderslebener Einzelhandelsverbandes „Haderslev Butikker“. Als solcher wolle er sich zu dieser Problematik nicht äußern, wie der Weinfachhändler in einem Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ sagt, wohl aber als Ladeninhaber in der Fußgängerzone: „Im Prinzip ist ein Teil der Norderstraße schon jetzt Einbahnstraße. Würden sich alle daranhalten, gäbe es kein Problem.“

Den Vorschlag, elektrisch betriebene Shuttle-Busse in der Altstadt einzusetzen, begrüßt Houmann.

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