Leitartikel

„American Football“

American Football

American Football

Jens Kragh Iversen, Gwyn Nissen
Nordschleswig/Sønderjylland
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Alle Weichen sind auf Erfolg gestellt, nachdem SønderjyskE die Fußball-Sparte an einen amerikanischen Investor verkauft hat. Doch es lauern auch Gefahren, meinen Sportredakteur Jens Kragh Iversen und Chefredakteur Gwyn Nissen.

Da stockte erst einmal das Fußball-Herz: Das sportliche Aushängeschild Nordschleswigs, SønderjyskE, hat seine Fußball-Sparte an den milliardenschweren amerikanischen Finanzmann Robert Platek und dessen Familie verkauft. Für die Hellblauen ist dies auf der einen Seite eine große Chance, mit mehr Geld in der Tasche den nächsten Schritt nach oben zu machen, auf der anderen Seite sind die Risiken und Gefahrenmomente nicht zu übersehen.

SønderjyskE hat sich in der Vergangenheit einen guten Namen im dänischen Sport gemacht. Schwarze Zahlen sind die Regel, rote Zahlen die Ausnahme. Überzogene Risikobereitschaft hat es keine gegeben, und auch in Sachen Personal ticken die Uhren in Nordschleswig anders.

In der Ära von SønderjyskE-Direktor Klaus Rasmussen hat man länger als in der Branche üblich an Trainern festgehalten, auch in brenzligen Situationen. Ein Lars Søndergaard oder zuletzt auch ein Glen Riddersholm wären auf dem Tiefpunkt mit ihrer mageren Punkteausbeute in anderen Klubs längst geflogen, doch am Ende wurde die Geduld mit dem Klassenerhalt beziehungsweise im Sommer mit dem Pokaltitel belohnt.

Wie sieht es aber aus, wenn in der SønderjyskE-Familie – so sehen sich die Hellblauen gern – andere plötzlich das letzte Wort haben? Kommen immer noch die gleichen Werte zum Tragen?

Die Platek-Familie hat bei der Veröffentlichung des Deals angekündigt, sich im Hintergrund zu halten, und die Absichtserklärungen bei der Vertragsunterschrift hören sich auch gut an. Aber Schreckensbeispiele gibt es im Sport reichlich, wenn bei Übernahmen kulturelle Unterschiede aufeinander treffen. Ein Horror-Beispiel ist der deutsche Ex-Nationalkicker Fabian Ernst, der im Januar 2019 Næstved Boldklub kaufte. Ein Klub, der an die Tür zur Superliga klopfte. Anderthalb Jahre und vier Trainerentlassungen später befindet sich der Klub in der Drittklassigkeit und ist ein Scherbenhaufen.

Das muss aber nicht so sein. Der Verkauf an einen Investor ist in erster Linie eine große Chance, wirtschaftlich noch mehr Boden gutzumachen als man es in den vergangenen Jahren getan hat, wo SønderjyskE in finanzieller Hinsicht zum Mittelfeld der Liga aufgeschlossen hat.

Die Möglichkeiten von SønderjyskE, den nächsten Schritt nach oben zu machen, waren allerdings begrenzt. In Nordschleswig gibt es zwar finanziell starke Wirtschaftsunternehmen und Familien, aber eben nicht steinreiche und fußballverrückte Familien und Unternehmer, die Jahr für Jahr zweistellige Millionenbeträge zur Verfügung stellen.

SønderjyskE blieb bisher nur die Unterstützung von einigen mittelgroßen und vielen Kleinunternehmern, die gemeinsam mit Fans auch mal in die eigene Tasche greifen, wenn sich eine Krise zusammenbraut.

Das hat bisher gereicht, um in der Superliga nicht nur zu überleben, sondern manchmal eben auch die Endrunde zu erreichen, die Silbermedaille zu holen oder – wie im Sommer – auch den Pokalwettbewerb zu gewinnen. Aber es klappt eben nicht jedes Mal, und zu oft findet sich der Klub in einem nervenaufreibenden Abstiegskampf wieder.

Mit etwas Glück spielt SønderjyskE manchmal oben mit, aber bei etwas Pech könnte es irgendwann mal auch schiefgehen und der Verein würde in die Zweitklassigkeit abrutschen.

Daher hatte SønderjyskE keine andere Wahl, als sich einen finanzstarken Partner wie die Platek-Familie zu suchen. SønderjyskE hüllt sich noch in Schweigen, wie viel Geld kurzfristig in den Spielerkader gesteckt wird. Mit einem neuen Investor im Rücken steigen aber die Erwartungen im Umfeld des Vereins – vor allem bei Fans, Sponsoren und im Klub selbst.

Vorbei sind die Zeiten, als man sich hinter der Aussage verstecken konnte, dass der Jahresetat zu den kleinsten der Superliga gehört. Genau hier lauert die größte Gefahr, nämlich dann, wenn der Erfolg ausbleiben sollte. Dann stehen Vereinseigentümer, Trainer, Spieler und letztendlich auch die Werte von SønderjyskE unter Druck.

Wenn sich aber die nordschleswigsche Bodenständigkeit mit amerikanischen Dollars kombinieren lässt, dann wird die Erfolgsgeschichte des noch jungen Vereins bald um weitere Kapitel ergänzt werden können.

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