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Tropische Wirbelstürme in Dänemark – Nur eine Frage der Zeit?

Tropische Wirbelstürme in Dänemark – Nur eine Frage der Zeit?

Wirbelstürme in Dänemark – Nur eine Frage der Zeit?

Sebastian Möbius
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Extremes Wetter nimmt weltweit zu. Auch in Dänemark. Foto: Karin Riggelsen

Wetterextreme treten immer häufiger auch in Ländern und Regionen auf, in denen sie eher untypisch sind. Doch wie lange wird es dauern, bis vor Dänemarks Küsten die ersten Tropischen Wirbelstürme auftauchen und auf Land treffen? „Der Nordschleswiger“ hat nachgefragt.

Tropische Wirbelstürme richten viel Schaden an, wie es erst kürzlich „Dorian" auf den Bahamas gezeigt hat. Es scheint, dass Wetterextreme nicht nur häufiger, sondern gleichzeitig auch stärker werden. Doch wie ist es in den kommenden Jahren um Dänemark bestellt, was diese Extreme angeht?

Pieter Groenemeijer vom European Severe Storms Laboratory (ESSL) in München hat eine eindeutige Antwort: „Was ich mit Sicherheit sagen kann, ist dass es in den kommenden Jahren vermehrt starke Gewitter in Nordeuropa geben wird. Begleitet von großkörnigem Hagel“, so Groenemeijer. Hinzu kommt, dass Gewitter die Voraussetzungen für Tropische Wirbelstürme sind.

Starke Gewitter werden in den kommenden Jahren in Nordeuropa zunehmen. Foto: Unsplash/Josep Castells

„Natürlich spielen gerade bei Hurrikans noch Faktoren wie der Wind eine große Rolle, doch festzuhalten ist, dass das Potenzial für ein solches Ereignis an dänischer Nord- und Ostseeküste gegeben ist. Das sagen die Wetterlangzeitmodelle. Hundertprozentig bestätigt werden kann sowas aber beim Wetter eigentlich nie“, so der Forscher.

Drohende Dürre in Südeuropa

Was Groenemeijer mehr beunruhigt, ist die Entwicklung in Südeuropa in den kommenden Jahren. In Spanien, Portugal und Südfrankreich, wo viele Leute gerne ihren Urlaub verbringen, wird es kaum mehr Regen geben. „Die ersten Untersuchungsergebnisse zeigen, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre in diesen Ländern und Regionen eine große Dürre herrschen wird. Die Modelle zeigen, dass kaum mehr Regen fallen wird“, sagt Groenemeijer.

Drohendes Szenario in Südeuropa. Dürre und kaum mehr Regen. Foto: Unsplash/Holger Link

Dr. Christian Franzke, Spezialgebiet Klimastatistik und Extremereignisse, vom Zentrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit, Uni Hamburg, pflichtet seinem Kollegen aus München bei: „Da sich die Großwetterlage in Zukunft mehr in Richtung Extreme ändern wird, ist die Möglichkeit von Tropischen Wirbelstürmen in Dänemark auf jeden Fall gegeben. Teilweise finden solche Ereignisse, aktuell in schwacher Form und kleinerem Ausmaß, bereits in Norddeutschland statt“, so Franzke.

Martin Stendel, Klimaforscher beim Dänischen Meteorologischen Institut (DMI), widerlegt die Aussage der Forscher jedoch. Laut ihm ist es nicht möglich, dass Tropische Wirbelstürme vor der dänischen Nord- oder Ostseeküste auftreten können. „Tiefdruckgebiete in unseren Breiten leben vom Temperaturunterschied zwischen kalten Luftmassen im Norden und warmen im Süden. Tropische Wirbelstürme leben von der Kondensationswärme warmer aufsteigender Luft. Damit das möglich ist, muss sich ein Hurrikan über Wasser befinden, und dieses Wasser muss wärmer als 26,5°C sein“, so Stendel.

Weiter fügt er hinzu: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass es in Nord- und Ostsee mal so warm werden könnte, aber diese hohen Temperaturen findet man nur in Ufernähe und nicht auf dem offenen Meer. Hinzu kommt, dass für einen Hurrikan die Windscherung (Änderung des Windes von unten nach oben, Anm. d. Red.) nicht zu groß sein darf. Das ist hier meist ebenfalls nicht der Fall“, sagt Stendel.

Vorwarnen und Konsequenzen beheben

Sollte es jedoch einmal zum Ernstfall kommen und ein Hurrikan an der dänischen Küste auf Land treffen, hat auch die Feuerwehr keine großen Möglichkeiten, einzugreifen, wie Kenneth Achner, Einsatzleiter bei Brand & Redning Sønderjylland, berichtet. „Wenn ein Tropischer Wirbelsturm kommt, dann kommt er. Wir haben lediglich die Möglichkeit, die Leute gut vorzuwarnen, sobald wir von einem Extremwetter wissen, und ansonsten können wir nach einem Tornado nur die Konsequenzen beheben“, so Achner.

Jedoch findet er, dass Dänemark eines der stärksten Warnsysteme hat. „Im Extremfall haben wir als Feuerwehr auch den Vorteil schnell und effektiv mit anderen Behörden zu interagieren und somit entstandenen und entstehenden Schaden zu minimieren“, sagt Einsatzleiter Achner.

Dass Tropische Wirbelstürme in Zukunft auch vor der dänischen Küste auftreten können, nimmt Kenneth Achner sehr ernst. „Wir haben in ein paar Wochen eine Sitzung in diesem Bereich. Da werde ich das Thema auf jeden Fall ansprechen.“

 

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version ist uns leider ein fachlicher Fehler unterlaufen. Dort war von „Tornados“ die Rede. Doch ein Tornado, im Deutschen als Windhose bezeichnet, ist nicht gleichzusetzen mit einem tropischen Wirbelsturm, der auch als Hurrikan bekannt ist. Tornados treten bereits in unserer Region auf. Dabei handelt es sich um einen lokal auftretenden kleinen Luftwirbel, der etwa aus Gewittern entstehen kann. Ein Hurrikan hingegen ist ein großes Wettergebiet mit einigen Hundert Kilometern Durchmesser, das sich im Bereich der Karibik und bei Meerestemperaturen ab 26,5 Grad Celsius bildet. Gemeint war also, wie jetzt berichtigt, ein Hurrikan, kein Tornado.

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