Festgottesdienst

Bischof: Minderheiten gehören zur Schönheit des Grenzlands

Bischof: Minderheiten gehören zur Schönheit des Grenzlands

Bischof: Minderheiten gehören zur Schönheit des Grenzlands

Kopenhagen/Nordschleswig
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Königin Margrethe nahm am Festgottesdienst teil. Foto: Ida Guldbæk Arentsen/Ritzau Scanpix

Der Kopenhagener Bischof Peter Skov-Jakobsen sprach der deutschen Minderheit vor Königin Margrethe und Spitzenpolitikern aus Dänemark und Deutschland seine Anerkennung aus.

Gewinner-Lied

Die Schülerinnen Caja Loelf und Janne Lahnstein vom Deutschen Gymnasium in Nordschleswig gewannen Anfang Dezember den Liederwettbewerb des Bistum Hadersleben. Zur Melodie von Phillip Faber (Leiter des DR Pigekor) schrieben sie das Lied „Vi bygger broer over grænser", das im Kopenhagener Dom von der Vor Frue Kantori vorgetragen wurde.

„Die Minderheiten nördlich und südlich der Grenze sind Teil unserer Nationen geworden. Sie sind Brückenbauer, sie sind Pioniere in einem Europa, in dem Grenzen, Nationalität und Kultur oft schwierig sind. Sie sind Teil unserer Nationen und unserer Selbstwahrnehmung. Für mich sind sie Teil der Schönheit des Grenzlandes, Teil des Wunders, Teil des Widerspruchs, Teil der Freude und des Spiels des Nationalen, Kulturellen und des Zwischenmenschlichen, alles auf gutem Weg".

Dies sagte der Kopenhagener Bischof Peter Skov-Jakobsen Sonntag in seiner Predigt beim Festgottesdienst in der „Vor Frue Kirke" anlässlich der Feierlichkeiten zum „Genforeningsjubiläum", der Vereinigung Nordschleswigs mit Dänemark 1920 und des deutsch-dänischen Freundschaftsjahres 2020.

Aus diesem Anlass waren Vertreter aus Dänemark und Deutschland sowie den Minderheiten in den Kopenhagener Dom eingeladen worden. Allen voran Königin Margrethe. Darüber hinaus noch eine Reihe von Regierungsvertretern, darunter die Minister Benny Engelbrecht aus Sonderburg und Joy Mogensen, die als neue Kulturministerin die Verantwortung für die deutsche Minderheit hat.

Der deutsche Botschafter in Dänemark, Detlev Rünger und seine Frau Iris, sowie der Bundesbeauftragte für Minderheiten, Bernd Fabritius, nahmen am Festgottesdienst in Kopenhagen teil. Foto: Ida Guldbæk Arentsen/Ritzau Scanpix

Hoher Besuch aus Deutschland und Dänemark

Ebenfalls anwesend waren die EU-Kommissarin Margrethe Vestager, die frühere Staatsministerin Helle Thorning Schmidt, sowie der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther, der Bischof der Nordkirche, Gothart Magaard, und der Minderheitenbeauftragte der Bundesrepublik Deutschland, Bernd Fabritius.

Die deutsche Minderheit war vertreten durch Carsten Leth Schmidt, Vorsitzender der Schleswigschen Partei, und seiner Frau sowie den beiden Pastoren Christa Hansen aus Hadersleben/Haderslev und der Senior der Nordschleswigschen Gemeinde, Matthias Alpen aus Lügumkloster/Løgumkloster. Die beiden Pastoren hatten unter anderem die Gelegenheit die Königin vor dem Gottesdienst persönlich zu begrüßen.

Kulturministerin Joy Mogensen und Transportminister Benny Engelbrecht aus Sonderburg nahmen am Festgottesdienst teil. Foto: Ida Guldbæk Arentsen/Ritzau Scanpix

Lichtblicke in der Minderheit

Auch wenn es von dänischer Seite nach dem Krieg kritische Blicke auf die deutsche Minderheit gegeben hatte, so gab es laut Skov-Jakobsen auch Lichtblicke.

„Wer sich die Mühe gemacht hat, sich in die Geschichte zu vertiefen, weiß, auch wenn die Mehrheit in der Minderheit diesen schrecklichen Weg gegangen ist, gab es doch Lichtblicke. Unter anderem wurden die Hirtenbriefe der Bischöfe gegen die Judenverfolgung im Oktober 1943 in den deutschsprachigen Kirchen in Hadersleben, Sonderburg, Apenrade – und wahrscheinlich auch in Tondern verlesen, aber wir wissen es nicht genau", sagte der Bischof in seiner Predigt.

Aufarbeitung von innen

„Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einige Jahre, in denen eine Aufarbeitung dieser schrecklichen, politischen und kulturellen Fehler der Minderheit offen geführt werden mussten", sagte Skov-Jakobsen. „Glücklicherweise gab es einen schnellen Weg, die geistige Freiheit zu finden, die es der Minderheit wieder ermöglichte, Schulen und andere kulturelle Einrichtungen zu bekommen."

Heute habe die Minderheit alle Achtung verdient.

„Es muss gebührend festgestellt werden, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit von innen kam und zu einer schwierigen Selbstkritik führte, der wir uns nur beugen und mit Dankbarkeit, Freude und Verständnis begegnen können", sagte der Bischof.

Die Predigt von Peter Skov-Jakobsen im Wortlaut gibt es hier:

Die beiden deutschen Pastoren Christa Hansen aus Hadersleben und Matthias Alpen aus Lügumkloster waren ebenfalls beim Festgottesdienst im Kopenhagener Dom mit dabei. Foto: Ida Guldbæk Arentsen/Ritzau Scanpix
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