Tabakkonsum

Dänemark-Fähren: Politik will Tabak-Coupons abschaffen

Dänemark-Fähren: Politik will Tabak-Coupons abschaffen

Dänemark-Fähren: Politik will Tabak-Coupons abschaffen

Dänemark
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Tabak-Gutscheine, die auf Fähren wie dieser verteilt werden, stehen in der Kritik. Foto: David Leth Williams / Ritzau Scanpix

Auf vielen dänischen Fähren werden Tabak-Gutscheine an die Fährgäste verteilt – auch an Kinder. Unverantwortlich findet das eine politische Mehrheit auf Christiansborg und fordert die Abschaffung der Coupons.

Eine Mehrheit im Folketing spricht sich dafür aus, dass in Zukunft keine einzelnen Tabak-Coupons mehr an Fährgäste auf Fähren verteilt werden sollen.

Fährt man beispielsweise mit der Fähre von Dänemark nach Schweden und löst dort sein Fahrticket ein, spuckt der Automat automatisch einen kleinen Papierzettel aus:

„Im Boardshop kann jede Person über 18 Jahre durch Vorzeigen dieser Fahrkarte ein Paket Zigaretten zollfrei erwerben“, steht darauf. Diesen Coupon bekommt bislang jeder Passagier, ob jung oder alt, bei einer Überfahrt mit auf den Weg.

Abschaffung gefordert

Ein Unding, wie Kirsten Normann Andersen, Gesundheitswortführerin der Sozialistischen Volkspartei (SF), zu Danmarks Radio sagt: „Wir kämpfen an allen möglichen Fronten, um dafür zu sorgen, dass Kinder nicht anfangen zu rauchen. Kinder dürfen keine Zigaretten kaufen und darum ergibt es absolut keinen Sinn, dass man ihnen einen Tabak-Coupon unter die Nase reibt.“

Der Coupon zum zollfreien Zigarettenkauf wird ebenfalls auf der Route Helsingør nach Helsingborg und auf den Scandlines-Routen nach Deutschland verteilt. Sprecher von Venstre, der Dänischen Volkspartei (DF), der Einheitsliste, den Alternativen, der Sozialistischen Volkspartei und den Radikalen sind daher für eine Abschaffung der Papierzettelchen.

Venstres gesundheitspolitische Sprecherin, Jane Heitmann, fordert den neuen Gesundheitsminister, Magnus Heunicke (Sozialdemokraten), dazu auf, sich der Sache anzunehmen: „Der Minister muss sich äußern und eine klare Antwort darauf geben, wie die Regierung sicherstellen will, dass Kinder und Jugendliche nicht mehr dazu aufgefordert werden, Tabak zu kaufen.“

Werbung für Tabak und Zigaretten

Die Organisation „Kræftens Bekæmpelse“ ist laut Danmarks Radio sogar der Meinung, dass die Redereien mit ihrem Angebot Reklame für Zigaretten und Tabak machen und das in einer Zeit, wo sich viele junge Menschen für Zigaretten entscheiden würden.

„Wir sind besonders darauf bedacht, dass Kinder und Jugendliche nicht anfangen zu rauchen. Jeden Tag beginnen 40 Kinder und Jugendliche in Dänemark mit dem Rauchen. Alles, was man tun kann, um dem entgegenzuwirken, sollte man auch tun“, sagt Niels Them, Projektchef für Tabakprävention bei Kræftens Bekæmpelse.

Lösungsansatz: Norwegen macht es vor

Auch auf der Route zwischen Dänemark und Norwegen können zollfrei Zigaretten und Tabak erworben werden, hier bekommen die Passagiere allerdings keinen extra Coupon. Der Hinweis zum zollfreien Zigarettenkauf findet sich dort auf der Rückseite der Fahrkarte. Diese Vorgehensweise klinge nach einer vernünftigen Lösung, die moralisch vertretbarer sei, als die heutige, sagt Kirsten Normann Andersen (SF) zu Danmarks Radio.

Die betroffenen Redereien verweisen darauf, dass sie sich an die geltenden Regeln halten. Johan Röstin, administrativer Direktor der Rederei Forsea, kann die Problematik aber dennoch erkennen:

„Die Verwendung von Tabak-Gutscheinen auf unseren Routen hat eine lange Tradition. Jetzt, da die Angelegenheit angesprochen wird, kann ich verstehen, dass es sich dabei um ein problematisches Vorgehen handelt.“

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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