Umwelt und Natur

Kennzeichnungspflicht für in Produkten verstecktes Plastik

Kennzeichnungspflicht für Plastik in Produkten

Kennzeichnungspflicht für Plastik in Produkten

Kopenhagen/Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Besonders nach Stürmen werden an Stränden wie auf der Insel Röm Spülsäume mit viel Plastikmüll sichtbar. Schlimmer noch ist, dass viele Kunststoffe an unwegsamen Wattenmeerküsten in Sedimeten und in der Vegetation „verschwinden“. Foto: DN

Die dänische Umweltministerin Lea Wermelin kündigt die Umsetzung des 2019 vom EU-Rat beschlossenen Verbots von Einwegplastik im Juli 2021 an. Versteckte Kunststoffanteile in Zigarettenfiltern oder Hygieneprodukte sollen nicht mehr in der Natur landen.

Bereits im Mai 2019 haben sich die EU-Staaten im auf eine Richtlinie zur Einschränkung der Herstellung und Benutzung von Einwegartikeln aus Plastik verständigt. Jetzt wird das Verbot von Einwegplastik auch in Dänemark wirksam. Umweltministerin Lea Wermelin (Sozialdemokraten) kündigte ein Verbot des Verkaufs der berüchtigten „Wegwerfprodukte“, die zur Verunreinigung der Natur und Eintrag von Plastik in die Natur beitragen ab Juli dieses Jahres an.

Unsichtbare Plastikanteile

Daneben gibt es eine weitere Maßnahme, die der Plastikflut in der Umwelt entgegenwirken soll: Alle Waren, die oft äußerlich nicht sichtbar, Plastikanteile enthalten, müssen künftig einen Hinweis auf die Kunststoffanteile tragen, die wie in Zigarettenfiltern, Aufsaugtüchern oder Hygieneprodukten enthalten, oft in der Natur landen. Die Verbraucher sollen durch das neue Schildkrötenlogo erkennen, dass der Gegenstand in den Müll und auf keinen Fall in die Umwelt gehört. Vielen „Ex-und-hopp“-Konsumenten ist offenbar nicht klar, dass sich Zigarettenstummel auch nach Jahren wegen des Filters mit Kunststoffanteil nicht auflösen. Bei diversen Sammelaktionen von Organisationen wie „Danmarks Naturfredningsforening“ waren in den vergangenen Jahren Berge von Plastik in Siedlungen und der freien Natur aufgelesen worden.

Lea Wermelin (Sozialdemokraten) hofft auf weniger Plastikmüll an den Küsten. Foto: Miljøministeriet

„Viel zu viel Plastik endet in der Natur. Ich glaube, die meisten von uns haben Bilder von Walen mit Plastik in ihren Mägen oder in Plastik verfangene Schildkröten gesehen. Das müssen wir stoppen. Ab Sommer müssen alle Produkte wie Einweg-Trinkbecher und Zigaretten EU-weit mit Hinweisen versehen werden, dass sie aus Plastik sind, damit sie in die Mülltonne statt in die Natur wandern“, erklärt Lea Wermelin. Und sie erinnert daran, dass Dinge wie Zigarettenfilter so aussehen, als seien sie aus Naturmaterial hergestellt. Dem werde die Kennzeichnungspflicht ein Ende bereiten.

EU will mehr Kunststoffrecycling

Zu den bald verbotenen Einweg-Kunststoffprodukten zählen Wattestäbchen, Plastikbesteck- und -teller, Plastik-„Strohhalme“ oder auch Becher und Behälter aus oft als „Styropor“ bezeichneten geschäumten Kunststoff. Übergangsweise dürfen die Materialien noch aus den Beständen des Handels verkauft werden. Die EU strebt an, dass bis 2029 bei Kunststoffen eine Sammelquote von 90 Prozent erreicht wird. Beim Recyclinganteil sind die Ziele weit niedriger: 25 Prozent bis 2025, 30 Prozent bis 2030. Ein Problem stellt die Vielzahl der Kunststofftypen dar, was das Sortieren vor einer Wiederverwertung erschwert. Die Belastung der Gewässer mit Mikroplastik wird mit diesen Maßnahmen nicht beseitigt, denn Untersuchungen haben gezeigt, dass der größte Anteil des Mikroplastiks im Meer aus Textilien mit Kunstfasern stammen, letztere werden beim Waschen in die Umwelt geschwemmt. Lea Wermelin hofft, dass die Menschen ihren Verbrauch ändern und weniger Kunststoffe verwenden. „Es sind die Einwegprodukte, die wir am meisten an den Stränden finden, die nun EU-weit verboten werden“, äußert sich die Ministerin hoffnungsvoll. Auch an den Küsten Nordschleswigs dürfte sichtbar werden, ob die EU-Richtlinie die Plastikmüllflut bremst.

Mehr lesen

Leitartikel

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
„Bondesrepublik“

Kulturkommentar

Rabea Papke
„Country-Musik im Norden“