Gesundheitspolitik

Ärztemangel: Sehenden Auges in die Krise geschlittert

Ärztemangel: Sehenden Auges in die Krise geschlittert

Ärztemangel: Sehenden Auges in die Krise geschlittert

Apenrade/Kopenhagen
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Der Arzt Leif Hoffmann in Brovst im vom Hausärztemangel stark betroffenen Nordjütland (Archivbild). Foto: René Schütz/Ritzau Scanpix

Ärzte in betroffenen Gebieten in Nordschleswig bekommen bereits Zuschüsse. Doch Geld sei längst nicht alles, sagt der Ärzteverband. Minister Heunicke will ihm zuhören.

Bessere Arbeitsbedingungen für Hausärzte sollen dafür sorgen, dass die Mediziner länger als bisher am Arbeitsmarkt bleiben. So soll die Lücke geschlossen werden, die sich auftut, bis genügend Nachwuchsärzte ausgebildet wurden.

Das fordert der dänische Ärzteverband Lægeforeningen. Die Politik, so der Verbandsvorsitzende Andreas Rudkjøbing zur Nachrichtenagentur Ritzau, müsse dafür sorgen, dass Hausärzte beispielsweise staatliche Zuschüsse für den Ausbau ihrer Praxen bekommen können.

„Die klare Rückmeldung aus einer Reihe von Untersuchungen und von unseren Kollegen ist es, dass mehr Hilfspersonal, mehr Platz und eventuell die Möglichkeit, weniger Patienten anzunehmen, von Vorteil wären“, sagt er – und rechnet für den Fall der Umsetzung mit 400 bis 600 Hausärzten, die ihren Abschied vom Arbeitsmarkt verschieben würden.

Ärztemangel in Nordschleswig

Teile Nordschleswigs gehören laut Danske Regioner zu akut vom Ärztemangel betroffenen Gebieten. Derzeit der Bereich Rund um die Apenrader Förde (ehemalige Kommunen Apenrade und Lundtoft) und das Gebiet der alten Kommune Lügumkloster. Auf Nordalsen bekommen die Mediziner darüber hinaus ein höheres Basishonorar als jene in Gebieten, die vom Lohn- und Tarifrat der Kommunen nicht zu den vom Ärztemangel bedrohten Gebieten gezählt werden.

Zweifel an Gesetzmäßigkeit

Doch größere Zuschüsse an die selbstständigen Ärzte zu geben würde möglicherweise gegen das Gesetz verstoßen, wirft der Verband der für das Gesundheitswesen zuständigen Regionen, Danske Regioner, ein.

„Es stimmt, dass es derzeit Herausforderungen in Bezug darauf gibt, inwiefern das hier gemacht werden kann, ohne gegen EU-Gesetz zu verstoßen. Da muss gegebenenfalls eine Rechtsgrundlage geschaffen werden“, sagt Rudkjøbing. Es liege an den Politikern, zu entscheiden, ob sie dem „riesigen Problem“ etwas Wirksames entgegensetzen wollen – oder eben nicht.

Der neue Gesundheitsminister Magnus Heunicke (Soz.) ist gewillt, die Vorschläge zu prüfen, schreibt er an Ritzau. „Jeden Vorschlag, der dieses Problem lösen kann, werde ich positiv betrachten.“ Die Regierung stehe weiter dazu, dass „alle, ungeachtet der Postleitzahl, ein Recht auf einen Hausarzt haben“.

Ob sich die Regierung jedoch an die Ratschläge des Ärzteverbandes halten wird, bleibt mindestens bis zum Ende der noch nicht terminierten anstehenden Haushaltsverhandlungen zwischen Regionen und Regierung offen. Bisher deutet in ihren schriftlich fixierten Plänen nichts darauf hin, dass sie deutlich mehr Mittel ins Gesundheitswesen stecken wird.

Dem Wunsch des Ärzteverbandes, die von ihm als gesundheitsgefährdend eingestufte Dolmetschergebühr für Arztbesuche wieder abzuschaffen, haben die Sozialdemokraten zudem jüngst rundweg zurückgewiesen.

Andreas Rudkjøbing Foto: Lægeforeningen

Hausärztemangel

Die Anzahl der Bürger, die vom Hausärztemangel betroffen und bedroht sind, ist in den vergangenen Jahren drastisch angestiegen. Eine Studie des Hausärzteverbandes PLO zeigt, dass im März 2019 rund 1,8 Millionen Menschen in Dänemark in den betroffenen Gebieten lebten.

„Unfall in Zeitlupe“

Derzeit haben 127.000 Bürger in Dänemark keinen festen Hausarzt – und diese Zahl wird sich in wenigen Jahren mehr als verdoppeln, so die Einschätzung des Ärzteverbandes.
Deshalb müssten Hausärzte im Alter über 60 dringend weiter machen. Erst für das Jahr 2030 rechnen die Ärzte damit, dass genügend Nachwuchsmediziner ausgebildet sind, um den Ärzteschwund zu stoppen.

„Diesen Fachärztemangel sich ausbreiten zu sehen, war, als würde man einem Unfall in Zeitlupe zusehen“, so Rudkjøbing.

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