Dansk-tysk med Matlok

Reinhard Meyer zu Gast bei Matlok

Reinhard Meyer zu Gast bei Matlok

Reinhard Meyer zu Gast bei Matlok

DN
Schwerin
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Finanzminister Reinhard Meyer beim Schweriner Gespräch mit Siegfried Matlok Foto: DK4

30 Jahre nach dem Mauerfall spricht Siegfried Matlok im DK4-Interview mit dem Finanzminister von Mecklenburg-Vorpommern, Reinhard Meyer.

Er war Minister in Schleswig-Holstein und ist jetzt Finanzminister in Mecklenburg-Vorpommern.

Reinhard Meyer (SPD) zieht folgenden Vergleich zwischen Kiel und Schwerin: „In Schleswig-Holstein war die Stimmung besser als die Lage, und in Mecklenburg- Vorpommern ist es genau umgekehrt.“

30 Jahre nach dem Mauerfall verweist der frühere Wirtschafts- und Verkehrsminister im Kabinett Albig darauf, dass die Schleswig-Holsteiner– genau wie die Dänen – zu den glücklichsten Menschen gezählt werden. „In Mecklenburg-Vorpommern sieht es anders aus: Es ist zwar unfassbar viel erreicht worden, aber der Stolz darüber, was die Menschen im Osten erreicht haben, ist nicht so ausgeprägt wie im Westen. Ich würde mir wünschen, dass man ganz nüchtern aber auch ganz stolz darauf blickt, was man geschafft hat, denn das ist eine ganze Menge", so der SPD-Finanzminister Mittwochabend in der Sendung „Dansk-tysk med Matlok“ im Fernsehsender DK4.

Nach Ansicht des Ministers wurden nach der Wende auch von der Treuhand Fehler begangen, aber man müsse beachten, welche Alternativen es damals gegeben hat – auch bei der Umstellung von der Ostmark auf die DM.

„Da sind damals ökonomische Dinge gelegt worden, die zu den Schwierigkeiten in den DDR-Firmen geführt haben, die entweder über- oder unterbewertet und deshalb am Markt nicht mehr wettbewerbsfähig waren. Die Losung der Treuhand, erst zu privatisieren und dann zu sanieren, war sicherlich ein Fehler, denn dadurch wurde ein industrieller Kern der DDR-Wirtschaft zerstört. Das aufzuholen war wahnsinnig schwierigund ist bis heute teilweise nicht ganz gelungen. Die Umbrüche, die an anderen Stellen erforderlich waren, sind für die Menschen natürlich sehr hart gewesen“, so der Minister, der als Beispiel die Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern nennt, die vor 1990 rund 200.000 Mitarbeiter hatte, doch 1995 waren in den nun großflächigen Betrieben nur noch 20.000 übrig, mit anderen Worten innerhalb kürzester Zeit haben nur noch 10 Prozent ihren Job in derLandwirtschaft behalten.

Das zeigt die ganze Dimension. Dass heute viele Menschen in Ostdeutschland noch immer Probleme mit der deutschen Einheit haben und deshalb noch heute nicht zufrieden sind, hängt nach den Worten des 1959 in Bonn geborenen Finanzministers damit zusammen, „dass viele Menschen in der DDR sich vielleicht als Bürger zweiter Klasse empfinden und dass ihre Biografien nicht so geachtet werden wiebei denjenigen aus dem Westen“.

„Hinzu kommt, dass viele ihren Arbeitsplatz verloren haben. Dieses Gefühl, von heute auf morgen ohne Beschäftigung zu sein, musste erst gelernt werden, und viele Biografien mussten umgeschrieben werden. Es gibt noch unheimlich viele Menschen in der alten Bundesrepublik, die noch nie in Ostdeutschland gewesen sind. Obwohl es banal klingt, aber man braucht noch mehr Erfahrungsaustausch zwischen Ost und West für das gegenseitige Verständnis.“ Als Beispiel nennt Meyer einen Studienkamerad, der heute in Baden-Württemberg Bürgermeister ist. Sein Erfahrungshorizont am Rhein sei jedoch ein ganz anderer als dereines Ostdeutschen.

Anerkennung für dänische Investitionen

Auf die Frage, wie er heute die dänischen Investitionen nach 1990 in Mecklenburg-Vorpommern beurteilt, antwortet Minister Meyer, „dass diese Investitionen zum Teil noch heute da sind“. In diesem Zusammenhang nannte er den Schlachthof von „Danish Crown“ in Teterow. „Viele der dänischen Unternehmen wie z. B. Netto, die hier investiert haben, taten dies seriös und insofern kann man feststellen, dass dänische Unternehmen in Ostdeutschland und speziell in Mecklenburg-Vorpommern zur Stabilisierung der Wirtschaft beigetragen haben.“

Im Interview geht es u. a. um die noch bestehende innere Spaltung in Ost und West, um die schwächelnde SPD und um die Gründe für die hohen Gewinne der AfD, aber auch um die schwarze Haushalts-Null im Bund und in den Ländern sowie um die Forderung der europäischen Nachbarn nach mehr deutschen Investitionen angesichts hoher Leistungsbilanz-Überschüsse.

Das Interview mit Finanzminister Meyer in voller Länge:

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