Grenzkontrollen

Flensburg von Einreise-Stopp „kalt erwischt“

Flensburg von Einreise-Stopp „kalt erwischt“

Flensburg von Einreise-Stopp „kalt erwischt“

Flensburg/Apenrade
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Menschen warten bei der mobilen Teststation bei der Diako in Flensburg. Foto: Karsten Sørensen

Die langen Schlangen an Teststationen südlich der Grenze bereiten im Rathaus Sorgen – auch, weil sie ein Infektionsrisiko darstellen. Oberbürgermeisterin Lange hätte sich eine Vorwarnung aus Kopenhagen gewünscht – und schreibt nun an die Regierungschefin.

Im Flensburger Rathaus ist das Erstaunen groß: Am Freitagabend hat die dänische Regierung die Corona-Testregeln für die Einreise nach Dänemark ohne Vorwarnung verschärft. Plötzlich sind auch die rund 12.000 Grenzpendler und die ungezählten Menschen betroffen, die bisher mit sogenanntem „triftigen Grund“ nach Dänemark einreisen konnten, zum Beispiel um den Partner oder enge Verwandte zu besuchen.

„Wir sind eine Region, wir haben in Teilen einen gemeinsamen Arbeitsmarkt, und dann ist es doch viel einfacher, die Dinge gemeinsam anzugehen, anstatt, dass die eine Seite die andere Seite vor vollendete Tatsachen stellt und die dann am Wochenende noch gucken muss, wie sie reagieren kann“, sagt Flensburgs Stadtsprecher Clemens Teschendorf am Montag im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

„... das hat uns schon nachdenklich gemacht“

„Eine gezielte Information wäre da hilfreich gewesen“, sagt er, „denn es hat uns am Wochenende, das kann man wirklich sagen, kalt erwischt“. Dass man vom Partner im Norden, mit dem es sonst eine enge Zusammenarbeit auch im täglichen gebe, überhaupt nicht informiert wurde, „das hat uns schon nachdenklich gemacht“, sagt Teschendorf – und kündigt an, dass das jetzt auch in einem Brief von Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) an Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen (Soz.) und Außenminister Jeppe Kofod (Soz.) zum Ausdruck gebracht werden soll.

Die Maßnahmen an sich seien vollkommen „nachvollziehbar in diesen Zeiten“, unterstreicht Teschendorf, doch im Flensburger Rathaus hätte man sich gewünscht, zumindest vorgewarnt zu werden, „weil wir dann vielleicht auch die Möglichkeit gehabt hätten, in irgendeiner Form zu unterstützen und auch den vielen, die auch bei uns angerufen haben, eine Auskunft zu geben.“

Region Süddänemark will schnell reagieren

Im Rathaus habe man selbst erst herausfinden müssen, wie die Regelungen aussehen. „Ein Stück weit ist es dann aber auch die Aufgabe der Arbeitgeber, ihren Mitarbeitern einen Hinweis zu geben, was erforderlich ist, damit sie dann auch zum Arbeitsplatz kommen“, nimmt Teschendorf die öffentlichen und privaten Arbeitgeber auf dänischer Seite in die Pflicht.

Die Region Süddänemark war offensichtlich ebenfalls von dem Regierungsbeschluss überrascht worden und reagierte am Sonnabend mit der Ankündigung, kostenlose Tests ermöglichen zu wollen. Konzerndirektor Kurt Espersen sagte: „Das Ganze passierte sehr schnell, und wir arbeiten unter Hochdruck an einer langfristigen Lösung, unter anderem daran, dass Bürger an verschiedenen Stellen die Grenze queren können und dass man für einen Test nicht zahlen muss. Wir hoffen, eine Alternative so schnell wie möglich anbieten zu können."

Der Stadt Flensburg sei am Wochenende derweil nichts anderes übrig geblieben, als auf die grenznahen Teststationen privater Anbieter zu verweisen – an denen sich, wie berichtet, lange Schlangen bildeten.

Sorgen um Infektionsrisiko in den Warteschlangen

„Das war natürlich auch, was etwa die Abstände und Hygieneregeln angeht, nicht ganz unproblematisch“, so der Stadtsprecher. In Deutschland gelte schließlich derzeit die Regel, dass jeder Haushalt nur mit einer externen Person zusammenkommen darf – „auf der anderen Seite führen dann solche Sachen dazu, dass wir hier Gruppen-Ansammlungen von über 100 Menschen haben, die da dicht stehen“, ärgert sich Teschendorf. „Hätte man das vorher gewusst, hätte man da ganz anders vorbereitet sein können“, meint er.


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