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Kultur nimmt wieder Kurs auf

Kultur nimmt wieder Kurs auf

Kultur nimmt wieder Kurs auf

Katja Elsberger
Region Sønderjylland-Schwesig
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Anne Lildholdt Jensen und Janus Kodal
Künstlerin Anne Lildholdt-Jensen und Dichter Janus Kodal vor ihrem gemeinsamen Werk „Zwei Stimmen“ Foto: Katja Elsberger

Das deutsch-dänische Miteinander stärken: Das ist die Aufgabe von zehn Projekten in der Region Sønderjylland-Schleswig, die 2020 wieder durch „KursKultur“-EU-Mittel gefördert werden. Auch vier Projekte, an denen die deutsche Minderheit in Dänemark beteiligt ist, bekommen Interreg-Geld.

Projektplaner im deutsch-dänischen Grenzland können sich für eine Förderung durch den Transport- und Sofortpool von KursKultur 2.0 bewerben. Die nächste Antragsfrist des Kultur- und Netzwerkpools endet am 27. Februar 2020. Weitere Informationen, Antragsformulare und Kriterien finden Interessierte unter Kulturfokus.de

Für die Stärkung des grenzüberschreitenden Miteinanders erhalten zehn Projekte in der Region Sønderjylland-Schleswig eine Interreg-Fördersumme von 140.335 Euro. Die Projektideen sind vielfältig, dennoch steht ein Thema im Mittelpunkt: die demokratische Grenzziehung vor 100 Jahren.

Für jede Altersgruppe gibt es im Jahr 2020 Projekte, die sich mit dem Ereignis beschäftigen. „Für uns sind insbesondere Projekte wichtig, die Bürger auf die kulturelle Vielfalt des Grenzlandes aufmerksam machen. Außerdem stehen Erlebnisse und Begegnungen über Grenzen hinweg im Vordergrund, um auch einen Dialog über wichtige Zukunftsthemen im Grenzland möglich zu machen“, so Ingo Degner, Vorsitzender des Bewilligungsausschusses aus dem Kreis Schleswig-Flensburg.

In vier Projekte in Nordschleswig – Begegnungen im Grenzland, „Der Krug an der Wiedau – Der Film“, ein Fest der Freundschaft und „Stoff-Wechsel-Grenzüberschreitend“ – ist auch die deutsche Minderheit in Dänemark beteiligt.

1. Begegnungen im Grenzland

In vielen Grenzregionen der Welt herrschen Unruhen und Konflikte. An der deutsch-dänischen Grenze hingegen leben die Menschen friedlich miteinander. „Friedliches Zusammenleben braucht Zeit und Menschen, die es wirklich wollen und Engagement zeigen – denn es passiert nichts von selbst!“, erkärt Büchereidirektorin Claudia Knauer.

Von friedlichem Zusammenleben und der Verbindung von Sprache und Kultur handelt das Projekt „Begegnungen im Grenzland“. Partner des Projektes sind die Sønderborg Bibliotek, Kunst & Co – Verein für Gegenwartskunst/Flensburg und der Verband Deutscher Büchereien Nordschleswig. Für das Projekt werden etwa 14.000 Euro von KursKultur 2.0 zur Verfügung gestellt.

Künstler, Schriftsteller und Dichter setzen sich bei diesem Projekt mit dem Leben im Grenzland auseinander. Anstoß zu diesem Projekt gab der bildende Künstler Lars Waldemar, der die Idee hatte, Farben, Formen und Worte zu kombinieren.

Bei „Begegnungen im Grenzland“ sind jeweils sechs bildende Künstler und sechs Autoren oder Dichter dabei, die jeweils in Zweierteams zusammenarbeiten und ein gemeinsames Werk aus Kunst und Sprache erschaffen. Mit am Projekt beteiligt ist unter anderem die bekannte Schriftstellerin Dörte Hansen, die mit der bildenden Künstlerin Heike Jacobsen zusammenarbeitet.

„Manchmal haben sich die Partner getroffen und ihre Ideen ausgetauscht – einige Paare kennen nur die Werke des anderen“, erzählt Knauer. Bei den Ausstellungen werden dann die Kunstwerke und dazu passenden Schriftstücke gezeigt.

„Wir wünschen uns, dass alle vorbeischauen, die Lust haben, sich auf Kunst und Texte einzulassen!“, so Knauer. Mit den Kunstwerken, Gedichten und Texten werden Stücke geschaffen, die beständig sind und auch in Zukunft von Interessierten betrachtet und gelesen werden können.

Wir haben zwei Sprachen, zwei Kulturen, und das ist auch gut zu zeigen.

Claudia Knauer

In einem Katalog werden zudem die Kunstwerke und die Texte nebeneinander abgebildet. Dabei legen die Initiatoren besonderen Wert darauf, dass die Texte nicht übersetzt werden. Die Schriftstücke werden im Urzustand belassen. Dahinter steckt eine klare Botschaft: „Wir haben zwei Sprachen, zwei Kulturen, und das ist auch gut zu zeigen“, so die Büchereidirektorin.

Die Künstlerin Anne Lildholdt Jensen hat für die Ausstellung sechs Aquarelle angefertigt – getextet hat hierzu der Dichter Janus Kodal. Der Schriftsteller, der in Apenrade seine Kindheit verbracht hat, erinnert sich gerne an die Kerzenlichter zurück, die traditionell am 4. Mai in den Fenstern leuchten.

Inspirieren ließ sich Kodal von alten dänischen Gedichten. „Zwei Stimmen“ heißt eines der Werke, die Lildholdt Jensen und Kodal bei den Ausstellungen präsentieren werden. Dem Betrachter wollen die beiden Interpretationsspielraum lassen: „Jeder Zuschauer verbindet eine ganz eigene Geschichte mit den Ereignissen im Grenzgebiet.“

Die Ausstellung startet im neuen Jahr. Von 10. Februar bis 10. März findet sie im „Multikulturhuset“ in Sonderburg statt. Die „Deutschen Zentralbücherei Apenrade“ ist von 11. März bis 11. April Gastgeber für die Ausstellung. Im „Bispen“ in Hadersleben können die Werke von 16. April bis 13. Mai und im Seminarhaus im Ribe von 18. Mai bis 12. Juni betrachtet werden. Von 15. Juni bis 12. Juli werden die Werke im Kunst und Co. in Flensburg ausgestellt.

2. „Der Krug an der Wiedau – Der Film“

Mit dem Leben im Grenzland beschäftigt sich auch das Projekt „Der Krug an der Wiedau – Der Film“. Bei diesem Projekt arbeiten der Bund Deutscher Nordschleswiger und das Nordfriisk Teooter e. V. unter der künstlerischen Leitung von Gary Funck zusammen. Das Projekt kann von 30.000 Euro profitieren, die von KursKultur 2.0 zur Verfügung gestellt werden.

Bereits in den Jahren 2010 und 2011 wurde die Hörspielreihe „Krug an der Wiedau“ vom Interreg-Projekt „Kulturbrücke-Kulturbro“ der Region Sønderjylland-Schleswig gefördert und von den damaligen Projektpartnern produziert und veröffentlicht.

Es ist ein einzigartiges Projekt, weil es die traditionellen Sprachen der Regionen beinhaltet und die Vielfalt der Sprache auf humoristische Art und Weise zeigt.

Ulf-Mikael Iwersen

Zum 100. Geburtstag Jubiläum der Grenzziehung soll das Hörspielprojekt auf die Leinwand gebracht werden. „Es ist ein einzigartiges Projekt, weil es die traditionellen Sprachen der Regionen beinhaltet und die Vielfalt der Sprache auf humoristische Art und Weise zeigt“, so der Kulturkonsulent Ulf-Mikael Iwersen. Denn innerhalb der EU ist diese sprachliche Vielfalt auf so engem Raum ein einzigartiges Phänomen.

Die Geschehnisse im Film spielen sich in einem fiktiven Dorfkrug an der Westküste Schleswigs ab. Direkt an der Wiedau und somit auf der deutsch-dänischen Grenze gelegen, werden dort die fünf Sprachen Reichsdänisch, Sønderjysk, Friesisch, Plattdeutsch und Hochdeutsch gesprochen. Natürlich herrscht dadurch im Krug ein heilloses Durcheinander, das Außenstehende nicht verstehen können – in einer Region, in der sich Jüten, Friesen und Deutsche im selben Dorfkrug treffen, ist dies hingegen Alltag.

Im Film werden kulturelle, politische und gesellschaftliche Themen behandelt, die an der Westküste Gesprächsthema sind. Ziel ist es, einen Film zu produzieren, der das Publikum zum Lachen bringt und zum Denken anregt. „Wer bereits dem Hörspiel gelauscht hat, wird im Film einige Charaktere wiedererkennen“, so Iwersen und verspricht zudem: „Die Schauspieler werden Bezug zum Grenzland haben, um die Authentizität des Projektes so hoch wie möglich zu halten.“ Regionale Prominente aus Gesellschaft und Politik sollen durch Gastrollen in das Projekt eingebunden werden.

Den Initiatoren ist klar, dass wohl kaum jemand alle diese Sprachen verstehen kann. Die Vielfalt der Sprachen und die Gemeinsamkeiten in der Kultur und Mentalität über Ländergrenzen hinweg soll verdeutlicht werden. Die Handlung ist auch ohne tiefe Kenntnisse aller gesprochenen Sprachen und Idiome möglich. Zur Unterstützung wird es deutsche und dänische Untertitel geben.

Die Fertigstellung des Films ist für November 2020 geplant. Anschließend soll das Westküsten-Projekt in der gesamten Region Sønderjylland-Schleswig, bevorzugt in kleinen regionalen Kinos, gezeigt werden. Zudem wird der Film auch frei im Internet zur Verfügung gestellt.

3. Ein Fest der Freundschaft

Um die kulturelle Vielfalt des Grenzlandes mit seinen Minderheiten und Mehrheiten zu feiern, wird im Rahmen des Projektes „Fest der Freundschaft – Moin verbindet die Schätze der Region“ ein großes, eintägiges Fest veranstaltet. Mit im Programm sind viele Aktionen, die durch einen Förderbetrag von 14.500 Euro ermöglicht werden. Stattfinden wird die Veranstaltung am 6. Juni in Solitüde in Flensburg. Projektpartner sind der Deutsche Schul- und Sprachverein für Nordschleswig, der ADS-Grenzfriedensbund e. V. und die Dansk Skoleforening for Sydsleswig e. V.

4. „Stoff-Wechsel-Grenzüberschreitend“

„Stoff-Wechsel-Grenzüberschreitend“ heißt das Projekt, bei dem Teilnehmer aus Deutschland und Dänemark im April 2020 ein gemeinsames Wochenende verbringen. Die deutsch-dänischen Tandems nähen, stricken und filzen zusammen. Die angefertigten Textilien werden am Ende der Woche ausgestellt. Begleitet wird das Projekt von Studierenden der Europa-Universität Flensburg, die eine Projektdokumentation erstellen. Projektpartner sind zudem die Tønder Kulturskole, die Nibøl Danske Sole und die Ludwig-Andresen-Schule Tondern. Das Projekt erhält etwa 5.800 Euro.

Weitere Projekte

Des Weiteren profitieren die Projekte „Zwei Städte – eine Geschichte“, Masterclass in Chorleitung, Mobiles Kurzfilmkino 2020, Folgen der Teilung Schleswig und Kaleidoskop.

Beim Projekt „Zwei Städte – eine Geschichte“, durchgeführt von der Agentur Flensburger Förde (TAFF) und dem Tourismusbüro Sonderburg, werden Touristen an die gemeinsame Geschichte der Städte heranführen. In Workshops erarbeiten deutsche und dänische Stadtführer die Historie bis 1920, um diese dann Touristen zu vermitteln. „Zwei Städte – eine Geschichte“ wird mit 4.400 Euro aus dem Fördertopf unterstützt.

Eine Masterclass in Chorleitung für ihre Studierenden bieten die Musikhochschule Lübeck und Det Syddanske Musikkonservatorium (SDMK) Esbjerg in Kooperation an.

Das Volkstreffen wird in Ribe am Christi-Himmelfahrtswochenende im Mai 2020 stattfinden. Die Masterclass kann von 6.700 Euro profitieren. Das jährliche UngDanmark-Treffen soll anlässlich des 100. Jahrestages der Grenzziehung in 2020 zu einer deutsch-dänischen Veranstaltung in Sonderburg werden. Die Sønderborg Ungdomsskole und die Ostseeschule Flensburg laden im Rahmen des Projektes „Human Atlas of co-existence“ insgesamt 200 Jugendliche dazu ein, sich mit den Themen Ausbildung, Demokratie und Koexistenz zu beschäftigen. Zur Verfügung gestellt werden von KursKultur 2.0 etwa 20.000 Euro.

Mit der Frage „Was ist typisch deutsch, was typisch dänisch?“ setzt sich das Mobile Kurzfilmkino 2020 auseinander. Der Plan ist, das Minikino bei Festivals und Stadtfesten im Grenzland einzusetzen. Das Filmprogramm wird gemeinsam mit Odense International Film Festival, der Theaterwerkstatt Pilkentafel und Karsten Wiesel, dem künstlerischen Leiter der Flensburger Kurzfilmtage, zusammengestellt. Gefördert wird das Projekt mit 12.700 Euro.

Das Landesarchiv Schleswig-Holstein und das Rigsarkivet Apenrade planen ein Seminar, das sich mit den langfristigen Folgen der Teilung Schleswigs beschäftigt. Dafür erhalten die Veranstalter 4.000 Euro. Auf dem Programm stehen Vorträge von dänischen und deutschen Fachleuten. Stattfinden wird das Seminar am 27. März im Landesarchiv und am 28. März im Riksarkivet.

„Wir und die“, „das Deutsche und das Dänische“ und das „gemeinsame Dritte“: Davon handelt ein Musik- und Theaterprojekt für Kinder- und Jugendliche, das sich ebenso mit der Grenzziehung auseinandersetzt. Partner des Projekts sind die Kulturschule Tondern und die Kreismusikschule Nordfriesland. Durchgeführt wird das Projekt, das mit 26.800 Euro gefördert wird, von Januar bis November 2020.

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