Jubiläumsjahr 2020

Multimediale Zeitreise als Gebäudeprojektion

Multimediale Zeitreise als Gebäudeprojektion

Multimediale Zeitreise als Gebäudeprojektion

Apenrade/Aabenraa
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Mit ihrem Kunstcontainer war Karen Thastum u. a. bereits im litauischen Klaipeda. Foto: Pressefoto

Das Gemäuer des Apenrader Reichsarchivs dient in den nächsten Wochen als „Leinwand“ für ein Kunstprojekt. Anlässlich des Jubiläumsjahres 2020 der Grenzziehung befasst sich eine Kunstinstallation mit dem „Land zwischen Grenzen“.

Das Plakat zur Kunstinstallation

Ein Kunstcontainer ist auf dem Weg nach Apenrade. Er enthält viel Material in Ton und Bild für eine Gebäudeprojektion zum Thema „Land zwischen Grenzen“, die am kommenden Freitag, 29. Mai, erstmals die Außenmauern des Reichsarchivs am Haderslevvej als „Leinwand“ für die Kunstinstallation ziert.

Viele geplante Veranstaltungen sind wegen des Coronavirus in den vergangenen Wochen und Monaten bereits verschoben, geändert oder gar abgesagt worden. Die gemeinsame Kunstinstallation von Karen Thastum und Anne Lildholdt Jensen indes kann fast wie geplant durchgeführt werden, schließlich findet die Gebäudeprojektion unter freiem Himmel statt.

Abgesehen von den Fensteröffnungen gleicht der Kunstcontainer einem schönen 20-Fuß-Transportcontainer. Foto: Pressefoto

Auf den Dachböden gestöbert

Die beiden Künstlerinnen wollen das Publikum auf eine audiovisuelle Zeitreise mitnehmen. Ausgangspunkt ihres gemeinsamen Kunstprojekts ist das Jubiläumsjahr 2020.

Karen Thastum und Anne Lildholdt haben nicht nur in den Fotoalben, auf den Dachböden und in den Schubladen ihrer eigenen Familien gestöbert – sie sind übrigens Kusinen zweiten Grades, sondern haben auch auf Material des Apenrader Reichsarchivs zurückgreifen können. Darüber hinaus haben sie Meinungen und Stimmen der jungen Generation zum Thema eingeholt.

Dass sie sich die Mauern des Reichsarchivs für ihr Projekt ausgesucht haben, ist sicherlich kein Zufall. Hier ist viel historisches Material aus der Zeit um 1920 archiviert. Frode Gribsvad, Großvater mütterlicherseits von Karen Thastum, war bis 1960 erster Leiter des damaligen Landesarchivs.

Die Corona-Krise war auch nützlich

Natürlich war das Coronavirus auch für die beiden Künstlerinnen während der Schaffensphase ein Thema. Würden sie das Projekt überhaupt durchführen können? Diese bange Frage schwang lange wie ein Damoklesschwert über den beiden kreativen Häuptern. Schließlich befand sich Karen Thastum zum Zeitpunkt des Shutdowns in ihrem Hauptwohnsitz in Berlin.

„Allerdings hat uns die (Corona-)Krise auch viel Zeit gegeben, um das Material zu sichten, um alte Briefe und die Quellenpakete des Reichsarchivs aus der Zeit um 1920 zu lesen“, sagt Karen Thastum.

„Es war für uns eine spannende Zeitreise, die wir jetzt mit den künstlerischen Projektionen am Abend auch dem Publikum vermitteln wollen. Die geschlossene Grenze (im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen, red. Anm.) wurde für mich nahezu ein Symbol für das Nordschleswig in der Zeit unter dem Ersten Weltkrieg, als die Grenze ja eigentlich auch geschlossen war“, sagt Thastum.

Vor einigen Jahren erarbeitete Karen Thastum gemeinsam mit Schülern der 10.Aabenraa ein Theaterstück zum Thema „Grenzen“. Foto: Pressefoto

Ein zusätzliches Aha-Erlebnis

Ein weiterer Aspekt wurde ihr bei der Sichtung des Materials vor Augen geführt. „Ich habe nicht nur ein unglaublich reiches und nuanciertes Bild der geschichtlichen Ereignisse erhalten, sondern mir wurde auch klar, wie anders das Leben der Frauen vor 100 Jahren war“, sagt Karen Thastum.

Auch wenn Karen Thastum zuletzt 3.000 Kilometer mit dem eingangs erwähnten Kunstcontainer und verschiedenen Projekten über Berlin, Estland und Lettland durch ganz Skandinavien und Grönland gereist ist und ihren Hauptwohnsitz und ihre künstlerische Basis auf die Metropole Berlin verlegt hat, kehrt sie immer mal wieder gerne in die alte Heimat zurück, wo sie bereits mehrere audiovisuelle Kunstprojekte durchgeführt hat – häufig mit ihrer sogenannten „Kuss-Kusine“ Anne Lildholdt.

Ihre Verwandte ist zwar in der Heimat geblieben, ist aber ebenfalls vielfältig kreativ tätig u. a. als Künstlerin, als Kunstlehrerin und als (Mit-)Veranstalterin verschiedener Aktionen im Grenzland.

Premiere am Freitag

Die gemeinsame Kunstinstallation mit dem Titel „Land zwischen Grenzen“ (Originaltitel: „Land mellem Grænser“) wird am kommenden Freitag, 29. Mai, von 21 bis 23 Uhr erstmals an das Gebäude des Reichsarchivs projiziert. Die multimediale Zeitreise wird bis zum 9. Juni jeweils zur selben Uhrzeit dort zu sehen sein. Die beiden Künstlerinnen hoffen, dass die Corona-Lockerungen zu der Zeit auch eine nette Finissage ermöglichen.

Das Kunstprojekt wurde mit Mitteln der Kommune Apenrade und der staatlichen Stiftung „Statens Kunstfond" gefördert.

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