Corona-Krise

Öffnungszeiten der kleinen Grenzübergänge unpassend

Öffnungszeiten der kleinen Grenzübergänge unpassend

Öffnungszeiten der kleinen Grenzübergänge unpassend

Brauderup/Broderup
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Das Foto stammt vom Shutdown im vergangenen Jahr, ist aber wieder aktuell: Der Grenzübergang Pepersmark ist zwar nicht komplett geschlossen, die Öffnungszeit von 10 bis 18 Uhr ist allerdings ein Problem für Berufspendler, die früh zur Arbeit müssen. Foto: kjt (Archiv)

Wer in der Nähe eines kleinen Grenzübergangs wohnt und kurz hinter der Grenze arbeitet, kommt normalerweise schnell hin. Wegen geschlossener oder zeitlich eingeschränkter Übergänge ist das im Moment anders. Manche Berufspendler müssen einen Umweg und Zeitverlust in Kauf nehmen. Eine Brauderuperin kann ein Lied davon singen.

Jeden Tag erst nach 10 Uhr bei der Arbeit anfangen. Das wäre doch was!

Muss man über den Grenzübergang Pepersmark (Pebersmark), dann kommt man vorher nicht hinüber.

Wegen der Corona-Restriktionen ist der Übergang nur von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Andere kleine Übergänge sind komplett gesperrt.

Nach 10 Uhr mit dem Job zu beginnen, das funktioniert natürlich nicht, und das macht auch der Arbeitgeber in der Regel nicht mit.

Menschen, die normalerweise den Pepersmarker Übergang nutzen, um schnell zur Arbeit auf der anderen Seite der Grenze zu kommen, müssen morgens einen Umweg in Kauf nehmen.

So verhält es sich bei Kerstin Mikkelsen aus Brauderup (Broderup).

Autobahn statt Landstraße

Sie ist Lehrerin und arbeitet an der Medelbyer Schule südlich der Grenze. Sie fährt momentan über den Autobahngrenzübergang Fröslee (Frøslev), um so ihren Arbeitsplatz zu erreichen.

„Normalerweise fahre ich über den Übergang in Sophienthal. Der ist momentan aber ganz geschlossen. Der Übergang in Pepersmark wäre eine Alternative. 10 Uhr ist für mich aber viel zu spät“, berichtet Kerstin Mikkelsen.

Kerstin Mikkelsen aus Brauderup muss wegen der coronabedingten Schließung kleiner Grenzübergänge mehr Zeit einplanen, wenn sie sich zu ihrem Arbeitsplatz in Medelby begibt. Eine Öffnungszeit ab 10 Uhr in Pepersmark kann sie überhaupt nicht gebrauchen. Foto: DN (Archiv)

Über den Sophienthaler Übergang braucht sie gerade einmal 15 Minuten bis zum Arbeitsplatz. Über Pepersmark geht es immer noch recht schnell, wie sie sagt.

Nun muss sie bis zu 45 Minuten und einen großen Umweg in Kauf nehmen, um nach Medelby zu kommen.

Für sie und viele andere, die die kleinen Übergänge normalerweise nutzen, ist es ein Déjà-vu.

Schon beim Shutdown im vergangenen Jahr wurden alle kleinen Übergänge geschlossen.

Die verschiedenen Strecken von Brauderup nach Medelby. Die grüne Strecke über Sophienthal zu ihrem Arbeitsplatz südlich der Grenze ist für Kerstin Mikkelsen der kürzeste Weg. Er ist wegen des geschlossenen Übergangs zurzeit nicht möglich. Blau ist die Alternative über Pepersmark. Diese Strecke kommt morgens allerdings nicht infrage, da die Passage erst ab 10 Uhr möglich ist. Rot zeigt die Strecke, die die Brauderuperin im Moment am Morgen fährt, um nach Medelby zu kommen. Foto: DN/Maps

„Ich habe mich bei der Polizei und auch bei der Corona-Hotline gemeldet, um zu erfahren, ob eine Sondergenehmigung zu bekommen ist. Es konnte mir aber niemand eine konkrete Auskunft geben“, so die Brauderuperin.

Für die kleinen Übergänge haben Landwirte, die Ländereien auf der anderen Seite der Grenze erreichen müssen, eine Sondererlaubnis für das Passieren.

Keine Sondererlaubnis vorgesehen

Könnte sie nicht auch so eine Genehmigung bekommen, fragt sich Kerstin Mikkelsen.

Das kann sie voraussichtlich nicht, teilt Helle Lundberg, Kommunikationschefin der Polizei für Südjütland und Nordschleswig, auf Anfrage mit.

„Es ist nicht vorgesehen, dass Grenzpendler eine Sondergenehmigung erhalten. Man kann natürlich einen Antrag an die Polizei oder ans Ministerium stellen. Nach unseren Informationen gelten Sondergenehmigungen aber ausschließlich für Landwirte, damit sie mit ihren großen Maschinen auf direktem Weg über die Grenze gelangen können“, so Lundberg.

Eine Alternative wäre eine Änderung der Öffnungszeit in Pepersmark.

„Wenn man dort um 7 oder um 8 Uhr hinüber könnte, wäre das schon eine große Hilfe“, sagt Kerstin Mikkelsen.

Wenn man dort um 7 oder um 8 Uhr hinüber könnte, wäre das schon eine große Hilfe.

Kerstin Mikkelsen

Quasi Schirmherr für die coronabedingte Schließung und nur teilweise Öffnung der kleinen Grenzübergänge ist das dänische Justizministerium.

An das Ministerium hat „Der Nordschleswiger“ unter anderem die Frage gestellt, ob für Ortsansässige eine Sondergenehmigung für die Grenzpassage in Pepersmark oder eine frühere Öffnung aufgrund der Verzögerungen in Betracht gezogen wird.

Pressesprecher Jakob Kronborg vom Ministerium verweist wiederum an die Polizei, die für die praktische Handhabung an den Grenzübergängen zuständig ist.

Die Frage ist daraufhin an die Grenzpolizeieinheit „Udlændingekontrolafdeling Vest“ (UKA Vest) und dessen Leiter Brian Fussing weitergereicht worden. Eine Antwort steht noch aus.

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