Leitartikel

„Kontinuität und Entwicklung beim LHN“

Kontinuität und Entwicklung beim LHN

Kontinuität und Entwicklung beim LHN

Nordschleswig/Apenrade
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Jørgen Popp Petersen gibt den Vorsitz im Landwirtschaftlichen Hauptverein Nordschleswig ab. Der 57-Jährige hat zwei Jahrzehnte lang den Verband geprägt. Geht es auch ohne Popp?, fragt Chefredakteur Gwyn Nissen.

Eigentlich kann man sich den Landwirtschaftlichen Hauptverein Nordschleswig ohne Jørgen Popp Petersen kaum vorstellen. Fast 20 Jahre lang war er Vorsitzender und treibende Kraft im LHN, doch jetzt ist nach einem großen und markanten Arbeitseinsatz Schluss.

Die Entscheidung Popps ist nachvollziehbar und verständlich. Er hat sich schon seit Jahren einer Vierfach-Belastung als Landwirt, Kommunalpolitiker, LHN-Vorsitzender und Familienvater ausgesetzt. Dieser Einsatz geht an die Grenze der Belastbarkeit – auch bei einem fitten Vorsitzenden wie Jørgen Popp Petersen, zumal der LHN-Vorsitzende durch seine Funktion auch andere Ämter in der Landwirtschaft bekleidet. Nun stellt Popp Petersen selbst die Weichen für seine neue Zukunft außerhalb des LHN, wo er seit Jahrzehnten eine inspirative und treibende Kraft gewesen ist.

Jørgen Popp Petersen ist ein moderner und traditionsbewusster Landwirt zugleich, wobei die Tradition der Entwicklung nie im Wege stehen darf. Zwar ist der LHN, wie der Name sagt, ein Verein, aber es geht hier primär um Beratung, Service und Politik in einer Branche, die ständig herausgefordert ist. Die Mitglieder (Landwirte) zahlen nicht Tausende von Kronen, um sich zum Kaffee zu treffen, sondern sie verlangen von Leitung und Mitarbeitern im LHN eine zeitgemäße und professionelle Beratung, die mindestens auf gleicher Höhe ist, wie in anderen Landwirtschaftsvereinen.

Auch – und besonders – für den LHN gilt, dass es nicht reicht, „nur“ ein Minderheiten-Angebot zu sein. Dass das auch nicht der Fall ist, sondern dass sich der LHN über die Jahre immer weiter entwickelt hat, ist zu großen Teilen auch ein Verdienst Popp Petersens an der Spitze des landwirtschaftlichen Hauptvereins. Er hat sowohl für die nötige Ruhe und Stabilität gesorgt, als auch für innovative Sprünge.

Der deutsche Landwirtschaftsverein hat sich, um sich weiterentwickeln und die gewünschten Angebote anbieten zu können, selbst hohe Ziele gesteckt. Darüber hinaus hat sich der LHN zum einen an neue dänische Kooperationspartner gewandt und sich zum anderen gleichzeitig auch für örtliche Landwirte aus der Mehrheitsbevölkerung geöffnet. Beides stärkt das Angebot des LHN und dessen Zukunft als Beratungsstelle.

Wie schon sein Vorgänger Hinrich Jürgensen (heute Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger) hat auch Popp Petersen für seinen offenen und pragmatischen Stil den Respekt der dänischen Seite verdient. So sehr, dass er sogar Posten bekleidet, wie zum Beispiel den Vorsitz der Tierschau, die über Jahrzehnte nur an dänische Landwirte gingen.

In der dänischen Wirtschaft wird oft der alte Leitsatz von A. P. Møller (Mærsk) hervorgehoben: Rettidig omhu – rechtzeitige Sorgfalt. Auch das beweist der LHN nun durch den Wechsel – möglicherweise zu Christian Kock, der auf der Generalversammlung am 22. März kandidieren wird. Genau wie seinerzeit Jørgen Popp Petersen, ist auch Kock seit einigen Jahren zweiter Vorsitzender und „kennt den Laden“. Und was hinzukommt: Hätte Popp Petersen noch einige Jahre draufgelegt, hätte es passieren können, dass er und der jetzige Direktor Tage Hansen womöglich fast zeitgleich aufgehört hätten. Nun ist die Kontinuität gesichert.

Kann man sich einen Landwirtschaftlichen Hauptverein Nordschleswig ohne Jørgen Popp Petersen vorstellen? Ja, denn der LHN ist natürlich mehr, als „nur“ der Vorsitzende, und ist breit aufgestellt – sowohl fachlich als auch politisch. Doch Popps Nachfolger wird in ganz schön große Fußstapfen treten müssen, denn der langjährige Vorsitzende hat nicht nur die Entwicklung der Beratungsstelle im Auge gehabt, sondern hat es auch verstanden, den LHN und seine Branche medial zu positionieren.

Dabei ist Popp Petersen nicht davor zurückgeschreckt, auch intern Kritik auszuüben, zum Beispiel, wenn es um die Sicherheit in der landwirtschaftlichen Arbeit geht, oder wenn es sich darum dreht, als Landwirt und Branche auch konstruktiv mit dem Klimawandel und Umweltbelastungen umzugehen.

Auch wenn Popp jetzt geht, das Lenkrad ist beim LHN weiterhin in sicheren Händen.

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