100 Jahre Genforening

Reitender König als Ampelmännchen

Reitender König als Ampelmännchen

Reitender König als Ampelmännchen

Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
König Christian X. ziert in Zukunft die Ampeln auf beiden Seiten des Apenrader Folkehjems. Foto: Claus Fisker, Ritzau/Scanpix

Die Dänen feiern 2020 ganz groß das Genforening – die Vereinigung Nordschleswigs mit Dänemark. Freitag wurde ein erstes Zeichen gesetzt: König Christian X. wurde als Ampelmännchen in zwei Apenrader Kreuzungen eingesetzt.

Das Genforenings-Jahr 2020 in dem die Vereinigung Nordschleswigs mit Dänemark 1920 gefeiert wird, nimmt langsam Fahrt auf: Freitag wurde ein erstes Zeichen gesetzt, als in zwei Apenrader Kreuzungen neue Ampeln eingesetzt wurden: Statt den klassischen Ampelmännchen zieren nun Figuren von König Christian X. auf seinem Pferd die Ampeln an den Fußgängerübergängen.

Weder Motiv noch die Platzierung am Haderslevvej in Apenrade sind zufällig gewählt: König Christian X. ritt auf seinem weißen Pferd in Nordschleswig ein, nachdem der Landesteil sich 1920 bei einer demokratischen Volksabstimmung zu Dänemark bekannt hatte. Und die beiden Kreuzungen am Haderslevvej in Apenrade (Løgumklostervej/Camma Larsen Leddets Vej) wurden gewählt, weil sie das Apenrader Folkehjem einrahmen. Auf dieser Strecke wird Ende Mai auch ein großes Bürgerfest gefeiert, mit der Einweihung des Genforeningsparks vor der historischen dänischen Versammlungsstätte.

Bürgermeister Thomas Andresen verewigte die neuen Ampeln am Haderslevvej. Foto: Claus Fisker, Ritzau/Scanpix

Startschuss für das Jubiläumsjahr

Am Freitagmorgen verteilte Bürgermeister Thomas Andresen Kaffee und Brötchen an die ersten 100 Passanten. „Das hier ist sozusagen der Startschuss für ein bedeutungsvolles Jahr für unseren Landesteil", sagt Andresen, der sich auf das Genforeningsjahr freut.

„Vor allem freue ich mich natürlich auf die Einweihung des Genforeningsparks, aber darüber hinaus bin ich froh darüber, dass es uns gelungen ist, viele gute Projekte für 2020 zu fördern in denen unter anderem auch die Jugend involviert wird", sagt der Bürgermeister. „Wir Alten kennen die Geschichte des Landesteils, aber es ist wichtig, die Grenzlandgeschichte an die Jugendlichen zu vermitteln, um zu zeigen, dass das heutige Zusammenleben keine Selbstverständlichkeit ist. Es war hier Mal anders."

Thomas Andresen, Dorthe Hilbig und andere Freiwillige verteilten am Morgen Brötchen und Kaffee in der Kreuzung Haderslevvej/Løgumklostervej. Foto: Claus Fisker, Ritzau/Scanpix

Kierkegaard ging ein Licht auf

Die Idee für den reitenden König als Ampelmännchen kommt allerdings nicht vom Bürgermeister, sondern von Peter Kierkegaard, Landschaftsarchitekt in der Kommune Apenrade. „Mir ging ein Licht auf", scherzte er am frühen Morgen. Auch andernorts gibt es besondere Ampelmännchen: Die Festivalstadt Tondern hat einen Musiker, in Odense zeitg H. C. Andersen den Weg, und in der Garnisonsstadt Fredericia zieren Landser (dän: Landssoldat) die Ampeln.

Kierkegaards Chef, Stig Isaksen, Direktor für Kultur, Umwelt und Wirtschaft in der Kommune Apenrade, fand die Idee gut, und daraufhin setzte sich die Kommune mit dem österreichischen Produzenten in Verbindung, um eine Schablone von König Christian X. zu entwerfen.

„Nach einigem hin und her haben wir den König ganz gut getroffen", meint der Direktor. Einige Passanten meinten zwar in den neuen Ampeln einen Ringreiter sehen zu können, doch die „aufrechte Positur ist schon königlich", so Isaksen. Die ganze Operation sei übrigens recht einfach, da in den Ampeln nur die Plastikscheibe mit dem königlichen Silhouette ausgewechselt werden musste.

Premiere für Freiwillige

Die Aktion am Freitagmorgen war auch die Premiere für eine neue Gruppe von freiwilligen Genforenings-Helfern.

„Wir werden 2020 in vielen Zusammenhängen freiwillige Helfer benötigen, und daher haben wir eine Freiwilligen-Gruppe eingerichtet. Beim ersten Treffen haben sich elf gemeldet und wir werden im Januar oder Februar ein weiteres Treffen haben", erklärt Asger Freud-Blomquist. „Wir haben keine obere Grenze dafür, wieviele Helfer sich melden können."

Die Freiwilligen werden unter anderem am 30. Mai beim großen Bürgerfest und der Einweihung des Genforeningsparks am Folkehjem in Apenrade eingesetzt. Dann wird die Strecke zwischen den beiden König-Christian-Kreuzungen für den Verkehr gesperrt, um dort eine Genforeningsmeile einzurichten.

„Dort brauchen wir jede Menge Freiwillige, denn es wird viele verschiedene Aufgaben geben", sagt Stig Isaksen.

Die Brötchen-Tüten waren mit dem Apenrader Genforenings-Logo versehen, das auf das Bürgerfest am 30. Mai aufmerksam macht. Foto: Claus Fisker, Ritzau/Scanpix

„Man muss selber mit anpacken"

Anette Tranberg aus Apenrade gehört zu den ersten freiwilligen Helfern. „Ich tue das gern. Einige sagen, sie helfen, um anderen zu helfen. Aber ich tue das auch für mich selbst. Ich mag es, neue Leute zu treffen", sagt die 57-jährige Kundenbetreuerin bei YouSee.

Sie lebt seit 2000 in der Stadt. „Ich mag es hier. Man muss aber auch selber mit anpacken wollen. Ohne freiwillige Kräfte geht nichts", sagt Anette Tranberg.

Sie hilft auch im „Weihnachtsdorf der Herzen" in Apenrade mit und ist außerdem seit Jahren Vorsitzende des Diabetesvereins in Apenrade.

Mehr lesen

Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Die spinnen die Politiker“