Einbürgerung

„Es war einfach an der Zeit“

„Es war einfach an der Zeit“

„Es war einfach an der Zeit“

Apenrade/Aabenraa
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Kirsten Braad (l.) nahm ihre Freundin Alison nach überstandener Einbürgerungszeremonie vor dem alten Rathaus in Empfang. Statt Umarmung oder Händedruck gratulierte sie der gebürtigen Schottin mit dem Corona-Ellenbogen. Foto: Karin Riggelsen

Alison aus Schottland lebt schon die Hälfte ihres Lebens in Dänemark und ist jetzt auch dänische Staatsbürgerin – wie ihre Kinder.

Auch ohne „Kransekage“ mit Champagner und ohne Händedruck des Bürgermeisters – alles dem Corona-Virus zum Opfer gefallen – sei es eine schöne und feierliche Zeremonie gewesen, sagt die Wahl-Bollerslebenerin Alison Christensen, die seit Dienstagnachmittag nun auch offiziell dänische Staatsbürgerin ist.

Als sie nach der Einbürgerungszeremonie das alte Rathaus in Apenrade verließ, wurde sie von Freundin Kirsten Braad Fähnchen schwingend in Empfang genommen.

Umtrunk im kleinen Kreis

Viel Zeit zum Gratulieren hatte die Freundin allerdings nicht. Auf sie wartete nämlich ein ehrenamtlicher Dienst im Apenrader Frauenhaus. So mussten Alison und Sohn Alexander allein auf diesen wichtigen Schritt im Leben der Mutter in einem nahegelegenen Restaurant miteinander anstoßen.

Aufgrund der Corona-Beschränkungen waren die 23 Neu-Dänen aus der Kommune Apenrade am Dienstag auf zwei Zeremonien im alten Rathaus verteilt worden. Dennoch durfte jeder Neu-Bürger nur einen Gast mitbringen. Alison Christensen aus Bollersleben/Bolderslev wurde daher nur von Sohn Alexander begleitet.

Alison Christensen lebt seit 33 Jahren in Dänemark. Foto: Karin Riggelsen

Mehr Jahre in Dänemark gelebt

Der Entschluss, die dänische Staatsbürgerschaft zu beantragen, war gefasst, als sie feststellte, dass sie inzwischen mehr Jahre in Dänemark lebt als in ihrer schottischen Heimat. Auch die Brexit-Diskussion hat ihre Entscheidung beeinflusst. „Es war jetzt einfach an der Zeit“, sagt sie. Alison Christensen hat ihren britischen Pass behalten; sie hat sich für die doppelte Staatsbürgerschaft entschieden.

Alison kam 1987 als Austauschlehrerin nach Skagen. Dort lernte sie ihren späteren Mann kennen und blieb daher der Liebe wegen in Dänemark hängen.

Von Skagen nach Bollersleben

In Skagen wurde bereits im Jahr darauf geheiratet. Dort sind die Kinder zur Welt gekommen. Nach zwölf Jahren als „Nur“-Hausfrau und Mutter wollte sie jedoch wieder als Lehrkraft arbeiten.

„Mir wurde eine Stelle in Bollersleben angeboten. Und dann sind wir nach Nordschleswig gezogen. Für meinen Mann war das überhaupt kein Problem. Er stammt aus dem Landesteil“, erzählt Alison Christensen und Sohn Alexander fügt hinzu: „Das war ganz praktisch. Die Familie wohnt in der Nähe.“

Seit 1999 gehört sie dem Kollegium der Bollerslebener Schule an. Sie unterrichtet gern und ist laut Freundin Kirsten auch eine tüchtige und beliebte Lehrerin. Alison selbst ist zu bescheiden, um so etwas von sich zu behaupten.

Alison Christensen (Bildmitte) wurde von Sohn Alexander (r.) zur Einbürgerungszeremonie begleitet. Vor dem Rathaus wartete Freundin Kirsten Braad gespannt. Foto: Karin Riggelsen

Pädagogikstudium in Hadersleben

Da ihre schottische Lehrer-Ausbildung in Dänemark nicht voll anerkannt wurde, musste sie noch ein Pädagogikstudium in Hadersleben absolvieren. „Obwohl das auf Dänisch stattgefunden hat und ich in Bollersleben auch nicht nur Englisch unterrichte, sondern eigentlich alles bis auf die Fächer Dänisch und Deutsch, musste ich eine Dänischprüfung ablegen. Das war schon ein wenig merkwürdig. – Allerdings sind die Regeln ja für alle gleich und dann ist es halt so“, sagt die 63-Jährige.

Für den Einbürgerungstest hat sie dann doch büffeln müssen, hat aber auf Anhieb bestanden.

Die Briten verlangen keinen Einbürgerungstest

Alisons Kinder haben seit ihrer Geburt die dänische Staatsbürgerschaft. Sie haben aber nicht automatisch die britische erhalten. „Sollte ich mich allerdings dazu entscheiden, wäre es kein Problem. Da reicht es, wenn man belegen kann, dass ein Elternteil Schotte ist. Ich müsste weder einen Sprach- noch einen Einbürgerungstest ablegen. Vielleicht mache ich das. Ich habe mich noch nicht entschieden“, sagt der Sohn.

(Dieser Artikel wurde am 24. September 2020 redaktionell geändert.)

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