Leitartikel

„Versprechen oder versprochen?“

Versprechen oder versprochen?

Versprechen oder versprochen?

Apenrade/Aabenraa
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Von dem Versprechen der Staatsministerin, dass sich die Situation im Grenzland normalisieren soll, ist bisher nicht viel zu spüren. Besonders mit Blick auf die Maisernte fragt sich Journalistin Kerrin Jens, ob sich die Regierung bei der Normalisierung nicht eher versprochen hat.

Als sich die Regierung im März dazu entschied, die Grenzen zwischen Deutschland und Dänemark im Zuge der Corona-Krise zu schließen, hätten die Landwirte in Nordschleswig wohl nicht damit gerechnet, dass sie diese Entscheidung sechs Monate später bei ihrer Maisernte beeinträchtigen würde.

In einem offenen Brief wendet sich der Landwirtschaftliche Hauptverein für Nordschleswig (LHN) nun an Nahrungsmittelminister Mogens Jensen, Transportminister Benny Engelbrecht und Justizminster Nick Hækkerup, denn die kleinen Grenzübergänge sind immer noch gesperrt.

In vier Wochen müssen sie bis zu 100-mal am Tag über die Grenze fahren, um den Mais, der in Nordschleswig geerntet wird, nach Deutschland zu transportieren. Der LHN rechnet mit 20.000 Maisernte-Transporten ab Ende September.

Und auch wenn es an manchen Übergängen die Möglichkeit gibt, mithilfe eines Codes für ein Zahlenschloss die Grenze zu passieren, wie soll das funktionieren? Vom Maisfeld auf den Transporter, an der Grenze aussteigen, Code eingeben, Übergang aufmachen, in den Transporter steigen, über die Grenze fahren, aussteigen, Übergang zu, in den Transporter steigen, weiterfahren – 100-mal am Tag? Das ist nicht nur extrem zeitaufwendig, sondern auch nicht für alle Beteiligten möglich, denn nicht jeder kennt den Code und dieser wird auch mitunter von der Polizei geändert, ohne es den Landwirten mitzuteilen.

Da ist es nicht überraschend, dass sich die Landwirte fragen, wie diese außergewöhnliche Art der Ernte, die kilometerlangen Umwege und der zeitliche Aufwand mit der Normalisierung zusammenhängen, die Staatsministerin Mette Frederiksen am 29. Mai dem Grenzland versprochen hat. Und vor allem, wie hilft das dabei, das Coronavirus in Dänemark einzuschränken?

Wenn sich die Situation an der Grenze nicht normalisiert, schreiben die Autoren in ihrem offenen Brief an die Minister, sei ein beträchtliches Verkehrschaos an den jetzigen Grenzübergängen zu erwarten. Und dann nutzt den Grenzpendlern auch die Abschaffung der Sechs-Tage-Regel nichts mehr, die Justizminster Nich Hækkerup im August bekanntgab. Durch die Abschaffung hoffte er, dass der Verkehr flüssiger fließen würde, wie er den Medien beim jährlichen Sommertreffen in Rinkenis/Rinkenæs mitteilte.

Im Zusammenhang mit diesem Treffen erklärte er, dass eine Lösung für die Probleme mit den Grenzkontrollen gefunden werden müsse und versprach, sich persönlich an die Spitze dieser Arbeit zu stellen.

Rückblickend fragen sich wohl nicht nur die Landwirte, ob er sich bei diesem Versprechen nicht wohl eher versprochen hat.

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