Leitartikel

„Trinkwasser schützen “

Trinkwasser schützen

Trinkwasser schützen

Apenrade/Aabenraa
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Es bleibt zu hoffen, dass die Kommunen die Bürger und auch ihre eigenen Mitarbeiter dazu bewegen, künftig aktiver Trinkwasserschutz zu betreiben und auf die „chemische Keule“ zu verzichten, meint Volker Heesch. Denn es handele sich längst nicht nur um „Sünden der Vergangenheit“, die bereinigt werden müssen.

Seit Jahrzehnten wird in Dänemark immer wieder – mit alarmierendem Unterton – über den Nachweis von Pestiziden oder Abbauprodukten von Stoffen berichtet, die tierische Schädlinge, Unkraut oder auch Pilzerkrankungen in pflanzlichen Kulturen beseitigen sollen.

Vor 30 Jahren hieß es, ebenso wie in der jüngeren Vergangenheit, man habe es mit Sünden der Vergangenheit zu tun. Die modernen „Pflanzenschutzmittel“ seien längst nicht so schädlich wie die Chemikalien, die in der Vergangenheit eingesetzt worden sind.

Leider musste man sich aus Umweltschutzsicht eines Besseren belehren lassen. Es werden Jahr für Jahr neue Pestizidreste aufgespürt. Vor allem nach dem bedrückenden Prinzip, dass immer mehr der unerwünschten Substanzen entdeckt werden, je mehr Analysen durchgeführt werden, oder das Spektrum der aufzuspürenden Stoffe erweitert wird.

Überzeugen konnte bestimmt nicht die „Abwehrstrategie“ der Pestizidlobby, die Konzentrationen der nachgewiesenen Stoffe seien so niedrig, dass man kubikmeterweise belastetes Wasser trinken müsste, um vielleicht krank zu werden.
Es gibt seit Jahren beispielsweise Hinweise, dass Reste der versprühten Agrarchemikalien gesundheitliche Folgen für den Menschen haben – und auf Fische, Amphibien und andere Tiere.

Glücklicherweise gilt in Dänemark meist das Vorsichtsprinzip, weshalb die zuständigen Behörden unabhängig von der jeweiligen Farbe der Regierung reagiert haben, wenn neue Grenzwertüberschreitungen festgestellt wurden. Es wurden auch auf EU-Ebene Stoffe verboten, deren Gefährlichkeit meist sehr spät aufgefallen ist.
Beim Thema Glyphosat gibt es noch eine Hängepartie.

In Dänemark laufen aktuell aber Schritte auf anderer Ebene. Die Kommunen als zuständige Umweltbehörde müssen erweiterte Schutzzonen rund um Trinkwasserbrunnen festlegen. Es ist das Ergebnis einer breiten politischen Einigung in Sachen Trinkwasserschutz im Januar 2019.

Es muss festgelegt werden, wo künftig im Einzugsbereich der Brunnen nicht mehr gespritzt werden darf.
Viele der Brunnen liegen in Nordschleswig in Siedlungs- und Wohngebieten, wo künftig also auch der Gifteinsatz in Gärten, auf Grünflächen und Sportanlagen untersagt wird.

Es bleibt zu hoffen, dass die Kommunen die Bürger und auch ihre eigenen Mitarbeiter dazu bewegen, künftig aktiver Trinkwasserschutz zu betreiben und auf die „chemische Keule“ verzichten.

Auch Landwirte werden teilweise ihre Giftspritze auf bestimmten Flächen ausschalten müssen.
Es soll finanziellen Ausgleich für betroffene Anwender der Gifte geben, die umgekehrt gedacht bisher nie zahlen mussten, wenn sie durch ihre Chemikalien teilweise ganze Wasserwerke unbrauchbar gemacht haben.

Mehr unbelastetes Wasser wird auf jeden Fall Kosteneinsparung bringen, wenn nicht mehr – wie oft geschehen – viele vergiftete Brunnen dichtgemacht und durch neue ersetzt werden müssen.

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