Leitartikel

„Trans statt Inter “

Trans statt Inter 

Trans statt Inter 

Apenrade/Aabenraa
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Cornelius von Tiedemann thematisiert in seinem Leitartikel den Unterschied zwischen internationalem und transnationalem Denken und appelliert, letzterem eine größere Chance zu geben.

Die dänisch-deutsche Freundschaft ist weit gediehen. Viel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten getan. Doch zu oft liegt der Fokus noch auf dem Internationalen, nicht auf dem Transnationalen.

Was will der Autor uns nun damit sagen? Und hat er noch weitere verwirrende Begriffe in petto? Natürlich: „Bilateral“ zum Beispiel.
Das benutzen Politiker und andere kluge Menschen gerne, wenn gemeint ist, dass Vertreter zweier Seiten (hier Länder) sich austauschen. Bilateral also hat sich deutsch-dänisch vieles zum Guten entwickelt. Aber auch und, ganz ehrlich, vor allem dank der „multilateralen“ Europäischen Union und ihrem unnachgiebigen Drängen auf Öffnung und Angleichung ist es heute ein Leichtes, seinen Lebensmittelpunkt ganz von einem Land ins andere zu verlegen – oder in einem Land zu arbeiten und in dem anderen zu leben.

Grenzkontrollen, Zäune und andere mehr oder weniger ernstzunehmende Manifestationen einer Trennung können dem zum Glück im Kern nichts anhaben. Das liegt an den bi- und multilateral vereinbarten internationalen Absprachen. Ganz stark aber auch, und hier kommen die Minderheiten ins Spiel, am transnationalen Wirken der Menschen im Grenzland und daran, dass sie Realitäten schaffen, wo Verwaltung und Politik noch bi- und multilateral ausloten, taktieren und verhandeln.

Transnational, das bedeutet „jenseits des Nationalen“. Es meint also, dass auch außerhalb der offiziellen zwischenstaatlichen („internationalen“) Ebene Beziehungen zwischen den Bewohnern verschiedener Länder bestehen.

Hier im Land mit dem irreführenden Namen „Grenzland“ leben wir schon längst nicht mehr inter-, sondern vor allem transnational. Doch die Politik, die unseren Alltag bestimmt und die öffentliche Debatte, sie wird noch immer vorwiegend national beziehungsweise international geführt.

Ob in den Medien oder bei Politikertreffen – es geht immer zuerst um Landesinteressen, die oftmals mit den Interessen der Region, in der die Menschen einen weitgehend transnationalen Alltag leben, gar nicht übereinstimmen.

Das ist letztlich nichts anderes als die „Kopenhagenerei“, die viele in der Provinz beklagen. Die „Dänemarkerei“ oder „Deutscherei“ bringt uns und die Menschen, die in anderen Grenzregionen und transnationalen Lebenssituationen sind, nicht voran.

Das größte transnationale Projekt unserer Tage ist und bleibt das Europa der Regionen, das weiterhin viele überzeugte Europäer wollen – und das ja auch die europäische Partei der Schleswigschen Partei, die Europäische Freie Allianz, anstrebt.

Nicht wenige sehen im Europa der Regionen den Ausweg aus nationalistischem Gegeneinander – weil Regionen keine befestigten Grenzen und Abgrenzungen zueinander brauchen, aber dennoch mentalitäts- und identitätsstiftend sind, und weil sie Europa bei den Bürgern verankern.

Für viele sind solche Gedanken, obwohl sie schon Jahrzehnte alt sind, noch immer kaum zu verkraften. Sie denken national, höchstens international. Doch wer die Wirtschafts- und Entwicklungsdaten sieht, wird feststellen, dass die nationalistischen Regierungen in Europa außer an den Wahlurnen keine Erfolge vorzuweisen haben.

Die Zukunft gehört ihnen nicht, sie gehört jenen, die jenseits von nationalem Dünkel gute Lebensbedingungen schaffen wollen. Die transnational denken und handeln. So wie viele es hier bei uns bereits tun.

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