Leitartikel

„Jensen der große Verlierer im Venstre-Sommertheater“

Jensen der große Verlierer im Venstre-Sommertheater

Jensen der große Verlierer im Venstre-Sommertheater

Apenrade/Aabenraa
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Venstre-Vize Kristian Jensen hat den Vorstoß gegen Parteichef Løkke gewagt – und ist gescheitert. Der zweite Versuch, die Macht in der Partei an sich zu reißen dürfte der letzte gewesen sein, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Es spielte sich ein politisches Drama ab, als die Folketings- mitglieder von Venstre diese Woche zum Sommergruppentreffen auf dem Gutshof Kragerup bei Slagelse zusammenkamen. Ein Drama, das mit einem möglichen Sturz Lars Løkke Rasmussens begann, aber mit einem gestärkten Parteivorsitzenden endete.

Der große Verlierer ist indes Kristian Jensen, dessen Putschversuch gegen Løkke ins Leere lief und den zweiten Vorsitzenden derart geschwächt zurückgelassen hat, dass man sich fragen muss, ob Kristian Jensen noch eine Zukunft bei Venstre hat.

Jensen sägte diese Woche am Stuhl von Lars Løkke Rasmussen, als er dessen Linie im Wahlkampf öffentlich in einem Zeitungsinterview infrage stellte. Jensen mag geglaubt haben, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen sei, bei Venstre die Macht zu übernehmen.

Zehn Jahre als zweiter Vorsitzender und die Schmach von 2014, als er schon einmal vergeblich versuchte, Løkke auszuhebeln, mögen ihn ungeduldig gemacht haben.

Fest steht aber, das Jensen den falschen Zeitpunkt gewählt hat (nach zwei Venstre-Wahlsiegen im Sommer zum Folketing und zur EU), und dass er auch die Stimmung in der Partei völlig falsch eingeschätzt hat. Kristian Jensen wurde Freitag förmlich öffentlich ausgepeitscht, und obwohl er sich noch Hoffnungen macht, im Herbst ein weiteres Mal als zweiter Vorsitzender gewählt zu werden, steht er dermaßen geschwächt da, dass er auf dem Landestreffen von Venstre durchaus mit einem Gegenkandidaten rechnen muss – und dadurch ganz aus der Thronfolge scheiden könnte.

Venstre-Nestor Claus Hjorth Frederiksen forderte beim Sommergruppentreffen – und später vor der versammelten Presse – den Rücktritt Jensens. Habe er doch illoyal gehandelt. Jensen gab während der Pressekonferenz zu, dass mehrere Venstre-Kollegen ihn dafür kritisiert hätten, öffentlich gegen die Linie von Løkke anzugehen. Im Nachhinein wünschte er, dass er die Kritik intern angesprochen hätte. Aber diese Einsicht kommt zu spät und kann für Jensens politische Karriere fatal gewesen sein.

Im Augenblick stellt sich nach dieser öffentlichen Demütigung nämlich niemand mehr auf Jensens Seite. Und Løkke wird vorerst keiner so schnell wieder herausfordern – er wird auch bei der nächsten Folketingswahl der Staatsministerkandidat seiner Partei sein und sitzt bei Venstre fest im Sattel. Kristian Jensen dagegen könnte schon bald Geschichte sein – hat jemand vielleicht einen guten Job für ihn in der privaten Wirtschaft?

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