Kulturkommentar

„Social-Media-Zwang“

Social-Media-Zwang

Social-Media-Zwang

Maylin Adomat
Apenrade/Aabenraa
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Wie stark ist das Selbstverständnis von regelmäßiger Social-Media-Aktivität in den Köpfen der Menschen verankert? Und was macht dies mit denjenigen, die sich nicht mit Social Media identifizieren können? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Maylin Adomat in einem Kulturkommentar.

„Wie? Du hast kein Instagram? Dann verpasst du ja alles!“ Reaktionen dieser Art, meist zusammen mit einem völlig entgeisterten Blick, erlebe ich häufig, wenn ich zugebe, nicht in Social-Media-Kanälen aktiv zu sein.

Instagram, Facebook und Co. sind in unserer Gesellschaft so allgegenwärtig und ihre Nutzung so selbstverständlich, dass das Fehlen eines Social-Media-Accounts von vielen als ein ernsthafter Mangel wahrgenommen wird. Aktivität in sozialen Netzwerken ist für viele Menschen völlig selbstverständlich und gleichbedeutend mit der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, sowie mit einem Gefühl der Zugehörigkeit.

Gegen diese Einstellung ist grundsätzlich auch nichts einzuwenden, denn soziale Medien ermöglichen eine neue, vielseitige Art der Kommunikation, die das gesellschaftliche Leben durchaus bereichern kann.

Problematisch wird es jedoch dann, wenn Menschen unter Druck gesetzt oder gar ausgegrenzt werden, wenn sie sich nicht mit dem Charakter sozialer Netzwerke identifizieren können und nicht das Gefühl haben, diese unbedingt zu brauchen. Ich selbst habe solche Erfahrungen auch schon gemacht, wobei ich meinem Umfeld hier keine bösen Absichten unterstellen möchte.

Vielen ist nicht bewusst, dass bereits die Aussage, ohne soziale Medien nicht ausreichend informiert zu sein, als diskriminierend empfunden werden kann. Ebenso kann der ständige Zwang, seine eigene Abwesenheit in sozialen Netzwerken zu rechtfertigen, zur Belastung werden.

Deutlich und nachvollziehbar sollte es hingegen sein, dass Personen, die von gesellschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen werden, weil ausschließlich über die sozialen Medien über diese berichtet wurde, ein Gefühl der Ausgrenzung und der Ungerechtigkeit erfahren.

Wir alle sollten unsere Einstellung von Zeit zu Zeit kritisch hinterfragen und Verständnis zeigen für die unterschiedlichen Vorlieben und Lebensstile unserer Mitmenschen, auch was den Umgang mit sozialen Medien angeht. Damit sich auch in Zukunft jeder in der Gesellschaft angenommen fühlen kann – ob nun mit oder ohne Instagram.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Reden wir darüber“