Diese Woche in Kopenhagen

„Mad Max in Kastrup?“

Mad Max in Kastrup?

Mad Max in Kastrup?

Kopnenhagen
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In der Corona-Krise waren dramatische Maßnahmen nötig, weil wir schlecht vorbereitet waren. Auf kommende Krisen, nicht zuletzt die Klimakrise, sollten wir uns besser vorbereiten, meint Walter Turnowsky, Korrespondent in Kopenhagen.

Schon zu Anfang der Corona-Krise waren wir in unserem Sommerhaus auf Bornholm gewesen.

Für die Rückreise hatten wir uns für das Flugzeug entschieden. Die Ankunft in Kastrup war gespenstisch: leere Gänge, alle Geschäfte zu, nur einzelnen Flüge auf den Anzeigetafeln.

Man fühlte sich an dystopische Filme wie Mad Max erinnert. Irgendwie hätte es kaum verwundert, wäre ein junger Mel Gibson in Lederkluft einem auf dem Motorrad entgegengekommen.

Wer, wie ich, Kind der 80er Jahre ist, kennt diese postapokalyptischen Erzählungen, die Film, Musik und Comics prägten.
Es war wohl unter anderem der Schatten der Mauer zwischen Ost und West, der diese düsteren Erzählungen hervorgebracht hat.

Im Schatten der Mauer

Genau im Schatten diese Mauer wanderte David Bowie durch Berlin und schrieb die Zeilen von Helden, die wir für einen Tag sein könnten. Die Sex Pistols hatten in die Mikros geschrien, es gäbe keine Zukunft und Bassist Sid Vicious hatte in seiner Selbstzerstörung gleich den persönlichen Beweis angetreten.

Auch das Bewusstsein der Umweltzerstörung und der sich anbahnenden Klimakrise trugen wohl zu der düsteren Stimmung bei einem Teil der Jugend bei.

Ob wir tatsächlich geglaubt hatten, dass wir in unserem Leben verödete Flughäfen erleben würden, darüber bin ich mir nicht so sicher.

Der große Bruder

Szenewechsel: Lauf durch Fælledparken an einem Sonntagmorgen. Auf einem der Pfade kommt ein Polizeiwagen gerollt, aus der Gegenrichtung ein zweiter. In diesem Abschnitt des Parks sind etwa 10 bis 20 Personen, die die Corona-Regeln übertreten könnten.

Vielleicht doch nicht Mad Max, sondern eher Schöne neue Welt. Der große Bruder (oder die große Schwester) sorgt sich um unser Wohlergehen so sehr, dass unser Verhalten geregelt und beobachtet werden muss.

Verstehen Sie mich recht, mir geht es hier nicht darum, die Regeln und Richtlinien zu hinterfragen. Insgesamt gesehen, hat die dänische Regierung die Krise sicherlich recht vernünftig gehandhabt.

Aber wir sollten nicht vergessen, dass der Staat in der Krise schon sehr weitgehende Befugnisse erhalten hat. Versammlungen sind bekanntlich verboten. Die Polizei kann Aufenthalte an bestimmten Orten verbieten. Besuche bei Angehörigen in Pflegeheimen sind untersagt. An den Grenzen wird genauestens sortiert, wer hineindarf und wer nicht. Es ist sogar zulässig, Menschen in Zwangsquarantäne zu stecken.

Zum Glück sind die meisten dieser Bestimmungen mit einer sogenannten Sonnenuntergangs-Klausel versehen. Und sie sollen bitteschön auch, sobald es möglich ist wieder verschwinden.

Bessere Vorbereitung ist von Nöten

Doch was geschieht, und hier bin ich bei meiner eigentlichen Pointe angelangt, in der nächsten Krise? Werden dann diese Regeln und Richtlinien wieder ausgepackt?

Die Corona-Krise hat Gesellschaft, Behörden und Regierung weitgehend überrascht. Das hat entscheidend dazu beigetragen, dass so dramatische Maßnahmen nötig werden.

Kommt eine zweite Welle oder eine neue Pandemie sollten wir besser vorbereit sein und mit weniger – oder am liebsten keinen – Eingriffen in die Bürgerrechte auskommen.

In noch viel höherem Maße gilt dies für die letztlich viel ernstere Klimakrise. Denn es wird selbst im besten Fall Jahrzehnte dauern sie zu bewältigen.

Selbst wenn die Ziele des Pariser Abkommens erreicht werden, erzählen uns die Wissenschaftler, dass die Temperatur die kommenden 20 bis 30 Jahre unvermindert ansteigen werden.

Dramatische Entwicklungen unabwendbar

Das heißt wiederum häufigere Stürme, häufigere Hochwasser und schwere Regengüsse. Menschen werden ihr Hab und Gut verlieren, einige auch ihr Leben.

Weite Landstriche der Erde werden unbewohnbar werden. Dies gilt zum Beispiel in Afrika, Bangladesch und Inselgruppen wie den Malediven. Menschen werden gezwungen werden sich auf die Flucht zu begeben.

Absehbare Entwicklungen, die den einen oder anderen dazu animieren könnte zu eingreifenden Gesetzgebungen zu greifen, sollten wir diese Entwicklungen einfach auf uns zukommen lassen. Und das Ganze könnte wie jetzt, von einer Gängelung der Bevölkerung begleitet werden.

An der Freiheit festhalten

Richtlinien was einzukaufen ist und was nicht. Welche Fahrten sind nötig und welche sind zu unterlassen? Wie oft darf Fleisch gegessen werden? Weitgehende Befugnisse für Polizei und Behörden im Fall von Naturkatastrophen.
All dies ist, denke ich, vorstellbar. Nur sollten wir so planen, dass wir ohne auskommen.

Dies erfordert einerseits, dass nun wirklich an den Klimazielen festgehalten wird. Denn Greta Thunberg hat ja vollkommen recht, wenn sie den Generationen vor ihrer Versagen in dieser Frage vorwirft. Denn wie erwähnt, war das Problem bereits vor 40 Jahren bekannt.

Aber gleichzeitig müssen wir auch planen, wie wir mit den jetzt unabwendbaren Folgen umgehen wollen.

Denn darauf zu warten, dass ein großer Bruder oder eine große Schwester kommt, um das alles zu richten, wäre das Dümmste, dass wir tun können.

Und ja, das kann durchaus bedeuten, dass die Flughäfen in Zukunft leerer werden und wir eine klimafreundlichere Transportform ins Sommerhaus wählen müssen.

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